20 Jahre Haft
Bundesregierung verurteilt hohe Strafe gegen Hongkonger Aktivisten Lai

Die jahrzehntelange Haft für den Hongkonger Demokratieaktivisten Jimmy Lai wird von der Bundesregierung mit Sorge betrachtet. Das Thema werde Bundeskanzler Merz auf einer demnächst bevorstehenden China-Reise begleiten, sagte Regierungssprecher Kornelius in Berlin.

    Jimmy Lai steht vor einer dunklen Wand und schaut ins Licht
    Jimmy Lai im Jahr 2015 (laif / Redux / Brent Lewin)
    Das Auswärtige Amt verwies auf Mahnungen der Bundesregierung, die sie bereits im Dezember an die Hongkonger Behörden gerichtet habe. Diese seien weiterhin aufgefordert, die Rechte und Freiheit zu achten, hieß es.
    Der Verleger und Regierungskritiker Lai gilt als Symbol der Demokratiebewegung in der chinesischen Sonderverwaltungszone. Er war im Dezember wegen Verschwörung mit ausländischen Kräften und wegen der Veröffentlichung aufrührerischer Artikel schuldig gesprochen und heute zu 20 Jahren Haft verurteilt worden.

    Hintergrund

    Jimmy Lai, der 1947 in China geboren wurde, floh als 12-Jähriger als blinder Passagier auf einem Boot in die damalige britische Kolonie Hongkong. Dort arbeitete er sich in einer Kleidungsfabrik hoch und gründete später ein eigenes Textilunternehmen, das ihn zum Millionär machte. 1995, zwei Jahre vor der Übergabe Hongkongs an China rief Jimmy Lai die Tageszeitung "Apple Daily" ins Leben.
    Die Boulevardzeitung erreichte ein großes Publikum und entwickelte sich zu einem der wichtigsten regierungskritischen Medien in Hongkong. Sie rief zu Protesten auf und druckte teils ganzseitige Plakate, die Leser zu Demonstrationen mitnehmen sollten. Die Zeitung sah sich deswegen zunehmend Druck durch die Behörden ausgesetzt. Redaktionsräume wurden durchsucht, 2021 wurde "Apple Daily" zwangsweise eingestellt.

    Ermittlungen wegen Verschwörung

    Chinas staatliche Medien beschuldigten Lai, die angeblich "gewaltsamen Massenproteste" in Hongkong 2020 angezettelt zu haben und bezeichneten ihn als Verräter. Auf Basis des neuen nationalen Sicherheitsgesetzes in Hongkong wurden schließlich Ermittlungen gegen ihn wegen "Verschwörung zur Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften" sowie wegen "Veröffentlichung aufrührerischer Publikationen" eingeleitet.
    Lai, der auch einen britischen Pass besitzt, verließ das Land nicht und wurde dadurch endgültig zu einem Gesicht der Demokratiebewegung. In seinem letzten Interview in Freiheit sagte er der BBC 2020, alles, was er sei, habe er Hongkong zu verdanken. Er sei ein Rebell und habe stets für das gekämpft, was seiner Meinung nach die Werte Hongkongs ausmachten.

    Familie besorgt über Gesundheitszustand

    Der heute 78-jährige Lai ist Diabetiker und wird in Einzelhaft gehalten. Nach Angaben seiner Familie verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zuletzt rapide. Die Verteidigung bemühte sich deshalb vergeblich um eine Strafmilderung. Lais Sohn sowie Menschenrechtsorganisationen erklärten, dass das Urteil gegen ihn, 20 Jahre Haft - gleichbedeutend mit der "Todesstrafe" sei.

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    Diese Nachricht wurde am 09.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.