
"AfD und BSW kämpfen um die gleiche Wählerschaft", stellt die FRANKFURTER RUNDSCHAU fest:
"Russland-nah, ostdeutsch geprägt und überzeugt davon, dass sich grundsätzlich etwas ändern muss in diesem Land, egal wie. Wagenknecht zeigt ihnen die Lösung auf: Wählt BSW, und ihr bekommt den Wechsel, der ohne den Einzug ihrer Partei womöglich scheitern würde. Taktisch wählen nennt man das. Dieses Prinzip kennen sie in Sachsen-Anhalt bereits. Damit machen SPD und vor allem Grüne seit Wochen Wahlkampf – nach dem Motto: Wer einen rechten Ministerpräsidenten verhindern will, muss uns über die Fünf-Prozent-Hürde bringen. Wenn das BSW auch in den Landtag einzieht, schlägt diese Strategie fehl."
Die NÜRNBERGER ZEITUNG analysiert Wagenknechts Vorschlag einer Landesregierung aus Fachleuten ohne Parteizugehörigkeit:
"Das könnte ein Ausweg sein, wenn in keine Richtung mehr etwas geht. Man müsste zunächst, was schwierig ist, eine Persönlichkeit finden, mit der quer durch das Parlament alle leben können, und dieser dann das Amt des Ministerpräsidenten übertragen. Dessen Regierung müsste sich bei jeder Sachfrage neue Mehrheiten suchen - vermutlich immer wieder mit Stimmen der AfD. Das ist genau das Problem, das viele mit der Lösung haben werden."
Die TAGESZEITUNG – TAZ hält dagegen:
"Die Linke ist im Osten Deutschlands ein Stabilitätsanker. Sie hat auch keine Alternative zu dieser Rolle, will sie eine Regierungsbeteiligung der AfD verhindern. Dass dieses Ziel Vorrang hat, darüber herrscht in der Linken breiter Konsens. Die CDU sollte sich dafür aber allmählich erkenntlich zeigen und ihr Linken-Bashing einstellen. Denn selbstverständlich ist das Entgegenkommen der Linken nicht. Es sollte seinen Preis haben."
Heute vor 65 Jahren ließ die DDR-Führung in Berlin eine Mauer bauen, die die Stadt für die folgenden 28 Jahre teilte. Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf findet, dass es eine Erinnerungskultur braucht, die beides aushalte:
"Zum einen die persönlichen Erinnerungen genauso wie die für manche unbequeme Wahrheit über die Diktatur. Zeitzeugen können und müssen bei diesem Spagat eine wichtige Rolle spielen. Zum anderen muss es gelingen, jungen Menschen in der Schule DDR-Geschichte besser zu vermitteln. Gerade im Westen scheint die DDR weit weg und spielt de facto eine untergeordnete Rolle im Geschichtsunterricht. Wer aber verhindern will, dass Geschichte verklärt wird, muss vor allem mehr aufklären."
Die DITHMARSCHER LANDESZEITUNG aus Heide mahnt:
"Wir können lang und breit zu jedem Jahrestag die Mauer in den Köpfen beklagen. Wichtiger wäre, gegensätzliche Sichtweisen nicht pauschal zu verdammen. Tatsächlich erfordert es mehr Mut, auf Andersdenkende zuzugehen, als sich in seiner Blase einzumauern. Wie so oft lohnt es sich auch dabei, mutig zu sein."
