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Brasilien
Merkel gibt sich als Umweltvorreiterin

Für Kanzlerin Merkel war der Besuch in Brasilien ein Erfolg. Kurz vor der Klimakonferenz in Paris sicherte sie der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff Unterstützung bei der Amazonas-Aufforstung zu. Und Rousseff konnte die Innenpolitik für kurze Zeit beiseite stellen.

Von Julio Segador | 21.08.2015

    Ein Hoch der Kanzlerin auf die deutsch-brasilianischen Konsultationen. Bei gegrillten Cashew-Kernen, Schweine-Filet mit Polenta und exotischen brasilianischen Früchten stießen beide Delegationen auf ihr Treffen an. Ein nicht nur für Angela Merkel erfolgreiches Treffen. Auch Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff wirkte wie befreit, zumindest für einige Stunden hatte die deutsche Kanzlerin es geschafft, die innenpolitischen Schatten zu vertreiben.
    Und das lag vor allem am Thema Klimaschutz. Hier wollen sich wenige Wochen vor der Klimakonferenz in Paris Brasilien und Deutschland als Vorreiter präsentieren. Dilma Rousseff bemühte sogar das Wort historisch, als sie die drei umweltpolitischen Ziele ihres Landes nannte.
    "Als erstes wollen wir zwölf Millionen Hektar Waldfläche im Amazonas-Regenwald wiederaufforsten, daneben haben wir uns vorgenommen, die illegalen Rodungen im Regenwald bis zum Jahr 2030 auf Null zu bringen. Und drittens wollen wir bei der Energiegewinnung bis zum Ende des Jahrhunderts auf fossile Brennstoffe - etwa aus dem Amazonas-Regenwald - völlig verzichten.
    Es ist ein Signal, das das Schwellenland Brasilien, dieses riesige Land mit seiner einzigartigen Flora und Fauna aussendet. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel weiß es zu schätzen.
    Doch Brasilien kann diese Herkules-Aufgabe, die jahrzehntelange Plünderung der Ressourcen des Amazonas-Regenwaldes zu kompensieren, nicht alleine bewältigen. Das weiß auch Angela Merkel, die der brasilianischen Präsidentin Unterstützung zusagt.
    Merkel: Stärkeres Engagement der deutschen Wirtschaft
    Ob Brasilien seine ehrgeizigen Umweltziele wirklich erreichen kann, ist allerdings fraglich. Im Parlament in Brasilia machen Lobbygruppen mächtig Druck, ein Bergbau-Gesetz zu verabschieden, bei dem die Suche nach Rohstoffen auch vor dem Regenwald nicht haltmachen würde.
    Angela Merkel ist das einerlei. Sie hat sich pünktlich vor der entscheidenden Klimakonferenz in Paris einmal mehr als umweltpolitische Vorreiterin positioniert. Dazu könnte diese – Zitat der Kanzlerin - Energiewende in Brasilien, deutschen Unternehmen Chancen eröffnen:
    Wobei sich Angela Merkel wünschen würde, dass sich deutsche Unternehmen noch stärker in Brasilien engagieren. Importschranken, Bürokratie und Korruption stehen dem häufig entgegen. Brasilien müsse sich investitionsfreundlicher zeigen, mahnte da die Kanzlerin. Was Dilma Rousseff prompt aufgriff. Sie lade deutsche Unternehmen ein, sich häufiger an Ausschreibungen zu beteiligen.