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StartseiteWissenschaft im BrennpunktBauernlieder im Dompfaffgesang09.06.2003

Bauernlieder im Dompfaffgesang

Lernen durch Imitation

"Acrocephalus palustris, der Sumpfrohrsänger, Gesang ausnehmend wohltönend und wechselreich, mit einer großen Zahl von Nachahmungen anderer Vogelstimmen, eingestreut seltsam 'zwirlende Laute", so steht es im Vogelbuch. Unter den europäischen Singvögeln ist er der Meister der Nachahmer, der Stimmimitatoren. Stimmnachahmung gibt es nicht nur bei Vögeln.

Anselm Weidner

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Und dies ist mein Lieblingszitat von Hoover:

Die Geschichte von Hoover, einem Seehund von den Küsten Maines, den es ins Aquarium von Boston verschlug, erzählt von Tecumseh Fitch, Biologe an der Harvard-University:

Hoover war ein verwaister Seehund, dessen Mutter gestorben war, als er noch ein Baby war. Fischer nahmen ihn auf und zogen ihn einige Monate groß. Und als er zu groß wurde, zu viel fraß und anfing, im Haus alles durcheinander zu schmeißen, schenkten ihn die Fischer dem Aquarium in Boston. Und drei Jahre später, als er sexuell reif war, fing er an, Laute von sich zu geben, die der menschlichen Sprache sehr ähnlich waren. Und die Leute, die das hörten, konnten es nicht glauben und dachten, sie wären verrückt. Aber bald wurde klar, dass Hoover genau die Sprache der Fischer aus Maine imitierte, bei denen er aufgezogen worden war. Und besonders dies 'hey, you get out of there, get over here' ahmt nicht nur Englisch nach, sondern einen bestimmten englischen Dialekt. Und für Einheimische aus Neuengland klingt Hoover nicht nur wie einer, der Englisch spricht, sondern genau wie ein Fischer aus Maine.

Erstaunlich aber wahr, nach allem was wir wissen, lernen von allen Lebewesen nur ganz wenige ihre Stimmen zu gebrauchen und zu differenzieren bis hin zu Gesang und Sprache: Seehunde, Delphine, Wale, Menschen - und Vögel. Eine verwunderliche Artgenossenschaft. Und singen und sprechen wird durch Vocal Imitation, durch Stimmimitation gelernt.

Zum Beispiel der Mocking Bird, eine der vielen Arten der in Nord- und Südamerika heimischen Spottdrosseln. Sie gelten als die größten Imitationskünstler unter den Vögeln. Im Folgenden hört man zuerst immer den Originalgesang und dann die Nachahmung des Mocking Bird:

So das war ein Catbird, Katzenvogel. Hier ist ein sehr berühmter Sumpfvogel, er heißt Redwing Blackbird. ... Hier ist ein Carolina Wren, eine Art Zaunkönig. ... So dies ist ein amerikanischer Eisvogel, a Kingfisher...Und hier ist ein Habicht, ein großer Habicht. Man kann schon hören, der Mocking Bird ist nicht so groß und nicht so stark wie die Habicht. Aber er probiert gut.... so hier ist ein amerikanischer Specht Here is a Blue Jay.

Eine Eichelhäher-Art. Sieben von 80 Vogelarten, die Bio-Akustiker Fitch im Gesang des Mocking Bird identifiziert hat. Hier 15 weitere Vogelstimmen. Wieder ist zuerst der Originalgesang und dann die Mocking-Bird-Nachahmung zu hören:

Man hört einen Mocking Bird, besonders Mitte Frühling, wenn er so begeistert ist, es ist ein unendlicher Fluss, der Gesang, der hat alles zusammen. So jetzt spiel ich ein Stück rein Mocking Bird

So, was wichtig ist, man kann dieses Muster hören. Normalerweise er wiederholt sich, so drei- oder viermal. Und dies ist sehr wichtig, weil man kann fragen: wie kann ein weiblicher Mocking Bird ein Männchen finden, wenn er macht so gute Mimikry? Wie kennt sie eigentlich, das ist ein Mocking Bird?

Abgesehen von einigen Ausnahmen lernen nur Singvögel durch Imitation. Die Laute der meisten anderen Vögel sind angeboren und werden kaum variiert. In der Regel singen nur die Singvogel-Männchen und das vor allem im Frühling auf der Suche nach Weibchen, für die Arterkennung und Verteidigung des Territoriums. - Zu etwa zwei Dritteln besteht der Mocking-Bird-Gesang aus eigenem und zu einem Drittel aus Gesangsanteilen anderer Vogelarten, die, mal sehr genau und mal moduliert, nachgeahmt werden. Zwar imitieren alle Spottdrossel-Männchen andere Arten, aber, so hat Tecumseh Fitch herausgefunden, jedes, durch sein ganz eigenes Wiederholungsmuster, auf seine individuelle, und daher identifizierbare Art. Aber Spottdrosseln, diese Sprachmeister unter den Vögeln, ahmen außer dem Gesang von Artgenossen und anderen Vogelarten alle nur denkbaren Klänge nach, auch andere Tiere, ja selbst Geräusche technischer Geräte:

So jetzt, ich werde ein paar, dies sind Grille. ... und dies ist eine ganz gute Imitation von einem kleinen Frosch; diese heißt Gewächshausfrosch, die sind sehr klein und es klingt genau wie diese.

Kannst Du es hören? Das, ich finde es... es ist genauso wie eine Zugpfeife und es gibt auch einfach komische Laute, so wie diese ... und ich weiß nicht, ob er hat irgendein elektronisches Gerät gehört oder ob er hat das selbst gemacht, oder was, das wissen wir nicht.

Was in Nord- und Südamerika Mocking Birds, die Spottdrosselarten sind, ist in Mittel- und Osteuropa der Sumpfrohrsänger.

Das war ein kurzer Ausschnitt aus dem Gesang der Sumpfrohrsänger. Und die ganz große Frage bei diesen Vögeln ist, ob sie überhaupt noch eigene Töne hervorbringen können, oder ob der Gesang nicht rein durch Imitation anderer Arten entsteht.

Wenn man jetzt diese Sumpfrohrsänger verfolgt, dann kann man hier ne Amsel, ein Stück von einer Amsel hören ..., da en Stück vom Sperling..., da ne Rauchschwalbe..., da ne Blaumeise... und da ne Feldlerche..., und da en Star..., wobei beim Star schon wieder das Problem dazukommt, dass er selber in seinen Song alles Mögliche einbauen kann, zum Beispiel auch ne Baustelle singe.

Wenn man diesem Sumpfrohrsänger zuhört, dann kann man darin Anteile des Gesangs des Haussperlings und der Nachtigall hören. Hier die imitierten Gesangsausschnitte einzeln:

Und hier der Gelbspötter, von Ornithologen nicht zufällig auch 'Sprachmeister' genannt. Er nimmt unmittelbar nach dem Sumpfrohrsänger unter den europäischen Singvögeln Platz Nr.2 ein:

Und zwei der im Gelbspöttergesang imitierten Vogelarten einzeln, erst die Amsel und dann die Rauchschwalbe.

In dem vollständigen Gesang dieses Sumpfrohrsängers sind, so der Berliner Verhaltensbiologe und Wissenschaftsjournalist Cord Riechelmann, sechs verschiedene Vogelarten zu hören. Und wenn man einem Staren, der Baustellengeräusche imitiert, genau zuhört, kann man leicht Betonmischergeräusche oder das Scharren von Schaufeln auf Beton raushören.

In diesem Sumpfrohrsänger-Gesang lassen sich Gesangsanteile ausmachen, die aus einigen 1000 Kilometer Entfernung stammen.

Es gibt generell die Überlegung, dass Singvögel, die nach Afrika ziehen, dass sie auch da singen, auch wenn es keine lauten Reviergesänge sind, und dass sie darüber die Gesänge anderer Arten hören. Und da könnte dann ein europäischer Vogel von anderen in Afrika Töne aufgenommen haben und hierher bringen.

Vor allem im Frühjahr, wenn die Zugvögel unter den Singvögeln frisch aus Afrika zurückgekehrt sind, kann man afrikanische Stimmen im Gesang unserer heimischen Vögel hören: Weltmusik im Vogelgesang! - Aber es gibt Ausnahmen von der Regel, dass Singvögel, und nur Singvögel, Klangartikulation lernen, ergänzt der Berliner Verhaltensbiologe Riechelmann:

Wenn man von dem Lernen spricht, darf man natürlich immer nicht vergessen, dass es bestimmte Laute gibt, die natürlich auch angeboren sind und sich auch über Arten hinaus ähneln können, zum Beispiel Warnrufe, bestimmte Schreck-, Flucht- oder Fliehlaute, und dass natürlich nicht alle Vögel lernen, also dass es zwei große Gruppen gibt, die Singvögel- und die Nichtsingvögel. Und es gibt auch Lernen unter Nichtsingvögeln, die berühmteste Gruppe wären Papageien und die Kakadus.

Bettelrufe von Jungvögeln aller Vogelarten sind grundsätzlich angeboren. - Dass Singvögel ihre Gesänge lernen, beweisen auch ornithologische Kaspar-Hauser-Experimente mit Singvögeln: gleich nach dem Schlüpfen werden sie in schalldichten Kammern aufgezogen, mit dem Ergebnis, dass die erwachsenen Vögel dann überhaupt nicht oder nur sehr rudimentär singen können.

Wie Vögel durch Imitation der Klänge ihrer Umgebung singen lernen, ist genau erforscht. Die Jungvögel im Nest beginnen mit wenig artikulierten Lauten, zum Beispiel wenn sie um Nahrung betteln:

Neben den angeborenen Bettellauten werden allmählich die ersten Gesangslaute gelernt.

Vögel, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, fangen an Töne, ich weiß jetzt gar nicht wie man die beschreiben soll, aber man nennt es 'subsong'. Die unterscheiden sich von dem richtigen Song einfach dadurch, dass sie weniger strukturiert sind, zum Beispiel keine Pausen an den richtigen Stellen haben und sie die Töne noch nicht so genau treffen, und man kann auf dem Sonargramm nachweisen, dass es die Rudimente der gesungenen Töne sind.

Es braucht Wochen, manchmal Monate bis aus dem wenig artikulierten Sub-Gesang der Jungvögel der differenzierte Gesang des erwachsenen Vogels wird.

Es gibt einen amerikanische Wissenschaftler, Ofar Schenokovsky in New York, und er hat ein System jetzt, wo er kann von der erste Lautäußerung eines Vogels, deine ganze Geschichte, so drei Monate lang, er nimmt alle auf und dann kann so zurückgehen und schauen, genau wie die Endsong, diese kristallisierte Song entwickelt, von diese ganz unstrukturierte Geräusche zu ein schön strukturierte Song.

Solche Klangentwicklung ist nur möglich, weil sich auch die dazugehörige Motorik, etwa die der Zunge oder die des Kehlkopfs, ausdifferenziert. Die frühen Klangeindrücke der Jungvögel vom Gesang ihrer Eltern werden im Langzeitgedächtnis gespeichert. So muss sich auch der Seehund Hoover die Sprache der Maine-Fischer gemerkt haben, die er im Bostoner Aquarium erst drei Jahre nach seiner Zeit bei den Fischern zu artikulieren begann. Und hier ein anderes, erstaunliches Beispiel, - aus der Vogelwelt Süddeutschlands, das gerade gründlich erforscht wird:

Mit ihrer leuchtend rostrot/rosenroten Unter-, ihrer blaugrauen Oberseite, tiefschwarzen Kopfkappe und ihrem schwarzen Schwanz und Flügeldecken mit weißem Fleck, gehören die Männchen zu den schönsten europäischen Singvögeln, Dompfaff oder Gimpel, Pyrrhula pyrrhula. Traurig melancholisch klingt ihr Gesang, das leise, sanft gepfiffene 'dü' und das gedämpfte Gemisch aus zwitschernden und knarrenden Tönen. Und hier Dompfaffen aus der Nähe von Freiburg im Breisgau:

Dompfaffen, die Volkslieder singen! Noch bis vor kurzem konnte man sie an den Schwarzwaldhängen bei Freiburg hören. Dort war es Brauch, Dompfaffen einzufangen oder gleich nach dem Schlüpfen aufzuziehen und ihnen Volkslieder vorzusingen. Und es waren Dompfaffen, die über Jahrzehnte diese Volkslieder von Dompfaff-Generation zu Dompfaff-Generation tradierten, Lieder, die in der Bevölkerung längst nicht mehr gesungen wurden, erzählt der Berliner Ornithologe Riechelmann.

Bei diesen Dompfaffen, die hier kurz zu hören waren, ist es tatsächlich so, dass sie in ihrer Jugend aus dem Nest genommen worden sind und ihnen dann Volkslieder vorgespielt worden sind, d.h. sie haben ihren arteigenen Gesang nicht gehört. Dass sie dann trotzdem mit diesem Gesang Weibchen anlocken können und auch Junge großziehen können, deutet in diesem Fall einfach darauf hin, dass die Arterkennung nicht direkt über den uns deutlichen Sound, sondern über andere Mechanismen funktioniert, die aber auch irgendwie im Gesang stehen.

Gesangslernen bei Singvögeln und der Spracherwerb des Menschen ähneln sich erstaunlich, hat Tecumseh Fitch in seiner Forschung festgestellt:

Das sind die ersten Babylaute, die aller erste Stufe des Sprechens; es sind wahrscheinlich angeborene Urlaute, die es auch bei tauben Kindern gibt, ebenso wie Weinen, Weinlaute angeboren sind .

Das ist ein Babbeln mit Verdopplung, erste Imitationslernschritte, die das Baby durch Eigenimitation lernt; und die nächste Stufe nennt man 'kanonisches Babbeln':

Hier kommen schon Klangsequenzen vor, die von der Sprachumgebung aufgenommen werden.

Aber zum Babbeln vielleicht noch eine Anmerkung. Jürgen Weisenborn, Linguist in Potsdam, der auch bei der deutschen Sprachstudie mitarbeitet, konnte zeigen, dass Kinder schon ab dem 4. oder 5.Monat in Frankreich anders Babbeln als hier, dass man Elemente des französischen Tonfalls im Babbeln findet.

Und offenbar haben anhaltende Veränderungen in der Klangumwelt nachhaltige Auswirkungen auf die Klangartikulation der Lebewesen, die durch Stimmimitation lernen. So hat man zum Beispiel festgestellt, dass Orca- oder Buckelwale heute ganz anders rufen oder singen als in den 60er Jahren: Und eine Aufnahme aus den 90er Jahren aus Hawaii: Klingt so, als wären an die Stelle der harmonischeren Blues- und Rockklänge von vor dreißig, vierzig Jahren in den letzten Jahren unmelodische Walgesänge getreten, so was wie Grunge Music oder Rap.

Ja, man muss fragen, was glauben die andere Buckelwal. Vielleicht glauben sie, dass jetzt ist es sehr schön, sehr aufregend und diese alte 60er-Jahre Musik war ein bisschen langweilig, irgendwie. Ich muss sagen, dass dieser alte Stil war sehr schön, zu menschliche Ohren es war so mehr klar oder mehr tonal. Was wichtig ist, dass es einen Unterschied gibt, einen sehr deutlichen Unterschied zwischen diesen Walgesang von die 60er Jahre und jetzt ist, d.h. es gibt eine kulturelle Entwicklung. Ob es besser oder schlechter ist, ist eine andere Frage. Aber dass es gibt diese Entwicklung, das ist schon sehr wichtig.

Es kann auch bei Buckelwalen damit zusammenhängen, dass das Meer geräuschvoller geworden ist und dass man andere Frequenzen besetzen muss, um da durchzukommen. Und es gibt auch umgekehrte Theorien, dass man zum Beispiel sagt, der von Menschen als äußerst harmonisch empfundene Gesang der Amseln hängt damit zusammen, dass sie in die Städte gekommen sind, weil in den Wäldern, in denen sie früher gelebt hatten, hatten sie das nicht nötig, und das wäre dann eine umgekehrte Entwicklung. Ob schöner oder hässlicher, darum geht's nicht. Es geht einfach nur darum, dass die meisten hier angesprochenen Tiere, die Sounds produzieren, das natürlich nicht unabhängig von der Umgebung tun, in der sie leben.

Es könnte sein, so Cord Riechelmann, der gerade ein Buch über Vögel in der Stadt geschrieben hat, dass Amseln sich dem Großstadtlärm nicht durch Imitation angepasst haben, sondern ihren harmonischen, durchdringenden Gesang gerade gegen die Kakophonie der Großstadt entwickelt haben!

So genau man inzwischen die Phänomene des Imitationslernens bei Gesang und Sprache kennt, weiß, wann in welchen Sequenzen Stimmartikulation gelernt wird, die Neurologie dieses Lernens war bis vor wenigen Jahren noch weitgehend unbekannt. Bis, so Tecumseh Fitch, der Bio-Akustiker aus Harvard, die Forschungen des New Yorker Neurologen Fernando Nottebohm, der von der Ornithologie herkommt, an Kanarienvögeln zu Erkenntnissen geführt haben, die die Neurologie revolutioniert haben.

Fernando Nottebohm hat angefangen mit Kanarien, und diese sind eine Vogel, das lernt immer ein neues Lied jedes Jahr. Und er hat gefragt, warum die Kanarien diese und andere Vogel lernt Gesang einmal und dann singt die gleiche Gesang für die ganze Leben. Warum hat er gefragt. Und er hat gefunden: jedes Jahr vor dem Paarungszeit kriegen sie neue Gehirnzellen. Dies ist eine sehr, sehr wichtige Entdeckung in der Neurowissenschaft und das kommt genau, weil Leute hat die Vogelsong studiert.

Eine revolutionäre Erkenntnis deshalb, weil man bisher in der Neurologie sicher war , dass bei allen Wirbeltieren kurz nach der Geburt das Gehirn ausgebildet ist und neue Gehirnzellen nicht entstehen können, betont. Cord Riechelmann:

Es ist für alle Krankheiten, in deren Folge Teile des Gehirns beim Menschen degenerieren, mehr als wichtig, man könnte sagen bahnbrechend, dass man bei Kanarienvögeln diesen Mechanismus gefunden hat, dass sie jeden Herbst zugrunde gehen und dann wieder neu wachsen. Das hat nicht nur neurowissenschaftliche Dogmen umgestoßen, sondern auch unglaubliche Perspektiven eröffnet, gerade für medizinische Forschungen, die mit Degenerationserscheinungen im Gehirn zu tun haben. Und was dabei wirklich wichtig ist, ist dass Vögel in diesem Zusammenhang Perspektiven auf den Zugang auf das menschliche Gehirn eröffnet habe, die Affen, besonders auch Menschenaffen bei weitem schlagen. Also zum Beispiel hat Henrike Hulsch an Nachtigallen Mechanismen gefunden für die Speicherkapazität von Gehörtem und Wiedergegebenen, die dem des Menschen sehr, sehr ähneln.

Die Vogelgesangsforschung an vorderster Forschungsfront. - Von wegen Spatzen- oder Vogelhirn!

Bleibt die Frage, zu welchem Zweck es vokales Imitationslernen in der Natur gibt und warum unter allen Lebewesen nur und gerade bei den anfangs genannten 5 Arten: Vögeln, Delphinen, Seehunden, Walen und Menschen?

Ich würde sagen, dass das einfach eine große Frage ist für Wissenschaftler. Es gibt schon etwas, das alle hat zusammen. Das in meisten von Walen, Seehunde und Vogel, ist es nur die Männchen, das singt, und sie singen als sie sexuell reif sind und mehr oder weniger singen sie für die Weibchen und gegen die anderen Männchen, so diese Territorialität und auch diese Partnerwahl ist vielleicht ein Zusammenhang, aber Menschen sind eine Ausnahme von das. Ein anderer Punkt, den ich nicht ganz unwichtig finde, bei Tieren, die in großen Verbänden leben, wie Saatkrähen, Kakadus, mit einem ganz wichtigen Aspekt dabei, die außen alle gleich aussehen, schlicht gefärbt sind, Krähen schwarz, Kakadus, also bestimmte Kakaduformen weiß, dass man bei denen das Phänomen feststellt, dass die eigentlich nie ruhig sind und dass da ein entscheidender Punkt dazukommt: so was wie ne Koordination des ganzen Verbandes.

Und, ergänzt der Berliner Verhaltensbiologe Riechelmann, Stimmlernen durch Imitation ermöglicht ein viel größeres Gesangs- und Artikulationsrepertoire, als wenn die Laute durch Vererbung festgelegt wären. Darüber hinaus gibt es in der verhaltens-biologischen Forschung vor allem drei Hypothesen: die Langeweile-Hypothese: Singvögel imitieren andere Arten und Klänge, damit sich das Weibchen nicht langweilt und lange beim abwechslungsreich singenden Männchen bleibt; die Beau-Geste-Hypothese, so genannt nach einem Helden aus der Westerngeschichte, der allein gegen eine große Übermacht kämpfen musste und mit einem Trick Mitkämpfer vortäuschte, die er nicht hatte - Beau-Geste-Hypothese also: das Männchen gibt vor, es seien viele verschiedene Vögel da und hält so rivalisierende Männchen davon ab, ins Revier dieses Männchen einzudringen. Und bei der dritten Hypothese, der Passwort-Hypothese, wird durch die imitierten Laute die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe angezeigt. Diese Hypothese könnte einen Hinweis auf die Evolution der ungewöhnlich großen Artenvielfalt von Singvögeln auf der ganzen Welt geben:

Die Passwort-Hypothese finde ich insofern sehr, sehr bedeutungsvoll, weil man darüber auch die sog. Radiation der Singvögel - also Singvögel sind ne unglaublich große Gruppe mit unheimlich vielen Arten. Und dass ein Gesang, der so etwas hat wie Plastizität, nämlich die Freiheit, dass er über den Lernprozess von Generation zu Generation, von Gegend zu Gegend unterschiedlich werden kann, das ist ein sehr schöner und funktionaler Motor zur Artentwicklung. D.h. man kann sich über Bewegung über Töne abspalten; also nicht nur, dass es die Gruppenzugehörigkeit schafft, es kann auch neue schaffen und das kann der erste Weg zu Artbildung sein.

Imitationslernen ist ein Evolutionsmotor in der Vogelwelt, erklärt Cord Riechelmann, - aber es ist auch etwas, woran der Vogelfreund schlicht seine Freude haben kann, so wie beispielsweise Wolfgang Amadeus Mozart.

Dass Mozart das musikalische Zusammenspiel von Menschen und Vögeln besonders schätzte, davon zeugen mindestens zwei seiner Werke.

Nach einer Notiz in Mozarts Ausgabenbuch, kaufte er am 27.Mai 1784 einen Star. Der konnte das Thema des 3.Satzes seines Klavierkonzertes G-Dur pfeifen. Während er am Klavier sitzend komponierte, pfiff der Star im Käfig neben ihm an der Wand das Thema munter modulierend nach. "War das schön!" schrieb Mozart auf sein Notenblatt. Er erkannte die musikalische Qualität der Starenvariation und übernahm sie in den letzten Satz . - Und noch ein Dokument der Liebe des Wolfgang Amadeus zu seinem Star.

Drei Jahre später, am Todestag seines Stars, komponierte Mozart eine Begräbnismusik eigens für sein musikalisches Haustier.

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