AnschlagRussischer Botschafter in der Türkei stirbt nach Attentat

Der russische Botschafter in der Türkei, Andrej Karlow, ist in Ankara erschossen worden. Das bestätigte das russische Außenministerium. Demnach eröffnete der Täter in einer Ausstellungshalle das Feuer. Drei weitere Menschen wurden verletzt. Moskau spricht von einer "terroristischen Handlung".

19.12.2016

Die Polizei sicherte die Umgebung um die Ausstellungshalle, in der der russische Botschafter erschossen wurde.
Die Polizei sicherte die Umgebung um die Ausstellungshalle, in der der russische Botschafter erschossen wurde. (picture alliance / Str/EPA/dpa)
Andrej Karlow wurde im Cagdas Sanatlar Merkezi angegriffen, einer wichtigen Ausstellungshalle im Cankaya-Viertel, in dem die russische sowie viele andere Botschaften liegen. Er hatte dort eine Ausstellung eröffnet. Augenzeugen berichten, der Täter habe zunächst in die Luft geschossen und dann auf Karlow. Als dieser am Boden lag, habe der Täter weitere Schüsse abgegeben. Auf einem Video war zu sehen, wie der Angreifer rief: "Vergesst nicht Aleppo, vergesst nicht Syrien". Neben dem Botschafter wurden nach Angaben des türkischen Innenministers Süleyman Soylu drei Menschen verletzt. Karlow erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Der russische Botschafter in der Türkei, Andrej Karlow, wurde bei einer Ausstellungseröffnung niedergeschossen.
Andrej Karlow (dpa/AP/Burhan Ozbilici)
Polizisten, die nach dem Vorfall in der Galerie anrückten, erschossen den Angreifer Medienberichten zufolge nach einem 15-minütigen Schusswechsel. Das türkische Innenministerium identifizierte ihn als einheimischen Polizisten mit Jahrgang 1994, der seit zweieinhalb Jahren bei der Bereitschaftspolizei in Ankara arbeitete. Er war zum Zeitpunkt der Tat allerdings nicht im Dienst, sagte der Bürgermeister von Ankara, Melih Gökcek. Die regierungsnahe Tageszeitung "Yeni Safak" berichtete, er sei Mitglied einer Spezial-Eingreiftruppe gewesen.
Internationale Reaktionen
Russland verurteilte den Angriff als eine "terroristische Handlung". Der türkische Innenminister Süleyman Suley sagte, das Attentat mache die Regierung und die Nation "tieftraurig". Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan informierte Russlands Präsident Wladimir Putin per Telefon über das Attentat.
Auch die Bundesregierung äußerte sich zu dem Angriff:
Die UNO und die USA zeigten sich entsetzt. "Wir verurteilen diesen Gewaltakt, wer auch immer dafür verantwortlich ist", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby. "Unsere Gedanken und Gebete sind bei ihm [Karlow] und seiner Familie." US-Außenminister John Kerry bot Hilfe bei der Aufklärung des Attentats an. Ein Sprecher der UNO sagte, es gebe keine Rechtfertigung für einen Anschlag auf einen Diplomaten oder Botschafter.
Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini verurteilte den Angriff: "Ich war zutiefst erschüttert, von dem unfassbaren Angriff auf Botschafter Andrej Karlow heute Nachmittag in Ankara zu hören", schrieb die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini in einer Botschaft an den russischen Außenminister Sergej Lawrow. Sie drückte der Familie des Diplomaten und den russischen Behörden ihre Anteilnahme aus. "Wir möchten angesichts dieses kriminellen Gewaltakts unsere Solidarität mit Russland ausdrücken".
Auch aus Frankreich kamen bestürzte Reaktionen: Präsident François Hollande verurteilte die Ermordung "mit Nachdruck". Außenminister Jean-Marc Ayraut teilte mit, er habe mit Bestürzung von der Attacke auf den Diplomaten in Ankara erfahren. "Frankreich verurteilt diese niederträchtige Tat. Nichts kann Gewalt und Terrorismus rechtfertigen".
Proteste in der Türkei gegen Russland
Der Pressesprecher der türkischen Botschaft in den USA schrieb auf Twitter, das Attentat sei ein Angriff auf die russisch-türkischen Beziehungen:
In den vergangenen Tagen hatte es in der Türkei wiederholt Proteste vor den Botschaften des Iran und Russlands wegen deren Unterstützung für die Offensive der syrischen Regierungstruppen gegen die Rebellen im syrischen Aleppo gegeben. In der türkischen Bevölkerung ist die Empörung groß über das Vorgehen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad in der nordsyrischen Großstadt, die inzwischen von der syrischen Armee fast vollständig von den Rebellen zurückerobert wurde.
Geplantes Treffen zu Syrien soll stattfinden
Das Verhältnis Moskaus und Ankaras hatte sich nach einer mehrmonatigen Eiszeit zuletzt verbessert. Beide Länder vermittelten vergangene Woche ein Abkommen zum Abzug der verbliebenen Rebellenkämpfer und Zivilisten aus dem Osten Aleppos. Am Dienstag ist ein Treffen in Moskau zwischen den Außenministern Russlands, der Türkei und des Iran zum Syrien-Konflikt geplant. Laut Aussagen des russischen Abgeordneten Leonid Slutsky soll es trotz des Attentats stattfinden.
(cvo/ach)