
"Leitzinserhöhungen kommen immer ungelegen", notiert der WIESBADENER KURIER, wirft aber direkt ein: "Die Währungshüter hatten keine Wahl, sie mussten dem jüngsten Inflationsschub rasch etwas entgegensetzen. Das ist auch eine Lehre aus dem Jahr 2022. Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ließ die EZB wertvolle Monate verstreichen, bevor sie auf die steigenden Preise reagierte."
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE folgert: "Nachdem sie die Wucht der Inflation in der Corona-Krise noch unterschätzt hat, geht die Notenbank nun auf Nummer sicher."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG sieht ein Dilemma: "Die EZB versucht, etwas zu bekämpfen, worauf sie kaum Einfluss hat. Die aktuell steigende Inflation ist nicht allein das Ergebnis überhitzter Nachfrage, sondern vor allem Folge externer Schocks. Zinserhöhungen räumen diese nicht aus dem Weg."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG mahnt: " Sollte es bald zu einer Einigung zwischen Iran und den USA kommen, könnten sich die Ölpreise ebenso schnell normalisieren, wie sie gestiegen sind. Die Zinserhöhung träfe dann auf eine ohnehin schwache europäische Wirtschaft – und würde sie zusätzlich belasten."
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU blickt auf die Folgen für Sparerinnen und Sparer: "Sie spüren den Zinstrend schon seit einiger Zeit an besseren Tagesgeldangeboten der Banken. Die aktuelle Leitzinserhöhung wird dort keine Sprünge nach oben bringen, aber der Trend dürfte sich verfestigen."
Die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus bilanziert das Spitzentreffen im Kanzleramt von Bundesregierung, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften wie folgt: "Es ist schon erstaunlich, wie zufrieden nun alle Beteiligten mit dem Wenigen sind, das die Runde erbracht hat. Offenbar ist es schon gut, dass es nicht richtig schlecht gelaufen ist."
Das HAMBURGER ABENDBLATT ist optimistischer: "Nach den gereizten 'Bullshit'- und Faulheitsdebatten der vergangenen Monate scheinen die Beteiligten selbst ganz erstaunt darüber zu sein. Insofern kann der Kanzler zufrieden mit der Runde sein, von ihr geht ein Funken Hoffnung aus."
Die TAZ sieht einen Punktsieg für die Sozialdemokraten: "Denn die SPD hat ein vitales Interesse daran, die Gewerkschaften in den ziemlich hektischen Reformprozess einzubinden. Reform wird für viele bedeuten: weniger Leistung bekommen, mehr zahlen. Wütende Gewerkschafts-Demos gegen die SPD sind für Lars Klingbeil und Bärbel Bas noch ein Problem mehr."
