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Basketball-Bundesliga"Der eigentliche Grund ist eine Verkleinerung der Liga"

Ab Sommer 2019 sollen alle Vereine der höchsten deutschen Basketball-Liga einen Etat von mindestens drei Millionen Euro haben. Der Geschäftsführer des verhältnismäßig kleinen Mitteldeutschen Baskeball Clubs, Martin Geissler, hält das für ein Mittel, um am Ende die Liga zu verkleinern.

Martin Geissler im Gespräch mit Astrid Rawohl | 28.04.2018

Mitteldeutscher BC - Bayern München. Bayerns Robin Benzing (l), John Bryant (r) und MBC-Spieler Kristian Kuhn kämpfen um den Ball.
Spielszene aus dem Basketballspiel Mitteldeutscher BC - Bayern München (Hendrik Schmidt/dpa )
In der Basketball-Bundesliga spielen aktuell drei Vereine aus dem Osten Deutschlands: der Mitteldeutsche BC aus Weißenfels, Science City Jena und die Rockets aus Erfurt. Ungeachtet der sportlichen Qualifikation müssen ab der Saison 2019/2020 alle BBL-Vereine einen Pflichtetat von drei Millionen Euro vorweisen. Sonst gibt es keine Lizenz.
Diese Anhebung um gleich eine Million hat die Mehrheit der Erstligisten Anfang der Woche in Frankfurt beschlossen. Schließt die Liga den Osten aus? So liest sich inzwischen manche Schlagzeile. Aber der Geschäftsführer beim Mitteldeutschen Basketball Club Martin Geissler, sieht das anders. Die Änderung solle der BBL zu Wachstum verhelfen und den Abstand zwischen großen und kleinen Clubs verkleinern. Der eigentlich Grund sei aber, dass die Liga verkleinert werden solle. Aktuell gibt 18 Teams in der BBL.
"Schwer aufzusteigen"
Überrascht habe ihn allerdings die Eile der Entscheidung, sagt Geissler. Er hält die Änderung für zu kurz gedacht. Denn der MBC sei ein gutes Beispiel, dass man auch mit geringen finanziellen Mitteln mithalten könne. Nun würden nur drei bis vier Teams, die noch unter drei Millionen sind zum Wachstum gezwungen und wahrscheinlich alle potentiellen Aufsteiger. Für alle anderen bleibe alles wie es ist - kein Zwang zu wachsen.
"Daran lässt sich erkennen, dass der eigentliche Grund dieser Standardsteigerung wirklich darin besteht, am Ende die Liga zu verkleinern", sagt Geissler. Nur zwei Mannschaften in der Zweiten Liga hätten aktuelll über zwei Millionen Euro Budget. Damit sei es schwer aufzusteigen.
"Ich bin auch sicher, dass wenn ein Team wie der MBC oder Jena in die Situation kommt, abzusteigen, dann ist es verdammt schwer, wenn man einmal drei Millionen erreicht hat, die in der Zweiten Liga zu behalten und dann wieder, wie wir es schon zwei Mal getan haben, direkt aufzusteigen", sagt Geissler.
"Zwei unterschiedliche Interessensgrundlagen"
Aber Geissler sieht auch die Gegenposition: "Und am Ende muss man auch diesen Hintergrund verstehen: Die großen Mannschaften haben 30 Spiele in der Europaliga und 34 in der BBL. Das ist ein voller Spielplan mit zwei Nationalmannschaftsfenstern. Die haben natürlich auch ein großes Interesse daran, ihr Investment zu schützen.
Aber das sind natürlich zwei unterschiedliche Interessensgrundlagen. Wir wollen mitspielen und Bestandteil der Liga bleiben und die wollen wettbewerbsfähig bleiben im internationalen Vergleich."
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Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.