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Aufgehende Sonne über dem Mond

Raumfahrt. - Wenn alles nach Plan läuft, soll heute Nacht mal wieder eine Mission Richtung Mond abheben. Diesmal startet sie vom japanischen Weltraumbahnhof Tanegashima aus. In Japan sprechen die Wissenschaftler von der "größten Mond-Sonde seit Apollo", seit den bemannten Flügen der Amerikaner in den 70er Jahren also.

Von Guido Meyer |
    Etwas komisch sieht sie schon aus, die japanische Raumsonde "Selene". Aber – andere Länder, andere Sitten. Fünf dünne Stabantennen stehen in alle Richtungen ab. Ein Sonnensegel zur Stromversorgung gibt es auch, aber eben nur eines, was dem goldfarbenen Quader insgesamt ein unsymmetrisches Aussehen verleiht. Er misst zwei mal zwei mal fünf Meter und ist mit fast drei Tonnen Startgewicht die bislang schwerste japanische Raumsonde, der "SELenological and ENgineering Explorer", oder als Kurzwort eben "Selene". Selenologie, das ist die Mondkunde, und genau die ist Aufgabe der Sonde.

    "Dieser Satellit ist von der japanischen Weltraumagentur Jaxa entworfen worden, um den Mond zu erforschen. Vorgeschlagen wurde er vom Institut für Weltraumwissenschaft der Universität von Tokio. Selene wird hauptsächlich von der Regierung finanziert. Die Sonde wird mit einer japanischen H2-Rakete starten."

    Minoru Yonekura von der japanischen Weltraumagentur Jaxa. Im eigenen Land konzipiert, finanziert und mit einer eigenen Trägerrakete ins All geschossen – dieser Ehrgeiz hat seinen Preis: Rund zweihundert Millionen Euro kostet die Mission, die vier Jahre hinter ihrem Zeitplan zurückliegt. Die Jaxa hat den Ehrgeiz, mit diesem Projekt alle Mond-Missionen der letzten Jahre zu überbieten: Selene soll mehr leisten als Europas SMART-1 oder Amerikas Sonden Lunar Prospector und Clementine. Yonekura:

    "Selene besteht im wesentlichen aus einem Hauptsatelliten, der wissenschaftliche Daten über den Ursprung des Mondes sammeln soll. Seine Entstehung ist eine von vielen ungelösten Fragen. Eine der wichtigsten Aufgaben der Sonde also wird die Erforschung der Evolutionsgeschichte des Mondes sein. Diese Informationen werden uns helfen, auch die Entstehung der Erde und der anderen Planeten zu verstehen."

    Ehrgeizige Ziele also, die sich Japans Weltraumagentur gleich bei ihrer ersten Mondmission gesetzt hat. Fünfzehn Experimente hat die Jaxa zu diesem Zweck auf Selene platziert, um möglichst viele ihrer hochgesteckten Ziele abzudecken. Ein Mutterraumschiff wird zwei kleinere Sonden aussetzen, die auf einer polaren Umlaufbahn um den Mond herumfliegen, um zum Beispiel in den Kratern der Mond-Pole nach Wasser-Eis zu suchen. Keiji Tachikawa, der Chef der japanischen Weltraumagentur, beschreibt die Aufgaben der Muttersonde, die den Mond in nur 100 Kilometer Höhe umkreisen wird:

    "”Selene wird den gesamten Mond untersuchen um Informationen über seinen mineralogischen Aufbau zu bekommen, seine Geografie, seine Oberflächenbeschaffenheit und sein Schwerefeld. Diese Daten werden für eine künftige Nutzung des Mondes hilfreich sein.""

    Auch die Europäer sind an Bord von Japans Mond-Sonde vertreten. Das französische Zentrum für Röntgenastronomie (CNRS) steuert ein Gamma-Strahlen-Spektrometer bei, das Kalium, Sauerstoff, Magnesium und andere Elemente auf der Mond-Oberfläche bis in eine Tiefe von einem halben Meter nachweisen soll. Claude d´Uston vom CNRS in Toulouse:

    "”Der Mond wird ständig von hochenergetischen Partikeln in Form der kosmischen Strahlung bombardiert. Sie wechselwirken mit den auf der Oberfläche vorhandenen Elementen. Die aus diesen Reaktionen entstehende Strahlung wollen wir beobachten.""

    Und auch für irdische Augen soll Selene etwas bieten: Eine HDTV-Kamera soll aus der Mondumlaufbahn heraus den Aufgang der Erde am Horizont filmen.