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StartseiteHintergrundBrennpunkt Vorstadt04.11.2005

Brennpunkt Vorstadt

Die Jugendunruhen in Frankreich

Im französischen Fernsehen listet der Moderator die Bilanz einer Krawall-Nacht auf:

Von Christoph Heinemann

Zerstörtes Auto nach den Krawallen in Paris. (AP)
Zerstörtes Auto nach den Krawallen in Paris. (AP)
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" Brennende Autos und Gebäude. Eine Polizeiwache wurde verwüstet und Journalisten angegriffen. Molotow-Cocktails flogen in eine Schule. Auf die Sicherheitskräfte wurde mit mindestens vier scharfen Schüssen gefeuert. Glücklicherweise wurde niemand getroffen. Insgesamt 177 Autos sind ausgebrannt. "

Abend für Abend liefern sich Jugendliche vor allem in den östlichen Vorstädten von Paris Straßenschlachten mit der Polizei. Einwohner der Gemeinde Aulnais-sous-Bois sind erschüttert:

"Das war erschreckend. Wir haben in der Nacht nicht geschlafen", sagt eine Frau.

Eine andere ergänzt:

" Wir hatten Angst. Ich habe zu meinem Mann gesagt: 'Da unten brennt ein Auto. Wenn sie jetzt einen Brandsatz in unser Haus werfen, dann kommen wir nicht mehr raus. Wir wohnen im 7. Stockwerk. "

Der Besitzer eines griechischen Restaurants steht inmitten der verwüsteten Inneneinrichtung:

" Sie sind mit einem Auto hier reingefahren. Tische und Stühle sind verbrannt. "

"Ich habe es satt. Mich ekelt es an, hier zu leben", ruft eine ältere Dame aus.

Inzwischen werden auch aus anderen Landesteilen Krawalle gemeldet. Ausgelöst wurden die Unruhen durch den Tod zweier Jugendlicher in der vergangenen Woche. Die 15 und 17 Jahre alten Jungen waren in der Gemeinde Clichy sous Bois - offenbar weil sie sich vor der Polizei verstecken wollten - in eine Transformatorenanlage geklettert und kamen dort durch Stromschläge ums Leben. Die Polizei hingegen beteuert, die Jugendlichen seien nicht verfolgt worden. Ein Beamter habe allerdings seine Kollegen per Funkgerät darüber informiert, dass sich die beiden in dem Trafo-Häuschen versteckt hätten. François Molins, der zuständige Staatsanwalt kündigte inzwischen Ermittlungen "gegen Unbekannt" wegen unterlassener Hilfeleistung an.

Während die Justiz schnell reagierte - mehrere Beteiligte an den Ausschreitungen wurden inzwischen verurteilt - bekommen die Sicherheitskräfte schon seit Tagen die Lage nicht unter Kontrolle, auch wenn Jean-Claude Delage, von der Polizeigewerkschaft Alliance versichert:

" Wir sind noch nicht an den Punkt gekommen, an dem wir die Armee zur Hilfe rufen müssten. Dies ist kein Aufstand. Es handelt sich um eine städtische Guerilla; die Polizei hat alles vollständig im Griff. "

Die Sicherheitskräfte berichteten, sie seien von kleinen Gruppen gezielt provoziert worden. Jugendliche hätten vor den Augen der Beamten die Scheiben parkender Autos eingeworfen und die Fahrzeuge angezündet. Ratlosigkeit herrscht in der Politik. Staatspräsident Jacques Chirac rief alle Bürger zur Besonnenheit auf. Premierminister Dominique de Villepin hastet von einer Krisensitzung zur nächsten. Und er wiederholt täglich: Die Rückkehr zur Ruhe und die Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung seien absolut vorrangig.

De Villepin würdigt das Verhalten der Sicherheitskräfte und spart auch nicht mit Lob für Nicolas Sarkozy:

" Ich möchte auch dem Innenminister für seine Anstrengungen und die seines Ministeriums danken. Ich weiß, dass ich auf ihn zählen kann. "

Dabei trägt Nicolas Sarkozy nicht gerade zur Entspannung der Lage bei. Sarkozy bezeichnete gewaltbereite Jugendliche kürzlich als "racaille", als "Gesindel", als "Pack" und sagte in der Nationalversammlung:

" Ich bin davon überzeugt, dass einiges nicht passiert wäre, wenn viele Gauner nicht damit gerechnet hätten, dass man straflos das Auto seines Nachbarn anzünden darf. "

Während Premierminister de Villepin seine Bereitschaft zum Dialog unterstreicht, glaubt Sarkozy, dass die gegenwärtigen Auseinandersetzungen nur mit Härte bekämpft werden können. Die schärfste Kritik an den Äußerungen des Innenministers formulierte sein Amtskollege Azouz Begag. Der 48 Jahre alte beigeordnete Minister für die Chancengleichheit bezeichnete Sarkozys Sprache als kriegerisch und ungenau. Dass der von algerischen Eltern abstammende Begag, der in Rangfolge der Kabinettsliste Platz 19 belegt, das politische Schwergewicht Nicolas Sarkozy in die Schranken wies, deutet darauf hin, dass dies mit der Rückendeckung von Dominique de Villepin geschehen ist. Beide, sowohl Villepin als auch Sarkozy wollen in zwei Jahren als Spitzenkandidaten der Regierungspartei UMP in die Präsidentschaftwahl ziehen.

Dass der Premierminister und der Innenminister die Krise zur persönlichen Profilierung nutzten, verstärke bei ihm den Eindruck, die Regierung sei mit der gegenwärtigen Krise überfordert, meint Jean-Marc Ayrault, der Fraktionschef der oppositionellen Sozialisten:

" Die Regierung hat die Stellen für Sozialarbeiter gekürzt und aus ideologischen Gründen gesagt, sie werde dafür kein Geld mehr zur Verfügung stellen, weil das Wirtschaftswachstum alle Probleme lösen werde. Was haben wir heute? Kein Wachstum, die Instrumente für die soziale Integration wurden zerstört, und wir stehen vor großen Schwierigkeiten. "

Was Ayrault nicht sagte: Auch den linken Regierungen gelang es nicht, die Spannungen in den Problemzonen zu verringern. Im Präsidentschaftswahlkampf 2002 gab dies der damalige Premierminister Lionel Jospin, der Spitzenkandidat der Sozialisten für das höchste Staatsamt, sogar zu.

Vielleicht sei er etwas zu naiv gewesen, als er glaubte, die Kriminalität gehe zurück, wenn die Arbeitslosigkeit abnehme, erklärte Jospin in einem Interview.

Dieses Eingeständnis beschreibt die Versäumnisse der Politik der vergangenen 25 Jahre. Rund 750 Problemviertel sind in dieser Zeit in Frankreich entstanden. Feuerwehr und Notärzte trauen sich nur mit Polizeischutz in diese sogenannten Cités, die Wohnsilos in den Vorstädten der Ballungszentren. Dazu zählt die Siedlung "Balsac" in Vitry-sur-Seine, im Süden von Paris: viele Einwanderer aus Nord- oder Schwarzafrika leben hier. Kriminalität ist allgegenwärtig, erklärt die Sozialarbeiterin Malika Zediri:

" Hier wird mit Drogen gehandelt. Es gibt hier keine kleinen Läden mehr. Die haben alle geschlossen. Hier wird nur noch Billigware verkauft. Man hat sich an die Bevölkerung angepasst. Wir sind hier in einem Viertel, in dem die Arbeitslosigkeit seit zwei Jahrzehnten etwa 20 Prozentpunkte über dem nationalen Durchschnitt liegt. "

Graue Hochhäuser, mit einfachsten Mitteln in den 70er Jahren errichtet, eines hässlicher als das andere. Kaum Grünflächen. Eine Schule, die eingezäunt ist, als handele es sich um ein Gefängnis. Malika ist hier aufgewachsen:

" Anfangs war die Bevölkerung noch gemischt. Es gab zum Beispiel Lehrer, die in der Cité wohnten. Die Mittelschicht war hier vertreten, Familien mit zwei Einkommen, die ganz gut zurechtkamen. Überwiegend lebten hier kinderreiche französische und nordafrikanische Familien mit einem Einkommen. Als die Arbeitslosigkeit zu steigen begann - in Vitry gab es viel Stahlindustrie - sammelten sich die Arbeitslosen in der Cité. Die Fabriken machten dicht, die Ungelernten oder schlecht Ausgebildeten blieben arbeitslos. "

Von da an brach alles zusammen, meint die Sozialarbeiterin. Armut, das Zusammenleben auf engstem Raum, Drogen, ständige Überfälle auf Passanten - die Cité Balsac wurde zum Ghetto vor allem für die zweite und dritte Generation der Einwandererfamilien:

" Wenn man jung ist und Arbeit sucht und ein, zwei oder zehnmal die Erfahrung macht, dass man sofort abgewiesen wird , schon wenn man nur seine Adresse oder einen ausländisch klingenden Namen nennt, dann sucht man irgendwann nicht mehr. Aber irgendwie muss man leben: Wenn es keine Arbeit gibt, entstehen Parallelstrukturen: die lokale Mafia. Auch eine verstärkte Polizeipräsenz ändert daran nichts. "

In vielen Cités habe der Staat nichts mehr zu melden, meint Julien Dray, der sozialistische Parlaments-Abgeordneter des Departements Essonne südlich von Paris. Andere hätten dort längst die Ordnungsfunktionen übernommen.

" Bei dem gegenwärtigen Konflikt geht es auch um die Aufteilung des Territoriums. Da kommen etwa Islamisten zu einem Bürgermeister, die sagen: 'Lass uns das regeln, dann herrscht Ruhe'. Oder Leute vom organisierten Verbrechen schlagen vor: 'Stört unsere Geschäfte nicht, dann wird es hier auch nicht mehr brennen'. Darum geht es gegenwärtig. Wenn man nicht schleunigst erstklassige Fachkräfte in die Problemviertel schickt, weiß ich, was passieren wird: Die Bürgermeister werden kapitulieren. "

Die Opposition wirft der Regierung vor allem vor, die Mittel für die "police de proximité", die bürgernahen Kontaktbeamten gestrichen zu haben. Diese Polizeiarbeit sei unersetzlich, meint Julien Dray:

" In meinem Wahlkreis hatten wir einen Polizisten, der eine hervorragende Arbeit geleistet hat. Er hat für Ruhe gesorgt, weil er alle Leute kannte. Sobald es ein Problem gab, kam er, sprach alle mit ihrem Namen an und sagte: Was ist los mit Euch?
Leider ist er vor einigen Wochen in die Generaldirektion der Polizei versetzt worden. Er hat mir gesagt, dies sei besser für seine Karriere, als in der Vorstadt zu bleiben. Ich hätte es lieber gesehen, man hätte ihm eine gewaltige Zulage zu seinem Gehalt gezahlt, und er wäre dafür in der Stadt geblieben. "

Dies sei typisch für die Banlieues, die Vororte der großen Städte, meint der Sozialexperte Yazid Kherfi:

" In den Vorstädten werden vor allem die weniger Guten eingesetzt. Die Besten gehen in die wohlhabenden Stadtviertel. Dies gilt sowohl für Lehrer als auch für Polizisten. "

Die Schulen der Cités spiegeln die Trostlosigkeit der Wohnghettos. Nur wenige Jugendliche schaffen das Abitur. Und auch diejenigen, die Abschluss-Zeugnisse vorweisen können, scheitern häufig bei der Bewerbung für einen Arbeitsplatz. Zair Kedadouche, Mitglied des von der Regierung eingesetzten "Rates für Integration", drückt es so aus:

" Auf dem Papier sind alle Diplome gleich. Aber wenn man Mohammed heißt, findet man keine Arbeit. "

Das Schlimmste sei die Hoffnungslosigkeit, meint auch die Sozialarbeiterin Malika Zediri:

" Meine Eltern lebten noch in der Überzeugung, dass es ihren Kindern einmal besser gehen würde. Das gleiche hoffe ich für meine Kinder, nur dass man sich dessen inzwischen nicht mehr sicher sein kann. Es ist heute schwieriger, aus einem Ghetto herauszukommen, als vor 20 Jahren. "

Schwieriger, aber nicht unmöglich, meint Eric Raoult von der Regierungspartei UMP. Der Parlaments-Abgeordnete des Pariser Vorstadt-Departements Seine-Saint-Denis führt Beispiele an:

" Die Schauspielerin Isabelle Adjani hat es geschafft. Und Azouz Begag, der selbst aus einer Cité kommt, wird in der nächsten Zeit in alle möglichen Problemviertel gehen und den Jugendlichen sagen: "Ich bin Minister geworden. Das ist möglich. "

Für Raoult setzt Integration vor allem voraus, dass man die Regeln des Zusammenlebens beachtet. Und dazu sei ein harter Kern in den Vorstädten nicht bereit. Der Parlamentsabgeordnete hat das gerade am eigenen Leib zu spüren bekommen:

" Heute morgen haben wir vor einer Schule mit Jugendlichen gesprochen, die wir kennen. Plötzlich sind da vier Typen aufgetaucht. Einer hat mir ins Gesicht gespuckt und zu mir gesagt: 'Verschwinde, Dicker'. - Diese Typen sorgen dafür, dass wir unsere Bürgerbüros schließen müssen und nicht in die Vereine kommen können. "

Auch die Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass die
gegenwärtigen Unruhen wohl organisiert sind, dass nicht nur verzweifelte oder solche Jugendliche, denen der spontane Krawall Spaß bereitet, Polizisten und Gebäude mit Steinen und Brandsätzen bewerfen. - Für Philippe de Villiers, den Vorsitzenden der rechtskonservativen Partei MPF, steht fest:

" Dies ist die Folge einer falschen Politik. Wenn man seit 30 oder mehr Jahren entwurzelte Familien nach Frankreich hereinlässt und ihnen die Hoffnung auf Wohnung, Nahrung und Arbeit gibt, dann ist das nicht großzügig, sondern kriminell. Man spricht überhaupt nicht über die eigentliche Ursache der Spannungen: Das ist das Scheitern einer Politik der massenhaften und unkontrollierten Einwanderung. "

Haddar Berebouh kam in den 50iger Jahren nach Frankreich. Heute lebt die 63 Jahre alte Algerierin in der Cité Les Flamands im Norden von Marseille. Die Siedlung besteht aus 24 Betonklötzen, die in den 70er Jahren hochgezogen wurden, als die Stadt Wohnraum für die Einwanderer aus Nordafrika benötigte. Seither haben die Gebäude weder außen noch innen frische Farbe gesehen.

Der Aufzug funktioniert wieder einmal nicht. Haddah Berrebouh drückt auf alle Knöpfe. Erst nachdem sie mehrfach die Tür geöffnet und geschlossen hat, setzt sich der Fahrstuhl in Bewegung. Frau Berrebouh wohnt im dritten Stock des Hochhauses Nummer 6 in einer mit einfachsten Mitteln eingerichteten Wohnung. "Wir wurden in Frankreich sehr gut aufgenommen", erzählt sie:

" Damals gab es noch kaum Einwanderer aus dem Maghreb. Das war anders als heute. In der Schule kamen viele angelaufen und fragten, 'wo sind die kleinen Nordafrikaner'? "

Haddah Berrebou heiratete in Marseille und arbeitete zunächst als Sekretärin. Dann kamen die Kinder. Stolz nennt sie die Namen ihrer zehn Töchter und Söhne.

Sie habe Wert darauf gelegt, dass die Kinder arabische Namen tragen, sagt Frau Berrebouh.

" Ich bin Araberin und Muslimin. Ich lebe jetzt seit über 50 Jahren in Frankreich und bin sehr gut integriert. Meine Kinder auch, zu Hause wird französisch gesprochen. Aber ich behalte meine Kultur. Ich befolge den Rhamadan. Ich feiere die Geburt des Propheten und die anderen islamischen Feiertage. Für die Enkelkinder gibt es allerdings auch einen Weihnachtsbaum und kleine Geschenke, wir leben schließlich in Frankreich. Aber zu Hause wird bei uns kein Schweinefleisch gegessen und wir trinken auch keinen Alkohol. "

Frau Berrebouh ruft ihren jüngsten Sohn, der in der Küche zu Mittag isst.

Auch der 16 Jahre alte Mehdi, der in Marseille geboren wurde und dort die Schule besucht, bekennt sich zur Heimat seiner Mutter und des Vaters, der die Familie vor wenigen Jahren verlassen hat: "Ich habe zwar die französische Staatsbürgerschaft, aber ich bin Algerier".

" Wenn Frankreich gegen Algerien Fußball spielt, wird es schwierig, meint Mehdi. Dann zählt eigentlich nur das Spiel. Wir lieben doch beide Länder. "

Beruflich möchte Mehdi eines Tages in die Fußstapfen seiner Mutter treten: "Erzieher möchte ich werden", sagt er. "Mich um Kinder kümmern".

Neben der Erziehung ihrer zehn Kinder arbeitete Frau Berrebouh jahrelang in der kleinen Sozialstation der Cité. Die Vermittlung in Konflikten zwischen Eltern, Kindern und Lehrern gehörte damals zum alltäglichen Geschäft:

" Kinder geraten auf die schiefe Bahn, die Eltern sind überfordert oder kümmern sich nicht um ihren Nachwuchs. - Meine Kinder und ich, wir haben immer miteinander geredet. Ich habe viele Familien besucht. Oft findet dort überhaupt kein Dialog mehr statt. Selbst in den ärmsten Familien gibt es heute einen Fernseher, der sogar während des Essens läuft. Bei uns wird das Gerät mittags und abends ausgeschaltet. Wir setzen uns zum Essen zusammen und reden miteinander. "

Mittwochnachmittags treffen sich Frauen und Mädchen in der Cité zum Tee:

" Wir reden über alles: Drogen, Verhütungsmittel, und wer möchte, kann Unterricht nehmen im traditionellen Berber-Tanz. "

Am Donnerstag findet der Französisch-Kurs statt.

"Heute geht es um Singular und Plural", erklärt eine Sozialarbeiterin den beiden jungen Frauen, die vor kurzem aus Algerien nach Marseille gekommen sind. - Es gibt Verständnis- und Verständigungsschwierigkeiten. Haddah Berrebou greift ein:

" Ein Kopftuch ist singular, ab zwei Kopftüchern gilt der Plural. "

" Wenn man Araber ist und in den nördlichen Stadtvierteln wohnt, wird man sofort in eine Schublade eingeordnet. Man wird nach der Hautfarbe und dem Namen beurteilt, nicht nach den Fähigkeiten einer Person. Das ärgert mich. Meine Kinder haben diese Erfahrung gemacht. Der Name Berrebouh klingt nicht sehr arabisch und am Telefon hört man auch keinen Akzent. Aber sobald sie zu einem Vorstellungsgespräch erscheinen, sieht man, dass sie Maghrebiner sind. Es heißt dann, 'wir rufen zurück', und keiner meldet sich. Wir müssen kämpfen, jeden Tag von neuem. Man hat uns hier geparkt und gesagt, seht zu, wie ihr zurecht kommt. "

Das Jahr 1998 liegt lange zurück. Nachdem die französische Fußball-Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft gewonnen hatte, feierte Staatpräsident Jacques Chirac die Elf von Zidane, Wiltor und Bartez als multikulturelles Vorbild.

" Frankreich ist das Land, das am deutlichsten die Notwendigkeit der Integration gespürt hat. Diese Mannschaft, die national und vielfarbig ist, gibt ein gutes Bild von Frankreich, seinem Humanismus, seiner Stärke und seiner Geschlossenheit. "

Heute sehen die Bürger Tag für die Tag die Bilder brennender Autos. Die Regierung hat ein Programm für die Problemviertel angekündigt. Und was wird aus den Vorstädten, wenn die Kameras abgebaut sind? Julien Dray von der Sozialistischen Partei meint:

" Gute Absichten und Ideen gibt es seit 10 Jahren. Die Frage ist, ob wir die finanziellen Mittel bereitstellen, um sie zu verwirklichen. "

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