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StartseiteCampus & KarriereAuf die Bühne10.11.2003

Auf die Bühne

Traumberuf Schauspieler

<em> Warum ich’s werden will ist eigentlich, weil ich glaub, dass der Beruf alles vereint, also es ist die Kunde der Menschheit in einer Form. </em>

Von Eike Petering

Traumberuf Schauspieler (Staatstheater am Gärtnerplatz, Anita Pinggera)
Traumberuf Schauspieler (Staatstheater am Gärtnerplatz, Anita Pinggera)
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Die Antwort geht Lena Dörrie fast schon automatisch von den Lippen. Sie war 20 als sie vor einem Jahr die Aufnahmeprüfung der Bayerischen Theaterakademie August Everding geschafft hat. Um durch die drei Stufen des Auswahlverfahrens zu kommen, musste Lena die verschiedensten Rollen vorspielen. Denn für jährlich rund 500 Bewerber gibt es gerade einmal zehn Plätze. Lena weiß noch genau, wie damals die Liste mit den Ergebnissen verlesen wurde:

Ich saß mit einer Hand in Hand und dann stand mein Name drauf und ihrer nicht und das ist dann richtig hart...

Diesen Stress wollen sich viele nicht antun. Und manchmal scheint es auch gar nicht nötig zu sein: Die 19-jährige Oona Devi Liebich hat im Film "Crazy" mitgespielt, war schon in der ARD-Reihe "Tatort" zu sehen und steht gerade für ein TV-Movie von Pro 7 vor der Kamera. Beworben hat sie sich nie:

Ich stand nur auf dem Schulhof und die Franziska Schlattner, die hier auch mitspielt, die hat mich entdeckt und hat gesagt: "Hast du nicht Lust, zum Casting zu kommen" und natürlich hatte ich Lust.

Beim richtigen Casting mitzumachen, ist gar nicht so leicht. Denn viele Agenturen veranstalten nur eine Art Fototermin, bei dem man in eine Kartei aufgenommen wird. Oona hatte Glück und bekam schnell ihre ersten Aufträge. Mittlerweile ist die Schauspielerei für sie ein Fulltime-Job.

Man steht morgens um sechs auf, wird dann abgeholt und kommt zum Set. Wir proben dann erst mal. Dann gehen wir in die Maske, ins Kostüm und dann fangen wir an.

Die gleiche Szene zum x-ten Mal drehen, weil etwas mit Ton oder Licht nicht stimmt, zwischendurch immer wieder minutenlang warten – das Set einer Fernsehproduktion vermittelt wenig Glamour. Was der Schauspielschüler Thomas Diez in seinem Stundenplan stehen hat, ist vielseitiger:

Wir fangen morgens an mit einem Bewegungstraining, das ist Aikido, oder Afro-Dance, oder auch Fechten, dann sind Mittags die Einzelunterrichte in Singen, Sprechen, Atmen und abends sind dann Workshops oder Rollenunterrichte.

Während der vierjährigen Ausbildung zum Diplom-Schauspieler bleibt da kaum Freizeit - auch an vielen Wochenenden ist Unterricht. Die zehn Schüler einer Klasse sind praktisch ständig zusammen.

Natürlich gibt’s auch Krach, wenn man sich den ganzen Tag von morgens bis abends auf der Pelle sitzt, aber wir halten schon ziemlich gut zusammen.

Die stressigen Seiten seines Traumberufs lernte auch Matthias Eder kennen. Der 22-Jährige schaffte es nach einem Casting in die Fernsehsoap "Abschlussklasse". Fünf Monate lang musste er dort vier Tage die Woche zum Dreh:

Das war eine recht freundliche Atmosphäre bei uns, aber wenn’s dann halt später wurde vor allem, alle wollen nach hause und es klappt einfach nicht, weil man immer wieder seinen Einsatz vergisst, dann wurden die Leute schon ´nen bisschen sauer.

Dennoch ist Matthias von der Arbeitsatmosphäre beim Fernsehen begeistert. Im Unterschied zu den Theatern gibt es dort mehr Chancen für Quereinsteiger und oft auch mehr Geld. Echte finanzielle Sicherheit hat aber kaum ein Schauspieler, meint Andrea Reiners. Die Dozentin an der Theaterakademie will ihren Schülern nichts vormachen:

Es ist was anderes, als wenn ich irgend ´ne Ausbildung anfange, von der ich weiß, da hab ich dann den und den Job und dann verdiene ich so und so viel im Monat das ist ´ne sicherere Schiene.

Um im Wettbewerb zu bestehen, müssen die jungen Schauspieler sich vermarkten können. Das Diplom einer renommierten Schauspielschule hilft da natürlich. Es geht aber auch anders: Gil Ofarim ist 21, hat als Musiker Bekanntheit erlangt und spielt jetzt im gleichen TV-Movie wie Oona mit. Dass er nie eine Schauspielschule absolviert hat, sieht er als Vorteil:

Ich find dieses so unerfahren zu sein, das ist ganz gut, nicht so abgebrüht und es ist alles so Alltag und man weiß, wie das geht, sondern jedes Mal was Neues.

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