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Bundesstraße statt Autobahn

Der Streit um den Bau der Nordverlängerung der A14 zwischen Magdeburg und Schwerin währt schon lange. Nun wollen die Grünen einen Antrag im Bundestag einbringen, der von dem Autobahnbau absieht und stattdessen den Ausbau der Bundesstraße favorisiert.

Von Susanne Arlt | 18.01.2011

60 aufgebrachte Bürger hatten sich auf dem Stendaler Bahnhofsplatz postiert. Ihre Begrüßung fiel nicht gerade freundlich aus. Auf großen Plakaten war zu lesen: Die A14 in ihrem Bau halten weder der BUND noch die Grünen auf. Die neuesten Pläne der Grünen-Bundestagsfraktion stießen hier kaum auf Gegenliebe.

"Was sie hier tun ist purer Wahlkampf, sie wollen in den Landtag von Sachsen-Anhalt und wollen einen Teil der Bevölkerung mobilisieren, viel Spaß, aber auf der anderen Seite und machen sie auch noch wild. Klatschen."

Christoph Erdmenger, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Sachsen-Anhalt, suchte dennoch das Gespräch. Die Nordverlängerung der A14 zwischen Magdeburg und Schwerin sei viel zu teuer, argumentierte er. Ursprünglich sollte die 155 Kilometer lange Piste 755 Millionen Euro kosten, inzwischen sind es über 1,3 Milliarden. Würde man stattdessen die vorhandenen Bundesstraßen vierspurig ausbauen, betonte der Grünenpolitiker Erdmenger, könnte man zwei Drittel des Geldes einsparen.

"Sie alle, Sie sind doch nicht daran interessiert zu sagen, es muss eine Autobahn sein auf Teufel komm raus, sondern Sie wollen eine bessere verkehrliche Anbindung ... Nee, ne Autobahn."

Die Debatte um die Nordverlängerung der A14 erhitzt in der Altmark die Gemüter. Seit 20 Jahren warten die Menschen auf eine bessere Anbindung an den Rest der Welt. Die Region zwischen Stendal und Salzwedel sei der autobahnfernste Raum Deutschlands, argumentieren ihre Befürworter. Mobilität schafft Arbeitsplätze, glaubt auch Silvia Gohsrich.

"Wir sind hier ein sehr strukturschwaches Gebiet, wir brauchen die Arbeitsplätze dringend, und die können nur erhalten werden, wenn wir die Autobahn bekommen."

Würde man jetzt mit den Planungen einer vierspurigen Bundesstraße beginnen, dann sei mit diesem Ausbau wohl erst in fünf Jahren zu rechnen, befürchtet die Bürgerin. Bundestagsabgeordneter Stephan Kühn, baupolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, hält dagegen: Der Ausbau einer Bundesstraße gehe viel schneller, schade viel weniger der Umwelt und koste vor allem nicht so immens viel Geld.

"Ich denke Sachsen-Anhalt ist mehr geholfen als wenn man 80 Millionen in zehn Kilometer Autobahnneubau bringt, diese 80 Millionen würde ich lieber einbringen, um ein Forschungsinstitut anzusiedeln und dann reicht das Geld locker noch, um ein Existenzgründerzentrum aufzubauen. Das bringt die Region über die wir hier reden stärker voran als es der Autobahnneubau ist."

Eine Stunde später stehen die Autobahn-Gegner neben besagter Bundesstraße nahe Lüderitz. Wilhelm von Carlowitz, CDU-Politiker und Waldbesitzer, lehnt allein schon aus umweltpolitischen Gründen den Bau der Autobahn ab.

"Ungefähr 2500 Hektar Waldfläche, Wiesenfläche, Ackerfläche werden hier verbraucht. Das sind auch die Flächen, die zwischen der Autobahn und Bundesstraße liegen, die dann eigentlich nicht mehr bewirtschaftbar sind. Und die ökologisch und wirtschaftlich uns große Sorgen bereiten."

Landesverkehrsminister Karl-Heinz Dähre kann die Argumente der Gegner nicht nachvollziehen. Jedem Waldbesitzer würden Ausgleichsflächen angeboten. In Sachen Naturschutz habe man alle umweltrelevanten Aspekte berücksichtigt. So seien Wildbrücken geplant, ebenso Unterbauten für Kriechtier und Überflugbrücken für Fledermäuse. Das habe letztendlich auch die Kosten auch in die Höhe getrieben, so Karl-Heinz Daehre, der auch auf die europaweite Bedeutung der A14 hinwies.

"Und dann dürfen wir eines nicht vergessen, man diskutiert in Europa über einen Korridor und zwar von Ostsee, Nordsee bis runter zur Adria. Da frage ich mal, was das also bedeuten wird, wenn da die Sache richtig losgeht, was wir den Leuten dann zumuten ohne Autobahn."