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StartseiteCampus & KarriereAuf der Suche nach den kreativsten Professoren09.07.2013

Auf der Suche nach den kreativsten Professoren

TU Dresden setzt innovatives Berufungsverfahren um

Bei Dresdens "Open Topic Tenure Track Professorship" bestimmt der Bewerber sein Forschungsgebiet selbst, in dem er arbeiten möchte. Das Konzept hat Erfolg: 1350 Wissenschaftler aus aller Welt haben sich auf zehn bis zwölf Stellen beworben.

Von Claudia Altmann

Viele Impulse wünscht sich die TU Dresden von dem neuen Berufungsverfahren für Professoren. (picture alliance / dpa / Fabian Stratenschulte)
Viele Impulse wünscht sich die TU Dresden von dem neuen Berufungsverfahren für Professoren. (picture alliance / dpa / Fabian Stratenschulte)
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Elf Universitäten erhalten den Elite-Status

Jede Uni will möglichst die klügsten Köpfe haben. Auf der Suche danach hat sich die TU Dresden für ein ungewöhnliches Verfahren entschieden. In Deutschland bisher einmalig und auch weltweit eher selten, sagt Rektor Hans Müller-Steinhagen:

"Wir haben einfach mal uns überlegt, wie wir die Universität noch mal nachhaltig weiter befördern können für die Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten. Und da war letztendlich der Gedanke der, dass wir nicht das übliche Berufungsverfahren verwenden, wo immer der Nachfolger des Vorgängers gesucht wird, sondern dass wir einfach mal sagen: Wir suchen die zehn bis zwölf besten Personen, die mit dem größten Potenzial weltweit. Deswegen haben wir dann diese Stellen ausgeschrieben mit der Aussage, ganz egal aus welcher Fachrichtung, solange eine gewisse Passfähigkeit für die Universität vorhanden ist."

Keine Fachbindung, keine Funktionsvorgabe, kein festgelegter Arbeitsbereich. Was bei der Bewerbung zählt, sind einzig und allein brillante fachliche Fähigkeiten und Kreativität. Die TU sucht damit vor allem Nachwuchsforscher, die mit neuen Ideen die wissenschaftliche Arbeit an der Uni bereichern. Die Max-Planck-Institute hatten diese Methode in früheren Zeiten erfolgreich angewendet. In Dresden war das Konzept zunächst auf Skepsis gestoßen:

"Die Reaktion einiger Kollegen war, dass kein ernsthafter Wissenschaftler sich auf eine solche offene Ausschreibung bewerben würde."

Die Reaktionen auf die im April in die Welt verschickte Anzeige überraschten dann aber selbst Müller-Steinhagen. 1350 Wissenschaftler haben sich beworben. Auch Forscher, die zurzeit an den weltweit renommiertesten Unis arbeiten – darunter Harvard, Cambridge, Oxford. Alle Fachrichtungen sind vertreten: Die Hälfte der Interessenten kommt aus Naturwissenschaften und Medizin, etwa ein Drittel aus den Geisteswissenschaften, die anderen aus dem Ingenieurbereich. Neue Fachbereiche sollen nicht aufgemacht werden.

"Aber ich hoffe, neue Themen zu bekommen, gerade auch disziplinübergreifende Themen. Und ich hoffe, dass davon nicht nur die Forschung, sondern auch die Lehre profitieren wird."

Und die Uni verspricht sich noch mehr davon.

"Mich würde es besonders freuen, wenn wir eine Bereicherung bekämen in der interdisziplinären Forschung zwischen den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften einerseits, den Lebenswissenschaften andererseits oder den Ingenieur- und Technikwissenschaften andererseits. Also diese wirklich klassischen Schnittstellenthemen, die noch viel zu schwach besetzt sind."

Ein Viertel der Bewerber sind Frauen. Das ermutigt die TU, ein weiteres Ziel umsetzen zu können.

"Wir hoffen, dass es uns auch dadurch gelingen wird, weitere Professorinnen an die TU Dresden zu holen, da eine Schwäche – glaube ich – unseres Systems eben ist, dass unsere normalen Berufungen gewisse Karrierewege voraussetzen, die gerade für Frauen häufig schwierig sind."

Die Open Topic Tenure Professorship gehört zum Zukunftskonzept der TU Dresden, eines der Programme, die sie vor einem Jahr zur Exzellenzuniversität gemacht haben. Matthias Kleiner - bis Ende vergangenen Jahres Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und heute an der Uni Dortmund – hat dieses außergewöhnliche Konzept sofort überzeugt.

"Es ist ein Element, auch um die immer noch sehr steilen Hierarchien zu verflachen, weil hier insbesondere junge Leute eine besondere Chance bekommen, bei uns vielleicht auch ein bisschen in Fakultäten für frischen Wind sorgen können."

Kleiner ist Leiter der zwölfköpfigen hochkarätigen externen Findungskommission, die in den kommenden Wochen die besten Bewerber auswählen soll. Er sieht in dem Verfahren ein Modell der Zukunft, das der deutschen Wissenschaftslandschaft gut tun würde.

"Man müsste einfach mehr Mut haben – ich sag mal – zu einer Veränderungsdynamik. Also zu sagen: Wir schauen mal in einem nicht so eng geschriebenen Feld, wen können wir denn in unsere Fakultät holen? Herausragende insbesondere jüngere Leute. Und sind dann auch bereit, unsere Lehr- und Forschungskonzeption entsprechend - jedenfalls ein wenig – zu ändern und so vielleicht in eine kontinuierliche Veränderung und Verbesserung hineinzukommen. Das könnte ich mir gut vorstellen."

Und was sagen die Studierenden dazu?

- "Da wäre ich absolut dafür. Wir haben da ein Superbeispiel, Mediävistik mit einer sehr guten Professorin. Und jüngere Professoren wären auch eine Superidee."

- "Ich denke mal, das wird man vor allem in den Ingenieurswissenschaften merken, in den ganzen technischen Sachen. Aber bei uns, den Geisteswissenschaften, kann ich es mir nicht vorstellen."

- "Ja, wenn es dazu hilft, Studienqualität zu verbessern, ist es natürlich gut. Aber inwieweit das da erfolgreich ist, muss man vielleicht auch erst mal austesten."

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