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Startseite3. Sportkonferenz im Deutschlandfunk"Besser an den Bedürfnissen der Gesellschaft ausrichten"01.10.2013

"Besser an den Bedürfnissen der Gesellschaft ausrichten"

Welchen Sport wollen Amateur- und Breitensportler?

Fast neun Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich im Sport. Doch längst nicht alles läuft reibungslos und erfolgreich. Andrea Schültke diskutierte im ersten Panel des Tages mit ihren Gästen über Sport, Sportvereine, Ganztagsschulen und Probleme des Breitensports.

Walter Schneeloch, Präsident Landessportbund NRW (Deutschlandradio - Hendrik Maaßen)
Walter Schneeloch, Präsident Landessportbund NRW (Deutschlandradio - Hendrik Maaßen)

Zu Beginn prangerte der mehrmalige deutsche Judo-Meister Rainer Wolff die fehlende Wertschätzung und Anerkennung des Sports in Deutschland an. Die Stadt Bonn, in der sich sich Wolff als Organisator der Initiative "Pro Sportstadt Bonn" engagiert, könne als Beispiel für viele Städte in Deutschland gelten. Statt der gebotenen Anerkennung, müsse der häufig Sport "zur Sanierung der städtischen Haushalte" herhalten, so Wolff.

Walter Schneeloch, der Vorsitzende des Landessportbundes NRW sieht in Wolffs Position alles sehr "schwarz-weiß gemalt." Der Sport werde nicht geschröpft, im Gegenteil. "Zum ersten Mal hat der Sportbund mit der Landesregierung einen Pakt geschlossen, der bis 2017 eine finanzielle Absicherung garantiert."

"Die wichtigsten Aussagen der Diskussion noch einmal zum Nachhören. Bastian Rudde berichtet:"
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Doch nicht nur Finanzen sind ein Problem des Amateur- und Breitensports, auch die Strukturen, insbesondere die Vereinbarkeit von Schule und Sport in Zeiten von Ganztagsschule und verkürzter Abiturlaufbahn. Dabei sei es wichtig, betont Sportlehrerin Barbara Hopmann vom Gymnasium am Stadtpark in Krefeld-Uerdingen, dass Kinder sich bewegen, im Sportunterricht, aber auch in der Freizeit.

Schwierig ist auch die Einbindung des organisierten Sports in das Konzept Ganztagsschule. Schneeloch betonte das Engagement der Verantwortlichen vor Ort als besonders wichtig für eine gelungene Kooperation von Sport und Schule. Erfolgreich arbeitet der Eimsbütteler TV, einer der größten Vereine in Hamburg (12000 Mitglieder). Deren 1. Vorsitzender sieht in der Ganztagsschule eine "enorme Chance für den Verein". Dafür brauche es aber eine strake Infrastruktur. Sein Verein habe 150 Mitarbeiter eingestellt inzwischen.

Strahlkraft geht häufig von Profivereinen aus, beobachtet der Basketball-Europameister von 1993 und jetzige Vize-Präsident von Alba Berlin, Henning Harnisch. Sehr erfolgreich habe sein Verein das Projekt "Alba macht Schule" gegründet. Daraus sei durch Beteiligung anderer Profi-Clubs der Stadt eine größere Initiative geworden. In fünf Jahren, so das Ziel, sollen bereits 100 Berliner Grundschulen mitmachen.

Wissenschaftlich untersucht hat Prof. Niels Neuber von der Universität Münster die Beziehung von Sport und Ganztagsschulen. Strukturell stünden die Vereine "gar nicht schlecht da", so Neuber. Immerhin würde mittlerweile bereits etwa die Hälfte des Ganztagsschulsports von Vereinen organisiert. Gleichzeitig gelte es aber auch eine "Lanze für den Schulsport zu brechen". Zwar sei es nach Stundentafel das drittgrößte Fach, doch auch immer das erste, das ausfalle. Man müsse aber das "Riesenpfund" Schulsport besser nutzen.

Diskussion zum Amateur- und Breitensport Diskussion zum Amateur- und Breitensport, Foto: Hendrik Maaßen


Für eine erfolgreiche Arbeit in der Zukunft, müsse sich der Sport in der Öffentlichkeit eine stärkere Stimme verschaffen. Da waren sich alle Teilnehmer der Runde einig. Der Sport "ist nicht laut genug". Gerade auf kommunaler Ebene müsse man den Sport besser aufstellen und auch politikfähiger machen, sagte Schneeloch.

Aber welchen Amateur- und Breitensport wollen wir? Lehrerin Barbara Hopmann wünscht sich bessere Möglichkeiten, den Sport "gut weiter zu geben". Dazu bedürfe es struktureller Verbesserungen und vor allem ausreichender Kapazitäten." Ähnlich sieht es Vereins-Präsident Frank Fechner aus Hamburg. Ziel sei es "möglichst vielen Menschen ein lebenslanges Sporttreiben zu ermöglichen" Walter Schneeloch vom Landessportbund sieht die wichtigste Aufgabe darin, den Sport noch besser an den Bedürfnissen der Gesellschaft auszurichten." Es liege besonders an den Vereinen, Sport für alle anzubieten.

"Impuls-Referat:"
Rainer Wolff (Pro Sportstadt Bonn)

"Gäste der Diskussion:"
Walter Schneeloch (Präsident Landessportbund NRW)
Barbara Hopmann (Sportlehrerin in Krefeld-Uerdingen)
Prof. Nils Neuber (Sportwissenschaftler, Universität Münster)
Frank Fechner (1. Vorsitzender Eimsbütteler TV))
Henning Harnisch (Vizepräsident Alba Berlin)

"Moderation:"
Andrea Schültke (DLF)

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