Steigende Ölpreise
Benzin in Deutschland so teuer wie nie - SPD will Preisdeckel und Übergewinnsteuer

Die SPD fordert wegen des jüngsten Anstiegs der Spritpreise einen Preisdeckel und eine Übergewinnsteuer. Das geht aus einem Positionspapier der Partei hervor, in dem es weiter heißt, Mineralölkonzerne würden die aktuelle Krise schamlos ausnutzen, um Rekordgewinne auf Kosten der Bürger zu machen.

    Die aktuellen Kraftstoffpreise werden an der Anzeigetafel einer Tankstelle in Köln angezeigt.
    Tanken wird immer teurer - Preise an einer Tankstelle in Köln am Mittag des 14.9. (Rolf Vennenbernd / dpa)
    Deshalb wolle man unter anderem eine Preisgrenze einführen, die wie zum Beispiel in Belgien oder Luxemburg die Gewinnmarge effektiv begrenze. Zugleich erkennt die SPD in dem Papier an, dass ein großer Teil der Kostensteigerungen auf den Mangel an Rohöl zurückzuführen ist. Dieser sei nicht zu verhindern.

    Söder: staatliche Mehreinnahmen an Bürger zurückgeben

    CSU-Chef Söder hat die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert. Als mögliche Lösung für die steigenden Benzinpreise nannte Söder das Vorgehen Österreichs, das die staatlichen Mehreinnahmen durch die gestiegenen Preise an die Bürger zurückgebe. Etwas ähnliches könne man auch hierzulande überlegen, sagte der bayerische Ministerpräsident nach einer Klausurtagung des CSU-Vorstands in München.
    Der CDU-Wirtschaftsrat rief das Bundeskartellamt auf, den Kraftstoffmarkt genau zu überprüfen. Zugleich warnte der Lobbyverband vor staatlichen Eingriffen. Immer neue Tankrabatte oder Preisdeckel seien keine Lösung, hieß es.
    Der Grünen-Vorsitzende Banaszak forderte Entlastungen für die Menschen etwa über ein vergünstigtes Deutschlandticket. Zur Finanzierung sollten die Übergewinne der Mineralölkonzerne abgeschöpft werden.
    Zuvor hatte das Bundeswirtschaftsministerium Zweifel an einem Sprit-Preisdeckel geäußert. Der Verband Fuels und Energie erklärte, die Preise in Deutschland seien abzüglich staatlich bedingter Anteile wie Steuern und Abgaben niedriger als in den Nachbarstaaten. 

    ADAC meldet Rekordwerte

    Der Automobilclub ADAC teilte mit, der neuerliche Anstieg des Ölpreises rechtfertige das Preisniveau an den Zapfsäulen nur teilweise. Laut ADAC stiegen die Preise für Benzin auf ein neues Rekordhoch. Bundesweit kostete der Liter Super E10 am Sonntag im Tagesdurchschnitt 2,273 Euro. Das waren 1,7 Cent mehr als am Freitag. Damit sei auch der bisherige Höchstpreis von März 2022 übertroffen worden.
    Auch die Literpreise für Diesel näherten sich dem im April erreichten Höchstwert wieder an und lagen am Sonntag bei im Schnitt 2,404 Euro. Die Treibstoffpreise in Deutschland dürften hoch bleiben, da die Ölpreise durch die Lage am Persischen Golf weiter gestiegen sind.

    Tankstellenverband: Preis von drei Euro pro Liter möglich

    Der Tankstellenverband hält auch Literpreise von drei Euro für möglich. Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband sagte der "Rheinischen Post", mit diesem Szenario müsse man sich auseinandersetzen. Solche Preise gebe es auch schon an Autobahnen. Rabl kritisierte das Vorgehen der Mineralölkonzerne. "Es wird abkassiert. Und auch die Tankstellenbetreiber leiden unter den hohen Preisen."
    Zwar seien die Blockade der Straße von Hormus und der Konflikt mit den Huthis um die Meerenge Bab al-Mandab ein Problem. Der Anteil des Öls hierzulande aus der Golfregion ⁠sei jedoch vergleichsweise gering. "Da in den USA die Spritpreise gerade niedrig ⁠gehalten werden, müssen die Konzerne woanders das Geld ⁠verdienen", sagte Rabl. Das werde nun in Europa gemacht.

    EZB besorgt über Preisentwicklung

    Die Direktorin der Europäischen Zentralbank, Schnabel, hält die Entwicklung der Energiepreise für besorgniserregend. Öl, aber auch Gas und raffinierte Produkte wie Diesel hätten ein sehr hohes Preisniveau erreicht, sagte Schnabel in Berlin. Sie deutete an, dass die EZB mit Blick auf die durch die Energiepreise angetriebene Inflation die Leitzinsen weiter erhöhen könnte.
    Der Preis für Rohöl ist typischerweise der wichtigste Treiber für Änderungen beim Treibstoffpreis. Regional und je nach Uhrzeit können die Preise aber stark abweichen. Zum Handelsstart am Montag früh kostete ein Fass der Nordseesorte Brent mehr als 107 US-Dollar. Die Drohnenangriffe auf eine wichtige Pipeline in Saudi-Arabien und die Absage eines eigentlich für Montag angekündigten Treffens zwischen Iran und Oman zum Konflikt in der Straße von Hormus sorgten für weitere Unsicherheit.

    Weiterführende Informationen

    Die wichtigsten Entwicklungen gibt es auch in unseren Newsblog zur Lage im Nahen Osten.
    Diese Nachricht wurde am 15.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.