Freitag, 12. August 2022

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Bassam Tibi
"Muslime nicht als Kollektiv ansehen"

Die Forderung nach einem flächendeckenden Islamunterricht führt aus Sicht des Politikwissenschaftlers Bassam Tibi in eine falsche Richtung. Er bekomme Angst, wenn ein christlicher Kirchenvater über den Islam rede, ohne eine Ahnung davon zu haben, sagte Tibi im Deutschlandfunk. Er wünsche sich Islamunterricht für Kirchenväter und Politiker.

Bassam Tibi im Gespräch mit Jürgen Zurheide | 28.05.2016

    Der Islamwissenschaftler Bassam Tibi
    Der Islamwissenschaftler Bassam Tibi (imago stock&people)
    Grundvoraussetzung für die Eingliederung des Islam in ein deutsches, demokratisches, europäisches Gemeinwesen sei die Kompatibilität mit dem Grundgesetz, sagte Bassam Tibi. Hierzu brauche es Reformen. Der Wille für solche Reformen bestehe beim organisierten Islam derzeit aber nicht.
    Bassam Tibi kritisierte in diesem Zusammenhag, dass sich der Zentralrat der Muslime und der türkisch-islamische Dachverband DiTiB zum Sprachrohr für die in Deutschland lebendenden Muslime machten. Beide würden aber nur einen Bruchteil von ihnen vertreten und darüberhinaus seien beide nicht für einen Reform-Islam.
    Für die Integration sei es wichtig, Muslime nicht als Kollektiv zu sehen, sondern als Individuen. Wegen der Vielfalt innerhalb der Islamgemeinde könne und dürfe es nicht nur einen Ansprechpartner geben, der im Namen aller 6,5 Millionen Muslimen in Deutschland spreche. Das käme einer Diktatur gleich.
    Das Interview können Sie mindestens sechs Monate nachhören.