Freitag, 19. August 2022

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Bayern-Sponsor Katar
"Man kann kaum von einer sportlichen Werbeverbindung sprechen"

Seit dieser Bundesliga-Saison läuft der FC Bayern mit Werbung für den Flughafen Doha auf den Trikotärmeln auf. Eine kritische Kooperation mit politischer Signalwirkung, findet Sportjournalist Thomas Kistner - die im äußersten Fall auch ein Thema für die Bundesregierung werden könnte.

Thomas Kistner im Gespräch mit Astrid Rawohl | 26.08.2017

    Franck Ribéry und Robert Lewandowski im Bayern-Trikots, auf deren Ärmel Hamad Airport Qatar steht.
    Der FC Bayern München (hier die Spieler Franck Ribéry und Robert Lewandowski) spielt seit der Saison 2017/18 mit Werbung für den Flughafen Katar auf dem Trikotärmel. (imago sportfotodienst)
    "Das ist ein sehr klares, starkes politisches Signal", sagte Kistner im Deutschlandfunk. "Die Großindustriellen der Fußballbranche scheren sich nicht um das angeblich heiligste Gebot, nämlich, dass Politik und Sport nicht vermischt werden sollten". Die politische Situation um Katar sei kritisch. Und zwar nicht nur angesichts der diplomatischen Spannungen mit seinen Nachbarländern. Katar gehöre zu einer Reihe von Ländern, die Islamisten unterstützten. Auch stehe es um die Menschenrechte in dem Land nicht gut. Und der Flughafen sei sicher kein privates Unternehmen, sondern mit der Führung Katars verbunden.
    Wohlfeile Behauptungen
    Dass sich der FC Bayern über die Rolle Katars beim Transfer von Neymar empöre, aber zugleich die Wirtschaftsverbindungen vertieft habe, erscheine ihm genau so wohlfeil wie die Behauptung, man müsse mit Katars Führung im Gespräch bleiben, um die Menschenrechtslage zu verbessern, so Kistner. Eine Regierung könne durch eine solche "stille Politik" etwas erreichen, ein Fußballverein jedoch nicht.
    Wenn sich die Menschenrechtslage in Katar nicht verbessere, stelle sich die Frage, wie die Bundesregierung eine so prominente Verbindung bewerte.
    Zudem stehe Katars Fußballpolitik im juristischen Fadenkreuz. Es sei "das größte Mysterium, warum eine Handvoll Funktionäre die WM 2022 an einen Zwergstaat mit 50 Sommerhitze vergeben habe".