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Brasilien klagt gegen Fifa

Als Kolonialmacht gilt die Fifa im WM-Land Brasilien schon seit geraumer Zeit. Nun starten Justiz und Behörden eine breite Attacke, um dem Weltverband Teile der auf 11 Milliarden Euro taxierten WM-Gesamtkosten aufzubrummen.

von Thomas Kistner | 25.10.2013

    Das Ministerio Publico Federal (MPF) klagt. Es will die Fifa zur Kostenübernahme von rund 400 Millionen Euro zwingen. Das betrifft die Kosten für alle temporären WM-Installationen. Dabei geht es zum einen um die Ausstattung der WM-Medienzentren, zum anderen um die der zwölf Stadien. Die Bundesanwaltschaft argumentiert, Zelte, Bühnen, Gerüste, Gehwege, Zäune, Beleuchtung, Kabel, Möbel oder Trennwände hinterließen der Bevölkerung kein Vermächtnis. Sie würden nur vorübergehend für eine private Veranstaltung gebraucht: "Gibt es ein öffentliches Interesse an diesen Leistungen, wenn nur die Fifa Inhaber der Übertragungsrechte ist und sie für Millionen verkauft?", heißt es in der Klageschrift.

    Die Fifa pocht auf den Veranstaltervertrag sowie auf spätere Zusatzvereinbarungen von 2009. Doch Brasiliens Justiz wirkt gut gerüstet. Sie entnimmt diesen Zusatzvereinbarungen, dass die Fifa die Finanzierungspflicht für die temporären Bauten in den WM-Stadien erst 2009, kurz vor Verkündung der Spielstätten, mitgeteilt habe. Im Grundvertrag von 2007 sei sie nicht enthalten. Das MPF sieht hier eine nachträgliche Änderung, die die Fifa Brasilien ohne Veto-Chance auferlegt habe.

    Zugleich attackiert die Verbraucherschutz-Organisation Procon. Sie vertritt eine Sammelklage von Ticketkäufern, es geht um mangelnde Transparenz beim WM-Kartenverkauf. Das von der Fifa praktizierte Losverfahren für Kaufinteressenten sei ebenso unstatthaft wie die Stornogebühr für die Rückgabe von Tickets. Die Fifa hat 15 Tage Zeit, auf die Procon-Klage zu reagieren.