Sonntag, 26. Juni 2022

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Bankenaufsicht
BaFin kritisiert Deutsche-Bank-Management

Die Deutsche Bank wollte einen Kulturwandel. Aber was ist von diesem Versprechen der Doppelspitze geblieben? Wenig, schimpft die deutsche Bankenaufsicht BaFin.

Von Brigitte Scholtes | 06.01.2014

Es sind schwere Vorwürfe, die die deutsche Finanzaufsicht BaFin da gegen die Deutsche Bank erhebt. Es geht um die Affäre manipulierter Zinssätze, und das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zitiert aus einem Zwischenbericht, den die BaFin schon im August vergangenen Jahres erstellt hat. Die Bank habe die Affäre nicht angemessen aufgearbeitet, heißt es da in dem Bericht, den die BaFin nicht offiziell bestätigt. Ihre Untersuchungen dauern aber noch an. So wirft die Aufsicht der Bank laut "Spiegel" in ihrem Bericht vor:
"Als neuer Vorstand haben Sie zwar einen Kulturwandel angekündigt. Im vorliegenden Fall entsteht jedoch der Eindruck, dass Sie klare Konsequenzen, insbesondere personeller Art, nicht gezogen haben. Zudem fallen eine Vielzahl von Personen auf, die nach wie vor an neuralgischer Stelle tätig sind und von Ihnen teilweise erst befördert wurden ... Zu einem echten Wandel gehört ggf. immer auch ein 'Change Management' bei den handelnden Personen."
Dem kann Analyst Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus fairesearch nur zustimmen: von Kulturwandel im Hinblick auf Transparenz und ethischerem Geschäftsgebaren sei nichts zu spüren, im Gegenteil, die Bank habe alles unternommen, um ihr altes Geschäftsmodell zu stärken:
"Das offensichtlichste Indiz ist ja, dass 2012 Anshu Jain, der verantwortliche Vorstand fürs Investmentbanking seit 2001, zum Vorstandschef berufen wurde, also genau der, der für das unmoralische Verhalten seiner Leute verantwortlich ist, und um ihn abzusichern aus dem Nichts der ehemalige Deutschlandchef von Goldman Sachs, wenn man so will, der größten und schlimmsten Investmentbank der Welt, der Aufsichtsratschef wurde, obwohl er vorher ja ein Konkurrent der Deutschen Bank war, zumindest bei Goldman Sachs. Das zeigt ganz deutlich, dass man eben keinen Kulturwandel will zu mehr Offenheit und weniger unmoralischen Geschäften, sondern ganz im Gegenteil."
Dazu passe auch ein Vorwurf der BaFin, dass auch die entsprechenden Verantwortlichen in Schlüsselpositionen gehievt worden seien. Das diene der Verschleierung der bisherigen Geschäftspraktiken, vermutet auch Analyst Hein. Die Deutsche Bank hat Unregelmäßigkeiten bisher immer als das Gebaren einzelner Mitarbeiter abgetan. Sollte es mehr sein, dann hätte die Aufsichtsbehörde die Macht einzugreifen, sprich: die Verantwortlichen abzuberufen. Doch ob sie das tut, daran hat Analyst Hein große Zweifel:
"Ich glaube allerdings nicht, dass die BaFin den Mut dazu hat. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass eine deutsche Aufsicht bei einer der großen Banken in Deutschland tatsächlich einen Vorstand abberufen hat. Das wäre aber dringend nötig. Und ich vermute sogar, selbst wenn die BaFin das wollte, dass sie sich sogar die politische Rückendeckung holen müsste- das ist eine Spekulation von mir – aber ich glaube nicht, dass sie das bekommt. Aber es wäre dringend nötig."
Solange Vorstand und Aufsichtsrat aber an einem Strang ziehen, solange komme es wohl kaum zu Konsequenzen. So aber ist eher wahrscheinlich, dass alles beim Alten bleibt.