Sonntag, 22. Mai 2022

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Bundesgartenschau 2019
"Eine Million Blumenzwiebeln sind noch keine Utopie"

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte schafft die Bundesgartenschau nicht nur bunt blühende Landschaften und Gärten, sondern auch Wohnraum. Beim neuen, grünen Stadtquartier in Heilbronn habe man sich aber zu wenig getraut, sagte die Architekturkritikerin Laura Weißmüller im Dlf.

Laura Weißmüller im Gespräch mit Mascha Drost | 17.04.2019

Besucher gehen während der Eröffnung der Bundesgartenschau (Buga) Heilbronn 2019 über das Gelände. Die Buga findet vom 17. April bis zum 06. Oktober statt
Eröffnung der Bundesgartenschau am 17.4.2019 (dpa / Sebastian Gollnow)
Die Bundesgartenschau wurde in diesem Jahr als eine Art Motor verwendet um ein ehemaliges, 40 Hektar großes Industrieareal in ein neues Stadtquartier zu verwandeln, mit Grünflächen und Parks, Spielplätzen und künstlichen Seen, aber auch mit Wohnhäusern, in denen bereits einige hundert Menschen wohnen. Am Ende sollen 3500 Menschen hier wohnen und arbeiten. "Die BuGa hat sich eigentlich die zentrale Aufgabe unserer Zeit genommen, die da lautet: Wie schaffen wir neue Stadtquartiere, die dichter sind, gleichzeitig aber auch grüner", sagt Architekturkritikterin Laura Weißmüller im Dlf.
"Ein gewaltiger, floraler Budenzauber"
Einereseits sei die Bundesgartenschau "ein gewaltiger, floraler Budenzauber" mit Fressbuden und einer Leistungsschau der Garten- und Landschaftsbauer, sagt Laura Weißmüller. Gleichzeitig könne man aber auch die gemeinsame Kraft des Gärtners in Privatgärten erleben. In der Landschaftsgestaltung zeige die BUGA, "wie es gehen kann mit der Natur in der Stadt". Beispielsweise gebe es einen Lärmschutzwall, der Aussichtspunkt und ein Platz für Picknicks ist, aber auch ein Paradies für Eidechsen. Bei den Häusern vermisse sie aber diese Radikalität, erklärt Laura Weißmüller: "Dieses Quartier liegt in direkter Nähe zum Bahnhof und trotzdem hat man es nicht gewagt, das Auto aus diesem neuen, grünen Quartier rauszuschmeißen."
Mehr Utopie gefragt
Bundesgartenschauen seien Leistungsschauen, wo die besten Garten- und Landschaftsbauer mit Medaillen ausgezeichnet werden - das wirke schräg in Zeiten von Klimawandel, Freitagsdemonstrationen und Artenschwund, so Laura Weißmüller. Das Format der BUGA, die schon ist über 65 Jahre alt ist, habe sich nicht überlebt. Man müsse es aber an die heutige Zeit anpassen und sich mehr Experimente erlauben: "Mit einer Million Blumenzwiebeln sieht die Landschaft zwar hübscher aus, aber eine Utopie lässt sich damit nicht ziehen."
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.