
Die Lektion der Mauer bleibe: Freiheit und Demokratie seien nicht selbstverständlich; man müsse immer dafür kämpfen. Bei einer Gedenkveranstaltung in der Kapelle der Versöhnung würdigte Bundestagspräsidentin Klöckner die Mauertoten und erinnerte an das erste Opfer des Schießbefehls, Günter Litfin. Die CDU-Politikerin sagte, die frühere Grenze sei heute fast unsichtbar, habe in Deutschland aber Spuren hinterlassen. Selbst bei denen, die erst nach dem Mauerfall geboren worden seien, wirke die Mauer nach. Zugleich verwies sie auf fortbestehende Spaltungen zwischen Ost und West und rief dazu auf, dass die Menschen in Deutschland einander zuhören sollten.
Anschließend wurden am Mauer-Denkmal Kränze für die Opfer niedergelegt. Am Brandenburger Tor erinnert eine 30 Meter lange Installation an die einstigen Grenzanlagen.
Gedenken auch am Grenzübergang Marienborn
Mit einer Gedenkveranstaltung wurde auch am früheren Grenzübergang Marienborn an die Errichtung der Berliner Mauer vor 65 Jahren erinnert. Als Folge des Mauerbaus habe die DDR ab dem 13. August 1961 auch die innerdeutsche Grenze abgesperrt, teilte die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt mit. Tausende Menschen seien zwangsweise aus grenznahen Orten umgesiedelt worden. Man erinnere an jene, die durch das DDR-Grenzregime ihre Freiheit, ihre Gesundheit oder ihr Leben verloren. Marienborn war bis zum Fall der Mauer 1989 der größte innerdeutsche DDR-Grenzübergang.
Weimer warnt vor "Zerrbildern der DDR-Diktatur"
Kulturstaatsminister Weimer warnte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vor einer Verharmlosung der DDR-Diktatur. AfD und Linkspartei würden in Ostdeutschland positive Zerrbilder der DDR produzieren. Bei der AfD reiche das bis zum Singen der DDR-Nationalhymne, sagte Weimer mit Blick auf eine AfD-Veranstaltung mit dem Kabarettisten Uwe Steimle Mitte Juli in Dessau.
Die Beauftragte des Bundestages für die Opfer der SED-Diktatur, Zupke, kritisierte, die DDR werde von manchen als „gemütlich und gemeinschaftlich“ verklärt. Private nostalgische Erinnerungen seien zutiefst menschlich, sagte Zupke der Zeitung. Problematisch werde es jedoch, "wenn Diktatur und Überwachung in Vergessenheit geraten". Wer nicht konform sein wollte oder konnte, habe kein gutes Leben in der Diktatur führen können.
Der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Bergner, bezeichnete den Mauerbau als essentiellen Bestandteil der Diktatur in der früheren DDR. Die Isolation der Menschen vom Westen sei eine Unterdrückungsmaßnahme gewesen, die die Bevölkerung sehr stark getroffen habe,
sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk.
Weimer: Straßen nach DDR-Widerstandskämpfern benennen
Der für Gedenkstätten zuständige Staatsminister Weimer macht sich nach eigenen Worten „große Sorgen“ um die Erinnerungskultur in Sachsen-Anhalt und Berlin, wo im September Wahlen stattfinden. „Wenn Sachsen-Anhalt nach rechts außen und Berlin nach links außen abrutscht, dann wird die Erinnerungspolitik in beiden Fällen anders sein als zuvor“, sagte Weimer. In Sachsen-Anhalt könnte die AfD eine absolute Mehrheit erreichen, in Berlin führt in einigen Umfragen die Linkspartei.
Als aktive Form der Erinnerungsarbeit regte Weimer an, Straßen und Plätze nach Widerstandskämpfern aus der DDR zu benennen. "Zum Beispiel überall dort, wo neue Straßen entstehen, sollte man zumindest über Namensgeber nachdenken, die durch die kommunistische Diktatur getötet wurden oder im Gefängnis saßen", sagte er.
Diese Nachricht wurde am 14.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
