Dienstag, 27. September 2022

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Ansteckungsgefahr für Versicherer

Greift die Bankenkrise auf deutsche Versicherer über? Die Aufsichtsbehörde BaFin befürchtet das und überprüft laut einem Zeitungsbericht die Kapitalverflechtungen zwischen Geldhäusern und Versicherungskonzernen. Die Sorge: Taumelnde Banken könnten auch die Assekuranzen zu hohen Abschreibungen zwingen.

Von Brigitte Scholtes | 24.10.2011

    Wenn Banken ins Taumeln geraten, dann könnte das auch Auswirkungen auf die Versicherungswirtschaft haben. Denn Versicherungen investieren auch in Wertpapiere der Banken: zum Beispiel in Aktien oder Bankanleihen. Darin halten die Unternehmen nach Angaben des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft 15 Prozent ihrer Kapitalanlagen. In besicherten Wertpapieren wie Pfandbriefen liegen weitere 24 Prozent. Für die Banken könnte deshalb ein erhebliches Risiko darin liegen, wenn die Versicherungen nun dieses Engagement zurückfahren, meint Christian Muschick, Versicherungsanalyst von Silvia Quandt Research:

    "Es ist sicherlich so, dass die Versicherungen kritischer werden und vorsichtiger werden, was Bankanleihen angeht und eigenkapitalnah, also Nachrangkapital für Banken. Dort wird es sicherlich schwieriger werden und teurer, Geld einzuwerben. Insofern ist da sicherlich die Angst der Banken berechtigt, ein Stück weit nachzuvollziehen. Ansonsten glaube ich, wird es keine großen Veränderungen geben, weil die Eigenkapitalvorschriften, die ab 2014 in Kraft treten werden, Investitionen in Staatsbonds subventionieren, wenn man so will."

    Denn immer noch halten die meisten Versicherungen den größten Teil ihrer Anlagen in Staatsanleihen: auch die Pläne für eine Regulierung sehen bisher nicht vor, dass die Anleihen europäischer Staaten mit Eigenkapital unterlegt werden müssen, obwohl mittlerweile eigentlich klar ist, dass diese nicht frei von Risiko sind. Insgesamt aber sei die Assekuranz in den letzten Jahren seit der Finanzkrise schon erheblich vorsichtiger geworden in ihrer Anlagepolitik, meint der Analyst:

    "Wenn wir mal annehmen, Griechenland schlittert in die Insolvenz, die Banken müssen ihre Griechenland-Exposures abschreiben, da wird es sicherlich den ein oder anderen geben, der Hilfe braucht, vor allem, wenn man mal nach Frankreich schaut. Aber es ist ja noch relativ wahrscheinlich, dass in einem solchen Szenario die Bond-Investoren, in Bankbonds investierte Versicherer vor allem, ungeschoren bleiben, weil im Endeffekt der Steuerzahler dort Kapital nachschießt, um einen solchen Effekt zu verhindern."

    Ohne staatliche Auffanglösungen aber wäre wohl doch ein Risiko vorhanden. Im Frühjahr hatte eine Befragung des deutschen Finanzaufsicht Bafin ergeben, dass die zehn größten Versicherer etwas mehr als die Hälfte ihrer Geldanlagen bei Banken investiert haben. Deshalb sehen die Aufseher eine gewisse Ansteckungsgefahr und haben nach Informationen der "Financial Times Deutschland" die Versicherungen gebeten, ihnen bis zum 7. November die Höhe ihrer Geldanlagen bei den Banken mitzuteilen. Sollten Italien und Spanien in Schieflage geraten, dann sieht auch Analyst Muschick erhebliche Auswirkungen. Denn die Versicherungen unterlegen ihr Versicherungsgeschäft in den jeweiligen Ländern, in denen sie ihr Geschäft abwickeln. Und Italien ist der drittgrößte Versicherungsmarkt in Europa.