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Dada-Festival zu Ehren von Richard Huelsenbeck"Wir wollen die Welt mit Nichts ändern!"

Richard Huelsenbeck, einer der Ur-Dadaisten, liegt in Dortmund begraben. Zu seinem 125. Geburtstag will ihn eine Dada-treue Fan- und Künstlergemeinschaft würdigen: Mit einem Programm aus über 25 Veranstaltungen wollen sie dem 100. Jahrestag von Dada, dem Künstler und seiner Dortmunder Bedeutung huldigen.

Von Achim Hahn | 21.04.2016

Zu sehen ist eine Installation des Grabes von Ur-Dadaist Richard Huelsenbeck.
Zu seinem 125. Geburtstag erinnert sich Dortmund an den Ur-Dadaisten Richard Huelsenbeck. (Achim Hahn)
Jürgen Wiersch: "Dada ma' da wa', wissen wir."
Denn bereits 1991 hatte der viel zu früh vor zwei Jahren verstorbene Dortmunder Soundpoet Jürgen Wiersch - "SchallalalaHitHit Song Song" - mit weiteren Dada-Infizierten dafür gesorgt, dass das Andenken an den Urdadaisten Richard Huelsenbeck - "Ei ehh uuuUH" - nicht durch die Einebnung seines Grabes in Dortmund verschüttet wurde.
"So I said to Ball, why not DA DA? And he said Da Da is wooden horse or ty in french", erinnerte sich jener Ober-Dada Huelsenbeck zuvor an sein grundlegendes Gespräch mit Dada-Kollege Hugo Ball, aus dem sich schließlich alles ergab. "Dada – das war die Inszenierung eines einzigen Wortes als Kunstwerk. Dada", erklärte jener Huelsenbeck.
Das bedeutende Nichts
"Ist das bedeutende Nichts, an dem Nichts etwas bedeutet."
Wiersch-Text:
"Action heißt der Weltruf! / Große Nummern und noch größere Zeichen / Dadadatei Dadadatei Dadadatei"
Beide verstorbenen Künstler – Richard Huelsenbeck und sein Nachfahre Jürgen Wiersch - bilden die zeitliche Klammer für 100 Tage Dada in Dortmund, erklärt Dieter Gawol – Künstlername A. Diego:
"Ich habe den Eindruck, dass Dada hier im Untergrund irgendwie noch lebt."
Zusammen mit Annette Göke von der Dortmunder Kunstdomäne und dem Musiker und Geräuschsammler Richard Ortmann entwickelte er ein Programm mit über 25 Veranstaltungen, die dem 100. Jahrestag von Dada und seiner Dortmunder Bedeutung huldigen. Denn:
Richard Ortmann: "Als Musiker für die Ohren gedacht ist Dada eine großartige politische Kollektivimprovisation."
Die wird von Richard Ortmann selbst zum Beispiel durch die Installation seines Schrottophons unterstrichen:
"Das Schrottophon ist eine Ansammlung von unheimlich vielen Instrumenten, die Leute wegschmeißen und die irgendwie noch klingen. Also die ganze Bandbreite der Haushaltsgeräte bis zur übel spuckenden Kaffeemaschine. Das sieht dann alles sehr aufgeräumt aus und stilistisch und dann spring ich dazwischen her und mach damit Töne."
Im Gegensatz zur Wiederaufführung des Dada-Komponisten Erwin Schulhoff, dessen Komposition "In Futuram" bereits John Cages komponiertes Schweigehören vorwegnahm. "Da werd ich einfach nichts tun", so Dietmar Korthals, der die anderen Sätze für Kirchenorgel eingerichtet hat.
Dortmunder DADAinen
Ein Höhepunkt in der dem Nerven am Rande des Weltzusammenbruchs nachforschenden Auftaktveranstaltung heute Abend: der erste Kurzauftritt der Dortmunder DADAinen, die auch im Juli einen ganzen Abend bestreiten. "Ein Programm aus allen möglichen Zitaten, Fragmenten, Textschnipseln, literarischen Texten, Simultangedichten und ein paar Texte sind auch von uns selbst", so die Dada-Chronistin Regine Anacker.
Am Samstag, dem 125. Geburtstag von Huelsenbeck, dann die großangelegte DADA Prozession mit der Blaskapelle "schwarz/rot Atemgold 09" inklusive SargART Inszenierung und Reanimation des Huelsenherzes.
Dieter Gawol: "Ein Objekt, dass ich erarbeitet habe", nach Jürgen Wierschs Gedicht "Wir vermachen Dir unser Huelsenherz". Eine transportable Metapher für die nächsten 100 Tage mit jeder Menge Dada-Unfug, der vor allem einen Zweck hat:
Dadainen: "Wir wollen die Welt mit Nichts ändern!"
Wiersch-Text: "Dadadatei Dadadatei Dadadatei – Ulkultimatum!"

Das Programm des Dortmunder Dada Festivals finden Sie hier.