Migration
Ceuta-Krise: EU beruft Sondersitzung ein, Debatte auch in Deutschland

Als Reaktion auf die Migrationskrise nach den Geschehnissen in der spanischen Exklave Ceuta haben 22 von 27 EU-Mitgliedstaaten eine Dringlichkeitssitzung der Innenminister verlangt. Die Ereignisse der vergangenen Tage erforderten eine unverzügliche und koordinierte europäische Antwort, heißt es in einem Schreiben an die irische EU-Ratspräsidentschaft. Zu den Unterzeichnern gehören auch Bundeskanzler Merz und die italienische Ministerpräsidentin Meloni.

    Mehrere Menschen gehen durch ein großes Tor, daneben stehen Soldaten.
    Zehntausende Migranten sind von Ceuta nach Marokko zurückgekehrt. (IMAGO / Europa Press / IMAGO / Europa Press)
    Die Sondersitzung soll am Dienstag per Videoschalte stattfinden. Auch Spaniens Ministerpräsident Sanchez wandte sich an die EU-Ratspräsidentschaft. In einem Schreiben beklagte er allerdings, einige Mitgliedsstaaten seien von Vorurteilen, Falschmeldungen und politischen Interessen getrieben. Sanchez betonte, dass Ceuta nicht zum Schengen-Raum gehöre und Migranten von dort nicht einfach in andere EU-Länder weiterreisen könnten.

    "Fast alle wieder in ihrer Heimat"

    Nach Angaben der Regierung in Madrid kehrten nahezu alle Menschen nach Marokko zurück. Nur einige hundert befänden sich noch in Ceuta. EU-Migrationskommissar Brunner erklärte, keine einzige Person habe die Grenze zum europäischen Festland überschritten. Etwa 50.000 Menschen hatten Ceuta in den vergangenen Tagen zumeist schwimmend von Marokko aus erreicht. Behörden zufolge stieg die Zahl der Todesopfer auf 67.
    Die Ereignisse lösten eine neue Debatte über den Schutz der EU-Außengrenzen und eine konsequentere Rückführung von Migranten aus. Italien setzte das Schengen-Abkommen mit Spanien aus. Frankreich verstärkte die Grenzkontrollen zum Nachbarland. Experten der EU-Mitglieder wollten am Samstag über die Lage beraten, Spaniens Regierungschef Sánchez forderte eine Sondersitzung auf Ministerebene.

    Debatte auch in Deutschland

    Der CDU-Innenpolitiker Seif forderte eine grundsätzliche Debatte über den Umgang mit Migration in der EU. Seif sagte im Deutschlandfunk , das europäische Asylsystem sei dysfunktional. Der Vorfall in Ceuta zeige, dass vor allem Menschen angezogen würden, die keinen erkennbaren Schutzanspruch hätten.
    Derweil forderte der SPD-Kovorsitzende Klingbeil Respekt und Solidarität für Spanien. Das Land habe entschlossen gehandelt. "Gerade in solchen Situationen darf Europa sich nicht auseinanderdividieren lassen. Migranten wurden instrumentalisiert in dem Versuch, Europa zu spalten", meinte Klingbeil. Es gelte, mit Spanien zu agieren und nicht über Spanien zu sprechen. Ministerpräsident Sanchez habe mit entschlossenem Handeln dafür gesorgt, dass der allergrößte Teil der Menschen innerhalb kürzester Zeit von Ceuta wieder nach Marokko zurückgekehrt sei.
    Diese Nachricht wurde am 01.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.