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AOK zu Krankenhausreform
"Qualität statt nur mehr Geld"

Den Krankenhäusern kommt eine zentrale Rolle bei der gesundheitlichen Versorgung in Deutschland zu. Doch weil sich die Rahmenbedingungen verändern, will die Bundesregierung die Arbeit der Kliniken neu organisieren. Heute hat in Berlin der AOK Bundesverband seine Erwartungen an dieses Reformprojekt vorgestellt.

Von Johannes Kulms | 20.02.2015

Ein Mediziner bekommt am 18.02.2014 in einer Klinik in Baden-Württemberg vor einer Operation ein Paar Handschuhe angezogen.
Es soll nicht nur ums Geld gehen, sondern um mehr, fordert die AOK von der Klinikreform. (picture-alliance / dpa / Felix Kästle)
Es soll nicht nur ums Geld gehen. Sondern um mehr. Diese Empfehlung gibt der Bundesverband der Allgemeinen Ortskrankenkassen, kurz AOK, für die Reform der deutschen Krankenhauslandschaft.
AOK-Vorstand Uwe Deh hat eine klare Vorstellung davon, wie künftig die Mittel für die Finanzierung der Kliniken bundesweit verteilt werden sollten:
"Wir reden immer über große Summen, dass man die wirklich auch immer so einsetzt, dass man den Strukturumbau in Gang bekommt. Und nicht in eventuell behindert, indem man nach der Methode Gießkanne das Geld breit verteilt. Sondern gezielt einsetzen, gezielt zum Strukturumbau."
Gute Leistungen sollten honoriert werden, für schlechte Leistungen soll es weniger Geld geben. So stellen sich die Krankenkassen die Strukturreform vor.
Mehr als nur eine Finanzspritze
Umso wichtiger sei es, dass am Ende mehr übrig bleibe als nur eine Finanzspritze, so AOK-Chef Deh bei der Vorstellung des Krankenhausreports 2015.
"Wir wünschen uns und fordern, dass wir möglichst schnell und bundesheitlich zu Qualitätsstandards kommen. Es ist wichtig, dass Bund und Länder, nachdem sie den Handlungsbedarf dokumentiert haben, jetzt auch den nächsten Schritt tun und künftig klar regeln, dass Kliniken, die solche Anforderungen nicht erfüllen, auch bestimmte Behandlungen nicht mehr machen dürfen."
Ein Beispiel hierfür sieht Deh in den Zentren, die an Kliniken geführt werden. Welche Bedingungen so ein Zentrum eigentlich erfüllen müsse, sei nicht festgelegt. Darum bestehe die Gefahr, dass Kliniken sich in großem Maß zu Zentren deklarierten, um mehr Gelder zu erhalten – ohne das sich dadurch jedoch die Qualität der Behandlung verbessere, so der AOK-Chef.
Zertifizierte Zentren gefordert
Ein Modell für eine erfolgreiche Klinikreform sieht Deh in den zertifizierten Zentren zur Behandlung von Brust- und Darmkrebs. Die Zertifizierung nutze sowohl den Patienten wie den Krankenhäusern.
Wer in solch zertifizierten Einrichtungen behandelt werde, habe nach vier Jahren eine Überlebensrate von 90 Prozent, so Simone Wesselmann, Leiterin des Bereichs Zertifizierung der Deutschen Krebsgesellschaft. Außerhalb der spezialisierten Häuser betrage die Überlebensrate 83 Prozent.
Solch zertifizierte Zentren seien nicht nur für onkologische Krankheiten wichtig, so Wesselmann:
"Also, die ganzen internistischen Erkrankungen, die ein Zusammenspiel zwischen internistischen Kollegen und operativ tätigen Kollegen notwendig machen. Natürlich alle chronischen Erkrankungen, wie Diabetes, die dann durch andere Leistungserbringer behandelt werden müssen."
Anders sieht man die Dinge bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft, die private und gemeinnützige Betreiber vereint. Qualität sei schon heute ein maßgebliches Kriterium für das Leistungsgeschehen in den Kliniken, sagt Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Und jede Krankenhausabteilung sei schon für sich eine medizinische Spezialisierung, sagt Baum:
"Der Ansatz zur Spezialisierung, zur Zentrumsbildung, ist grundsätzlich richtig. Das machen ja auch unsere Krankenhäuser mit aktiv. Aber man darf es nicht zum Selbstzweck erklären."
Die Krankenhäuser würden seit Jahren finanziell restriktiv gehalten, klagt Baum. Mit Geldflüssen für die Kliniken rechnet er nach einer Reform nicht.