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Black Keys
Harte Zeiten für Musiker

Erfolg macht glücklich, heißt es. Doch bei den Black Keys, einem Rock-Duo aus Akron/Ohio, haben zwei Platin-Alben, fünf Grammys und ausverkaufte Hallen eher für Frust, Stress und teure Scheidungen gesorgt. Dinge, die Sänger und Gitarrist Dan Auerbach auf dem neuen Album "Turn Blue" verarbeitet.

Von Marcel Anders | 12.05.2014
    "Es ist nicht nur eine Scheidung. Es geht auch ums Vater Sein und ums viele Touren. Denn es ist nicht sonderlich gesund, 200 Tage pro Jahr auf der Bühne zu stehen. Das ist sogar verdammt hart und beeinträchtigt alles in deinem Leben - deine Ehe und deine Beziehungen. Wobei es die Musik ist, die mich erst in diese Situation gebracht hat. Aber ironischerweise ist sie es auch, die mir hilft. Mit einer heilenden Kraft - und einer Bedeutung, die sie noch nie zuvor hatte."
    Musik als Therapie. Und das in mehrfacher Hinsicht. Denn neben einer 5-Millionen-Dollar-Scheidung läuft auch sonst einiges schief im Hause Auerbach. Der 34jährige fühlt sich überrollt vom Erfolg seiner letzten Alben "Brothers" und "El Camino", versucht sich den Medien und der Musikindustrie zu entziehen, wo er nur kann, und hasst den Klatsch und Tratsch in den sozialen Netzwerken. Weshalb dem Albumtitel "Turn Blue" auch besondere Bedeutung zukommt.
    "Er steht für Erstickung und Atemnot. Ist aber auch eine alte Redewendung aus den 50ern. Nämlich ein charmantes "Fuck you!" Und das passt zu dem schwierigen Jahr, das wir 2013 hatten. Sprich: Der Titel fast das, was wir damals erlebt haben, wunderbar zusammen."
    Musik als kleiner Spaß unter Freunden
    Doch die Black Keys bringen ihre Abrechnung nicht nur verbal auf den Punkt, sondern auch musikalisch. Mit elf Songs, die die Erwartungshaltungen von Kritikern, Fans wie Plattenfirma bewusst ad absurdum führen. Denn statt hymnischem Garagenrock, serviert das Duo diesmal souligen Retro-Pop und epische Psychedelia. Eine mutige Mischung, die zum Teil ganz ohne Gitarren auskommt. Aber immer bodenständig und betont Low Budget ist. Und sich als kleiner Spaß unter Freunden versteht.
    "Wenn du einen berühmten Produzenten engagierst und an einem exotischen Ort aufnimmst, ist das ein Indiz dafür, dass du nicht viel Selbstvertrauen hast oder nach Inspiration suchst. Wir dagegen können überall aufnehmen. Selbst in Benton Harbor in Michigan - im tiefsten Winter. Da haben wir "Fever", "It´s Up To You Now" und elf weitere Songs eingespielt. Und wenn wir im Studio sind, haben wir einfach nur Spaß. Es gibt keine Regeln und jeder kann jedes Instrument übernehmen. Wir lieben es, Platten zu machen."
    Dan Auerbach mit Grammy ausgezeichnet
    Wie sehr Dan Auerbach das Platten machen liebt, zeigt sich allein darin, dass er in den letzten Jahren an über 30 Produktionen beteiligt war, 2013 mit einem Grammy als Produzent des Jahres ausgezeichnet wurde und sich vor Anfragen namhafter Kollegen kaum retten kann. Doch der Vollbartträger gibt sich wählerisch. In seinem Studio in Downtown Nashville betreut er nur, wen er wirklich mag. Wie Dr. John oder - vor wenigen Wochen - Lana del Ray.
    "Ich habe nur wenig Zeit. Von daher kann ich nur mit jemandem arbeiten, der nicht ewig braucht. Denn das kann ich mir nicht leisten. Und natürlich muss mir die Musik gefallen. Aber ich denke nicht groß darüber nach, ob ich damit reich werde oder ob es gut für meinen Ruf ist. Denn ich verdiene meine Brötchen ja auf andere Weise. Von daher habe ich das Glück, mir das raussuchen zu können, was ich liebe."
    Harte Zeiten für Musiker
    Zum Brötchen verdienen geht es Ende Juni auf deutsche Festivals wie Hurricane und Southside. Der Auftakt zu einer weiteren Mammuttour, die das Duo gleich mehrfach um den Globus führt. So lange, bis man neue Song-Ideen hat, die irgendwo aufnimmt und gleich weitertingelt. Für Auerbach Profession, Mission, aber auch ökonomische Notwendigkeit. Denn: Die Zeiten sind hart. Selbst als erfolgreicher Musiker.
    "Es ist ein kontinuierlicher Lifestyle, der immer weiter geht. Und wir verdienen kaum Geld, wenn wir im Studio sind, sondern nur wenn wir touren. Das ist unser Brot und Butter. Zumal sich Alben kaum noch verkaufen. Was verrückt ist. Denn all die Bands, die ich mit 14, 15 gehört habe und die Nummer-1-Hits hatten, waren automatisch Multimillionäre. Hast du heute einen Hit, der im Radio läuft, ist das längst nicht so. Von daher müssen wir touren."