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StartseiteEine WeltDas öffentliche Leben ist zum Erliegen gekommen02.11.2019

Aufstände in HaitiDas öffentliche Leben ist zum Erliegen gekommen

Seit acht Wochen sind die Schulen in Haiti geschlossen, öffentliches Leben findet nicht mehr statt. Nur ein Rücktritt des Präsidenten Jovenel Moïse könnte den Weg zu einer politischen Lösung frei machen, sagte Katja Maurer von der Nichtregierungsorganisation Medico International im Dlf.

Katja Maurer im Gespräch mit Britta Fecke

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Menschen laufen in Port-au-Prince, der Hauptstadt von Haiti, in einer Demonstration mit. Auf ihren Schildern fordern sie den Rücktritt von Präsident Jovenel Moise. (AFP)
Die Demonstrierenden fordern den Rücktritt von Präsident Jovenel Moise (AFP)
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Seit fast einem Jahr fordern Demonstrierende in Haiti den Rücktritt des Präsidenten Jovenel Moïse. Anfangs waren es noch regelmäßige Demonstrationen, inzwischen ist es ein landesweiter Aufstand, der bereits dutzende Menschenleben gefordert hat. Entzündet hatte sich der Wut der Bevölkerung an einer Korruptionsaffäre um die Veruntreuung von öffentlichen Hilfsgeldern. Eine Gruppe von Unternehmern und führenden Regierungsmitgliedern hatte sich bereichert – mit dabei mutmaßlich auch Präsident Moïse.

"Das öffentliche Leben ist zum erliegen gekommen", sagte Katja Maurer im Interview mit dem Deutschlandfunk. Maurer ist Pressesprecherin der Organisation Medico International und war für die Nichtregierungsorganisation erst kürzlich in in Haiti. Die Schulen seien seit acht Wochen geschlossen, ein funktionierender Staat existiere nicht. "Der haitianische Staat befindet sich in den Händen einiger weniger reicher, privilegierter Leute. Ist also eigentlich gar kein Staat mehr ist, sondern ein krimineller Parastaat."

Kaum Journalisten vor Ort

Ohne einen Rücktritt des Präsidenten sei keine politische Lösung des Konflikts zu erreichen. Ein Rücktritt wiederum sei nur möglich, wenn die sogenannte Core Group darauf hinwirke. In dieser sind unter anderem die UN, die USA, Kanada, Frankreich und auch Deutschland vertreten. Solange diese internationale Gemeinschaft schweige, würde sich der Präsident bekräftigt fühlen. Die Proteste richteten sich aus diesem Grund auch gegen die UN.

"Wenn es so weiter geht wie bisher, wird es apokalyptische Zustände annehmen", sagte Maurer. Das Land drohe in eine Diktatur voller Gewalt durch Paramilitärs abzugleiten.

Es seien kaum Journalisten aus dem Ausland vor Ort, um die Zustände zu dokumentieren. Auf Demonstrationen trauten sie sich wegen der Gewaltbereitschaft nur mit schusssicheren Westen und Helmen. Das Risiko, dass sie als Teil einer privilegierten Schicht wahrgenommen und dadurch auch zur Zielscheibe würden, sei leider real. Das gelte auch für sie als Mitarbeiterin einer Nichtregierungsorganisation, sagte Maurer. Deshalb habe sie sich in Port-Au-Prince auch viel im Hotel aufgehalten.

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