Besonderes Objekt im AdlerDer extrem kleine Weiße Zwerg

Die italienische Astrophysikerin Ilaria Caiazzo hat einen ganz besonderen Weißen Zwerg entdeckt: Er hat fast anderthalbmal so viel Masse wie die Sonne, ist aber nur wenig größer als der Mond. Fast alle Sterne werden am Ende ihres Daseins zu Objekten, in denen keine Kernfusion mehr stattfindet.

Von Dirk Lorenzen | 17.10.2021

Illustration des kleinen massereichen Weißen Zwergs – der Mond ist als Größenvergleich abgebildet
Illustration des kleinen massereichen Weißen Zwergs – der Mond ist als Größenvergleich abgebildet (Caltech/Guiseppe Parisi)
Die italienische Astrophysikerin Ilaria Caiazzo hat einen ganz besonderen Weißen Zwerg entdeckt: Er hat fast anderthalbmal so viel Masse wie die Sonne, ist aber nur wenig größer als der Mond. Fast alle Sterne werden am Ende ihres Daseins zu Weißen Zwergen, kompakten Objekten, in denen keine Kernfusion mehr stattfindet. Zudem wirbelt er in nur sieben Minuten einmal um seine Achse und sein Magnetfeld ist eine Milliarde Mal stärker als das der Sonne.
Fast alle Sterne werden am Ende ihres Daseins zu Weißen Zwergen, kompakten Objekten, in denen keine Kernfusion mehr stattfindet. Auch unsere Sonne ist in gut fünf Milliarden Jahren ein Weißer Zwerg. Meist sind diese Objekte etwa so groß wie die Erde, aber mit nur 4.200 Kilometern Durchmesser ist der jetzt entdeckte Weiße Zwerg unter den bislang bekannten der kleinste.
Neutronensterne – hier eine zeichnerische Darstellung – sind extrem kompakte Materieklumpen, die bei einem Durchmesser von wenigen zehn Kilometern mehr als anderthalbfache Sonnenmasse enthalten
Der jetzt untersuchte Weiße Zwerg könnte bald zu einem kompakten Neutronenstern (Illustration) werden. (NASA)
Ilaria Caiazzo und ihr Team vermuten, dass dort ursprünglich zwei Weiße Zwerge umeinander kreisten. Durch das Abstrahlen von Gravitationswellen kamen sie sich immer näher und verschmolzen schließlich.
Hätten die beiden Objekte etwas mehr Masse gehabt, so wäre es dabei zu einer gewaltigen Supernova-Explosion gekommen, bei der ein Neutronenstern von den Ausmaßen einer Großstadt übrig bleibt.
Doch die beiden wurden zu einem besonders kleinen Weißen Zwerg – vorerst. Denn vermutlich verbinden sich im extrem dicht gepackten Zentrum allmählich Protonen mit Elektronen. Dadurch nimmt der Druck aus dem Inneren ab – und der mondgroße Weiße Zwerg könnte bald zu einem Neutronenstern zusammenstürzen. Wann genau das passiert, ist unklar – eventuell noch heute, aber vielleicht dauert es auch noch Millionen Jahre.