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StartseiteUmwelt und VerbraucherBurger essen, Umwelt schützen?08.01.2010

Burger essen, Umwelt schützen?

Schweden führt erstes Klimasiegel für Lebensmittel ein

Welche Lebensmittel klimafreundlicher sind als andere, das können die Verbraucher in Schweden jetzt auf der Verpackung sehen. Dort wurde weltweit erstmals ein Klimasiegel für Lebensmittel eingeführt - es klebt sogar in einer Fast-Food-Kette auf Hamburgern.

Von Agnes Bührig

Klimaschutz oder Klimasünde? (AP)
Klimaschutz oder Klimasünde? (AP)

Im schwedischen Hamburgerrestaurant Max warten blitzblank geputzte Tische unter knallorangen Neonlichtlampen auf die Gäste. Seit Neustem können die Kunden ihr Fast Food hier nach dem Kohlendioxidgehalt aussuchen, der bei der Herstellung der einzelnen Bestandteile der Mahlzeiten in die Luft geblasen wird: Ein rundes Symbol mit dem Text "wenig CO2" prangt an einem halben Dutzend bunten Bildern von saftigen Burgern. Der Kunde Sven Johansson hat sich für eine fleischlose Variante entschieden:

"Ich mag die vegetarischen Hamburger, die sind besser als bei McDonald's. Ich glaube, das ist ein Trend in Schweden, dass wir klimabewusster essen, wenn wir es können. Die CO2-Klassifizierung hilft uns da weiter. Dann ist es einfacher, sich für das richtige Produkt zu entscheiden."

Knapp drei Kilo CO2 setzt frei, wer sich den Biss in den Doppelwhopper gönnt. Der Fischburger dagegen ist nur ein Drittel so klimaschädlich, verspricht die Anzeige an der Ladentheke. Bei Autos ist es ganz normal, dass wir die CO2-Emissionen angeben, bei Lebensmitteln müssen wir uns erst daran gewöhnen, sagt Pär Larshans, bei Max zuständig für die Nachhaltigkeit des Unternehmens:

"Wer eine Hamburger-Mahlzeit isst, verbraucht genauso viel CO2 wie bei einer Autofahrt über 100 Kilometer. Diese Berechnung unserer Produkte bezieht sich auf den gesamten Produktionszyklus. Die Werte hängen also davon ab, wie die Kuh aufgezogen wird, wie der Bauer seine Äcker bewirtschaftet und wie das Fleisch zu uns transportiert wird. Rinder produzieren wegen ihres Wiederkäuens klimaschädliches Methangas, das macht einen großen Teil der Belastung aus."

Nicht nur im Hamburger-Restaurant, auch im Supermarkt können die Schweden seit Neustem klimabewusst einkaufen. Auf einigen Produkten prangt ein Klimasiegel. Es verrät, wie viel CO2-Emissionen bei der Herstellung von Haferflocken oder Joghurt in die Atmosphäre geblasen wurden, freut sich die Umweltaktivistin Eva Eiderström und greift ins Kühlregal des Supermarktes. Das Bewusstsein für klimaschädliche hergestellte Produkte zu schärfen ist gut, doch die Information für den Verbraucher ist noch zu dürftig:

"Hier sehen wir ein grünes Zeichen mit einem Baum und dem Schriftzug "CO2". Hier geht es offenbar ums Klima. Allerdings gibt es keinerlei weitere Information, was das bedeutet. Nur der Baum und das gute Gefühl. Das nenne ich Augenwischerei."

Die Kritik am Klimasiegel spielt in der schwedischen Debatte eher eine untergeordnete Randrolle. Vor allem wird betont, dass es wichtig ist, die Kohlendioxid-Emissionen, die durch die Produktion und den Transport von Nahrungsmitteln anfallen, deutlich zu machen. Sie betrügen laut einer Studie des schwedischen Umweltrates etwa ein Viertel der gesamten CO2-Emissionen in Schweden. Durch simple Umstellung der Gewohnheiten ließe sich dieser Ausstoß um ein Viertel wenn nicht gar um die Hälfte reduzieren. Anna Richert von der Zertifizierungsfirma "Svenskt sigill" kann darin nur Vorteile sehen:

"Das Klimasiegel garantiert dem Kunden, dass wir versuchen, in der gesamten Produktionskette klimafreundlicher zu arbeiten. Das wird von unabhängiger Seite kontrolliert. Auch die Produzenten wollen etwas für das Klima tun."

Bei der Bauerngenossenschaft Lantmännen gibt es ebenfalls Pläne mitzuziehen. Von ihren Mitgliedern will sie zukünftig neue Techniken fordern, um das bereits bestehende ökologische Qualitätssiegel KRAV um den Klimaaspekt zu erweitern. Gewächshäuser müssten dann zum Beispiel mit Biomasse geheizt werden, Soja dürfte nicht mehr aus dem weit entfernten Brasilien importiert werden. Der Klimagipfel von Kopenhagen hat da vielen die Augen geöffnet, hat Hamburger-Verkäuferin Caroline Gimmerbon beobachtet:

"Viele Kunden fragen nach, ob sich der CO2-Gehalt bei der Herstellung auf den Preis auswirkt. Ich hatte auch schon Kunden, die ihre Wahl aufgrund des geringen Treibhausgasverbrauches getroffen haben. Da gibt es mehr Interesse, mehr als ich dachte."

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