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Brave New World oder "Der Sturm"

"20 Jahre für die Ewigkeit" betitelte Georg Hensel in seinem "Spielplan" das Kapitel über den englischen "playwriter" William Shakespeare. Zwischen 1590 und 1610, zwischen Shakespeares Ankunft im Londoner Theaterleben und seinem Abschied, schuf er 38 Dramen, die das Theater, die theatralische Sicht auf den Menschen, auf die Welt, auf das Leben umgestürzt und für alle Zeiten neu geprägt haben.

Von Nora Bauer | 26.04.2014

William Shakespeare in einer zeitgenössischen Darstellung.
"Der Sturm" war Shakespeares letztes Stück. (picture-alliance / dpa)
Vergleichbar nur mit Nikolaus Kopernikus’ Schrift vom Lauf der Erde um die Sonne oder Christoph Kolumbus’ Entdeckung der Neuen Welt. Über die Person Shakespeares weiß man wenig, eigentlich nur, dass er auf dem Lande aufwuchs, die Lateinschule schwänzte und irgendwann nach London ging. Der Kritiker Alfred Kerr stöhnte: "Ich meine, dass man (trotz allem, trotz allem) wieder verzweifelt, ob ein Landlümmel aus dem Drecknest Stratford so was allein gemacht hat." Kenntnisse für das Stückeschreiben erhielt Shakespeare aus der Theaterpraxis, durch Bücher, aus dem Leben. Der Rest ist Begnadung, schrieb Hensel, und warum soll ein Landlümmel nicht begnadet gewesen sein?
"Der Sturm" war Shakespeares letztes Stück. In ihm vereinigt sich alles, klingen noch einmal die Motive aller Stücke wie Melodien an. Die "Lange Nacht" über William Shakespeare ist eine Reise in Shakespeares Zeit und in sein Theater, das Globe, wo wir einer Aufführung des "Sturm" folgen.
Isaac Asimov
Shakespeares Welt
Was man wissen muß, um Shakespeare zu verstehen.
Mit einem Vorwort von Tobias Döring
2014 Alexander Verlag
Höchst fundiert und dennoch allgemein verständlich erklärt Asimov die literarischen, historischen und mythologischen Hintergründe einzelner Shakespeare-Stücke.
Von den 40 Essays der Originalausgabe erscheint erstmals eine Auswahl von zwölf Texten zu den Stücken: Ein Sommernachtstraum, Romeo und Julia, Othello, Macbeth, Hamlet, Der Sturm, Viel Lärm um nichts, König Lear, Wie es euch gefällt, Der Kaufmann von Venedig, Was ihr wollt, Richard III.
"Die meisten Leser sind mit der griechischen Mythologie oder der römischen Geschichte nicht mehr vertraut. Und noch schlechter kennen sie sich in der englischen Geschichte aus. Wenn man genauer weiß, was die Stücke behandeln, kann das neue Dimensionen eröffnen. Das möchte ich mit diesem Buch erreichen." Isaac Asimov
"Eine der informativsten und allgemein verständlichsten Darstellungen von Shakespeares Werk. In klarer, schnörkelloser Sprache, mit erfrischend unverstelltem Blick und passionierter Hingabe nimmt er Shakespeares Texte beim Wort."
Prof. Dr. Tobias Doering, Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft
"Vor allem Asimovs Vergleich der historischen Fakten mit Shakespeares Dichtung erklärt den Dichter nicht nur zum Genie, sondern auch zum realen Theatermacher." Luk Perceval, Thalia Theater, Hamburg
Von den 40 Essays der Originalausgabe erscheint erstmals eine Auswahl von zwo lf Texten zu den Stücken: Ein Sommernachtstraum, Romeo und Julia, Othello, Macbeth, Hamlet, Der Sturm, Viel Lärm um nichts, König Lear, Wie es euch gefällt, Der Kaufmann von Venedig, Was ihr wollt, Richard III.
Jan Kott
Shakespeare heute
Mit e. Vorw. v. Peter Brook.
2013 Alexander Verlag
"Für die Welt der Wissenschaft ein wertvoller Beitrag für die Welt des Theaters ein unschätzbarer."
Peter Brook
"Kein anderer Theoretiker hat in den letzten hundert Jahren mit seinen Interpretationen derart Einfluß genommen auf die Praxis der von ihm beleuchteten, erhellten, befeuerten Kunst.Erst Kott hat das elisabethanische Genie, von dem man sagt, daß seit Gott keiner mehr erschaffen hat, zum Dichter der ganzen Welt und aller Zeiten werden lassen. Ob Peter Brook oder Peter Zadek, ob Ariane Mnouchkine oder Akira Kurosawa, alle wichtigen Shakespeare-Regisseure sind so Jan Kotts Jünger und Zeugen geworden."Peter von Becker, Der Tagesspiegel
William-Shakespeare.de
Auszug aus dem Manuskript
Die genauen Lebensdaten von William Shakespeare sind ungewiss, vermutlich wurde er am 23. April 1564 in Stratford-upon-Avon, einer Kleinstadt in der Grafschaft Warwickshire geboren, getauft wurde er dort am 26. April. Von 1586 an finden wir Shakespeare in London als Schauspieler in der Truppe von James Burbage, dann als Stückeschreiber.1590 wurde dort sein erstes Drama Titus Andronicus uraufgeführt. Er schrieb achtunddreißig Stücke - Dramen, Historien, Komödien - die meisten für seine eigene Truppe, mit der er 1599 ein Theater eröffnete, das Globe. Seinen Biografen hat er es nur in einem Punkt leicht gemacht, sie müssen sich nur seinen Geburtstag merken, den 23. April - an diesem Tag starb Shakespeare 1616 in Stratford, am 25. April wurde er dort begraben.
Deutsche Shakespeare-Gesellschaft
Wikipedia: William Shakespeare
Ist Shakespeare unser Zeitgenosse? Absurde Frage. Ein Mensch, der vor fast vierhundert Jahren starb, kann gar nicht unser Zeitgenosse sein. Aber Shakespeare ist seit Jahren, und nicht nur in Deutschland, unangefochten der beliebteste Dichter auf der Bühne. Er ist in unserer Gegenwart präsent und spricht zu uns, brennend, komisch, realistisch, schmerzlich, so dass Heiner Müller annehmen mochte, dass auch heute noch eigentlich er es ist, der unsere Stücke schreibt. Was fasst uns da an? Die Stoffe, die Fabeln, die Figuren, die Sprache, die Widersprüchlichkeit, der Humor, die Trauer, das Deftige, das Gemeine, das Sprühende, das Hohe, das Niedrige? Wahre Kunst, sagt Susan Sontag, vermag uns unruhig zu machen.
Diejenigen, die bereit sind, ihren Geist und ihr Herz zu öffnen, werden sehr unruhig gemacht von unserem Dichter, einem Reiseführer mit unfehlbarem Gespür. Er nimmt uns bei der Hand und führt uns durch einen sehr dunklen Wald ans Licht. Seine Wahrheit ist '"schrecklich" und klärt daher auf. Wie alle wahren Künstler, nur noch radikaler sagt er uns nicht so, sondern auch so. Seine Wahrheit ist das Aufdecken der Lüge. In der Liebe und in der Macht hält er unserem lügenhaften Schein den Spiegel vor und zerschmettert ihn, bis durch den Scherbenhaufen die Wirklichkeit schimmert. George Tabori - über Shakespeare
Peter Brook bei Wikipedia
"Kein Regisseur hat das moderne Theater in Westeuropa stärker beeinflusst als Peter Brook, die Spuren seiner Theaterarbeit lassen sich mühelos in die Gegenwart verfolgen. Beharrlich hat er sich dem Theaterbetrieb mit seiner eingefahrenen Rhetorik widersetzt und statt dessen die Unberechenbarkeit des Theaterereignisses betont. 'Die Wahrheit im Theater ist immer auf Wanderschaft', schrieb der Regisseur vor 20 Jahren in 'Der leere Raum' - noch immer ein Klassiker der Theaterliteratur."
Rolf Suhl, Szene
"Kaum ein anderes Buch hat für das Theater ähnliche Bedeutung erlangt; oft wird es als eine der Schriften zum Theater überhaupt bezeichnet."
Uwe Richterich, Diskurs
Peter Brook
Der leere Raum
2004 Alexander Verlag
Peter Brook
Vergessen Sie Shakespeare
Deutsche Erstveröffentlichung
Aus dem Englischen von Petra Schreyer und Hans-Henning Mey
2003 Alexander Verlag
"Selten war auf so wenig Seiten mehr über Shakespeare zu erfahren."
Tages-Anzeiger
"Statt Vergessen Sie Shakespeare könnte der Band besser Das Geheimnis Shakespeare heißen, das immer wieder neu wachzurufen die Aufgabe des Theaters ist. Das ist die Botschaft, die Brook in seinem offenbar ohne Manuskript gehaltenen Vortrag vermitteln kann."
Wilfried Passow, my, März 1998
Klaus Reichert, Professor für Anglistik und Amerikanistik - Von 1975 bis 2003 lehrte er als Professor für Anglistik an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main. 1993 gründete er das Zentrum zur Erforschung der Frühen Neuzeit an der Goethe-Universität und war bis 2006 dessen geschäftsführender Direktor. Von 2002 bis 2011 amtierte er als Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Klaus Reichert ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Er ist Herausgeber der Werke von James Joyce, Virginia Woolf und H.C. Artmann und Übersetzer von Shakespeares Sonetten, Lewis Carrol, James Joyce, und des Hohenliedes des Salomos.

Die Sonette. The Sonnets.
William Shakespeare
Deutsch-Englisch.
Deutsch von Klaus Reichert
2005 Jung und Jung
Die Liebe - sie umgarnt, verführt, stürzt ins Verderben, sie lockt, lässt die Welt aufleuchten in einem jähen Schein, dann dreht sich die Kugel, und wir fallen ins Dunkel zurück. Seit es Literatur gibt, wird die Liebe in allen ihren Facetten besungen, den sehnsüchtigen und glutvollen, den zarten und rasenden, doch kaum je so grandios, wie Shakespeare es in seinen Sonetten getan hat. In immer neuen Bildern bannt er das Flüchtige: Schönheit, Glück, Erfüllung, hebt es so auf in der Dichtung, für die Ewigkeit. Auf jedes Wort kommt es dabei an, denn aus den einzelnen Leitwörtern entfaltet sich das Sonett, sein Gedanke. Klaus Reichert, der beste deutsche Shakespeare-Kenner, wagt es in dieser zweisprachigen Ausgabe als erster Übersetzer, auf den Endreim zu verzichten, um so feine und feinste Sinnnuancen zu retten. Ein Ich spricht zum Du: in dieser stark rhythmisierten, leuchtend frischen Prosafassung vernehmen wir eine Stimme aus einer früheren Zeit - und zugleich eine mitten aus unserer Welt.
Der fremde Shakespeare.
von Reichert, Klaus;
Kartoniert
Edition Akzente 347 S. 20 cm 400g
1998 Hanser
Auszug aus dem Manuskript:
Aldous Huxley schrieb 1932 einen Roman, der in der Zukunft unserer Welt angesiedelt ist, der Titel ist Shakespeares Sturm entnommen: 'Brave New World'. Er gab diese Worte einem jungen Wilden, einem Nachfahren der Figur Caliban aus dem Sturm, der abseits der gültigen Zivilisation aufwächst - einer Kultur, die die Schönheit und Glücksgefühle ihrer Menschen programmiert, ihre Bedürfnisse und Befriedigungen normiert, sie gefahrlos Liebe und Drogen konsumieren lässt, deren Ordnung auf der menschlichen Bequemlichkeit beruht - Shakespeares Werke sind die einzige Lektüre des junge 'Wilden' und er ist der einzige unter den Menschen, der noch die Fähigkeit hat, einen Mangel zu verspüren. Shakespeares Sprache ist für ihn Realität. Das rettet ihn.
"Das Thema der Kunst ist, dass die Welt aus den Fugen ist. Wir können nicht sagen, dass es keine Kunst gäbe, wenn die Welt nicht aus den Fugen wäre, noch dass es dann eine Kunst gäbe. Wir kennen keine Welt, die nicht aus den Fugen war. Die Welt der Antike, was immer die Universitäten von Harmonie murmeln mögen, war erfüllt mit Kampf und Schrecken und so die des Shakespeare. Wie friedlich immer der Bericht erscheint, er handelt von Kriegen, und wenn die Kunst ihren Frieden mit der Welt macht, so machte sie ihn mit einer kriegerischen Welt."
Bertolt Brecht, Shakespeare-Kommentar
Harold Blooms Werk über Shakespeare ist das Buch all seiner Bücher, der Höhepunkt in allen seinen Durchbrechungen literaturwissenschaftlicher Tabus, eine ›Hyperbel des Lesens.
FAZ
Shakespeare hat für uns das Menschliche erfunden. Das ist Blooms Hauptthese. Er durchwandert chronologisch Shakespeares Dramen, indem er Motive, Persönlichkeitsstruktur und -tiefe der einzelnen Figuren beleuchtet, und lässt sich dabei von seinen persönlichen Vorlieben für Gestalten wie Hamlet, Falstaff, Jago, Kleopatra, Lear und Rosalind leiten. Dies ist die lebendigste, scharfsinnigste und persönlichste Deutung von Shakespeares Werken, die je ein Philologe zu Papier gebracht hat. Harold Blooms "Buch der Bücher". Hinreißende Deutungen von Shakespeares Dramen in zwei Bänden.
Harold Bloom
Shakespeare, 2 Bände
Die Erfindung des Menschlichen, Aus d. Amerikan. v. Peter Knecht.
Komödien und Historien
BVT Bd.76092 Originaltitel: Shakespeare, The Invention of the Human
2002 BVT Berliner Taschenbuch Verlag
Tragödien und späte Romanzen
BVT Bd.76093 Originaltitel: Shakespeare, The Invention of the Human
2002 BVT Berliner Taschenbuch Verlag
Wolf Biermann
Das ist die feinste Liebeskunst
40 Shakespeare-Sonette. Nach William Shakespeare
2004 Kiepenheuer & Witsch
Wolf Biermann trifft William Shakespeare - diese neuen Nachdichtungen der Sonette des englischen Dramatikers zeugen von der großen poetischen Kraft auch der deutschen Sprache.
Frei und treu zugleich arbeitete Wolf Biermann, wie Luther sagen würde, als "Dolmetzsch". Authentisch und dennoch autark transportierte Biermann 40 besonders starke Sonette des vielleicht genialsten Dichters der Menschheit in die Sprache unserer Zeit. Ja, wunderbar gelungen sind diese Stücke, sie zeigen, wie geschmeidig und trefflich unser - im Vergleich zum Englischen - behäbigeres Deutsch sein kann.
Die 40 Übersetzungen werden jeweils neben dem Original präsentiert, ergänzt durch aufschlussreiche Arbeitsnotate. Darüber hinaus enthält das Buch die Noten für das von Biermann vertonte 66. Sonett.
William Shakespeare
Shakespeare's Geschichten
2 Audio-CDs.
Komödien & Romanzen
Nacherz. v. Walter E. Richartz u. Urs Widmer Beil.:
2004 Kein & Aber
Prinz Hamlet
Friedrich K.Waechter,
Gebunden
2005 Diogenes
Wenn Sie schon ewig mal wieder ins Theater wollten und nie Zeit dazu hatten: Shakespeares ›Hamlet‹ von F.K. Waechter mit Kasper und Bär neu erzählt!
William Shakespeare
Hamlet
Prinz von Dänemark
Manesse Verlag 2005
Ein Jahr nach dem Tod von Theodor Fontane (1819−1898) kam es zu der überraschenden Entdeckung: Im Nachlaß des Dichters wurde eine Übersetzung von Shakespeares "Hamlet" gefunden. Durch ihre rhythmisch-bewegte Prosa und die meisterhafte Übertragung der lyrischen Passagen kann sich die 1844 entstandene Arbeit des jungen Autors mit der klassischen Schlegel-Übersetzung messen. Sie markiert den Beginn der eindringlichen, fruchtbaren Beschäftigung Fontanes mit dem Leben und Werk Shakespeares.
Aus dem Englischen übersetzt von Theodor Fontane - Mit einem Nachwort von Joachim Krüger
"Es ist über Shakespeare schon so viel gesagt, dass es scheinen möchte, als wäre nichts mehr zu sagen übrig; und doch ist dies die Eigenschaft des Geistes, dass er den Geist ewig anregt." (Goethe, 1813)
Now my charms are all o'verthrown,
And what strength I have's mine own.
Which is most faint: now 'tis true
I must be here confin'd by you,
Or sent to Napels; let me not,
Since I have my Dukedom got,
And pardon'd the deciever, dwell
In this bare Island, by your spell,
But release me from my bands
With the help of your good hands:
Gentle breath of yours, my sails
Must fill, or else my project fails,
Which was to please: now I want
Spirits to enforce, Art to enchant:
And my ending is despair,
Unless I be reliev'd by prayer
Which pierces so, that it assaults
Mercy itself, and frees all faults.
As you from crimes would pardon'd be,
Let your indulgence set me free.