Mittwoch, 17. April 2024

Kommentar zur Bahn-Bilanz
Für Fatalismus ist es zu früh

Trotz tiefroter Bilanz des DB-Konzerns: Die Ertüchtigung der Schiene als Verkehrsträger der Zukunft ist weiterhin sinnvoll und richtig, kommentiert Dieter Nürnberger. Er plädiert für eine Verschlankung der aufgeblähten Unternehmensspitze bei der Bahn.

Ein Kommentar von Dieter Nürnberger | 21.03.2024
Reisende gehen an einem Bahnsteig an einem ICE der Deutschen Bahn am Hauptbahnhof von München vorüber (Aufnahme mit langer Verschlusszeit). Die Lokführergewerkschaft GDL hat die Beschäftigten der Deutschen Bahn zum Streik aufgerufen. Es ist der vierte und mit Abstand der längste Arbeitskampf im laufenden Tarifstreit bei der Deutschen Bahn
GDL-Streik bei der Bahn in München (picture alliance / dpa / Matthias Balk)
Kein Zweifel, die heute vorgestellte Bilanz der Deutschen Bahn AG ist verheerend. Aus wirtschaftlicher Sicht, weil für 2023 unterm Strich ein Verlust von über 2,3 Milliarden Euro steht. Und aus Kundensicht sowieso: Denn die Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr fiel auf 64 Prozent, so unzuverlässig war das bundeseigene Unternehmen noch nie. Und eigentlich könnte man nun konstatieren: So wird das alles nichts. Doch für Fatalismus ist es zu früh.

Fehler der Vergangenheit

Denn die Bilanz zeigt vor allem Fehler der Vergangenheit, die nun nach und nach korrigiert werden. So gab es zum Beispiel in den vergangenen 30 Jahren noch nie so viele Milliarden vom Bund und dem Unternehmen selbst für die Instandhaltung des teils sehr maroden Bahnsystems - weil nun auch die Bundesregierung auf die Schiene setzt, was lange Zeit nicht so war. So sollen bis 2030 etwa 40 zentrale Bahnstrecken, die heute längst an ihre Kapazitäten stoßen, saniert werden. Nicht mehr bei laufendem Betrieb, sondern durch eine mehrmonatige Vollsperrung.

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Das wird erneut zu Frust bei Fahrgästen führen, weil Fahrten durch Ersatzverkehr und Umleitungen noch länger dauern. Doch nur so wird in absehbarer Zeit ein Nadelöhr nach dem anderen beseitigt sein, das Schienennetz effizienter und auch wieder zuverlässiger werden.
Das Umsteuern hat also begonnen. Auch der DB-Konzern musste umdenken. So soll künftig - auch auf politischen Druck hin - mehr das Inlands-, das sogenannte Kerngeschäft, im Vordergrund stehen. Konkret: Einzelne Unternehmensteile wie die Logistik-Tochter Schenker sollen verkauft werden. Ein richtiger Schritt, der auch den inzwischen stark gewachsenen Schuldenberg von nunmehr knapp 34 Milliarden Euro wieder reduzieren kann.

Zwischenbilanz der Zeitenwende

So gesehen sind die heute vorgelegten Zahlen des bundeseigenen Konzerns Deutsche Bahn AG nicht mehr als eine Zwischenbilanz in einer Zeitenwende. Ein oft strapazierter Begriff, doch gilt klotzen statt kleckern nicht nur für die Bundeswehr, sondern auch für das System Schiene.
Es kommt jetzt auf eine Verstetigung der Finanzmittel an. Es sollte politisch auch mehr auf eine Verschlankung der aufgeblähten Unternehmensspitze hingearbeitet werden. Und da Wettbewerb bekanntlich das Geschäft belebt, müssen die Zugangsregeln für die DB-Konkurrenz verbessert werden. Das funktioniert vor allem im Schienengüterverkehr schon ganz gut - hier haben die privaten Wettbewerber inzwischen einen Marktanteil von mehr als der Hälfte.
Trotz tiefroter Bilanz des DB-Konzerns: Die Ertüchtigung der Schiene als Verkehrsträger der Zukunft ist weiterhin sinnvoll und richtig. Die Bahn ist nun einmal klimafreundlicher als das Auto oder der Flieger. Es geht somit um Perspektive, auch über die Zahlen einer Jahresbilanz hinaus.