Nach Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle
Debatte über Zuständigkeiten bei Drohnenabwehr

Nach dem Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle fordern Experten und Politiker, die Regeln für die Abwehr von Drohnen zu klären. Am Vormittag hatte bereits der Nationale Sicherheitsrat der Bundesregierung zu dem Vorfall getagt.

    Leipziger Flughafen Schkeuditz: Sprengstoff an einer Drohne wird von einem Experten mithilfe eines Roboters entschärft. Im Hintergrund steht ein Flugzeug.
    Nach dem Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle stellt sich in der Politik die Frage, wie man mit der Gefahr durch Drohnen umgehen soll? (Imago / EHL Media )
    Es brauche klare Zuständigkeiten für die Erkennung, Überwachung und Bekämpfung von Drohnen, sagte der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Ischinger. Man müsse klären, wer genau was dürfe und wer dies koordiniere. Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Emmerich, erklärte, dass in Deutschland mehr als 40 Behörden mit Aufgaben der Luftsicherheit befasst seien, sei "im Ernstfall ein Sicherheitsrisiko". Er warf Bundesinnenminister Dobrindt vor, trotz der bekannten Bedrohungslage keine klaren Zuständigkeiten geschaffen zu haben.

    Kritik an unklaren Zuständigkeiten

    Auch der Verteidigungsausschuss-Vorsitzende Röwekamp forderte eine zentrale Zuständigkeit für die Abwehr solcher Fluggeräte. Statt bei einer Vielzahl föderaler Luftsicherheitsbehörden sollte diese bei Bundesinnenministerium und Bundespolizei liegen, sagte der CDU-Politiker dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Am Ende habe nur der Zufall und die Umsicht eines Busfahrers Schlimmeres verhindert. Laut Sicherheitskreisen hatte die Drohne zwischen Flugzeugen knapp über dem Boden geschwebt, bevor der Mann sie sah und mit einem Fußtritt zu Boden brachte.
    Der Verteidigungspolitiker Kiesewetter, ebenfalls CDU, verwies im Deutschlandfunk auf die Bedeutung des Flughafens Leipzig/Halle als Standort für NATO-Lufttransporte etwa von Munition. Daher müsse von einem Angriff auf die Flughafeninfrastruktur ausgegangen werden, so Kiesewetter.

    Beratungen unter Vorsitz von Merz

    Am Vormittag hatte der Nationale Sicherheitsrat der Bundesregierung zu dem Drohnen-Vorfall in Leipzig getagt. Die Beratungen fanden unter Vorsitz von Bundeskanzler Merz telefonisch statt. Demnach steht Merz zu den Ereignissen in Leipzig "in fortwährendem Austausch" mit Bundesminister Dobrindt und anderen Mitgliedern der Bundesregierung, wie ein Regierungssprecher mitteilte.

    Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle: Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

    Am Donnerstag übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen zu dem ‌mutmaßlichen Anschlagsversuch. Es bestehe der Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion sowie des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Es handele sich um einen schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland.
    An der Drohne sei professioneller Sprengstoff und ein Zünder angebracht worden. Berichte, laut denen das ukrainische Flugzeug, in dessen Nähe die Sprengstoff-Drohne entdeckt wurde, mit Munition beladen gewesen sei, wurden inzwischen dementiert.
    Bei einem weiteren Vorfall in der Nähe stieß eine Frachtmaschine mit einem unbekannten Flugobjekt zusammen und wurde leicht beschädigt.

    Grünen-Fraktionschefin: Dobrindt muss Russland-Verdacht klar benennen

    Grünen-Fraktionschefin Dröge erhob in der Zeitung "Die Welt" Vorwürfe gegen Russland und kritisierte Bundesinnenminister Dobrindt dafür, dass er diesen Verdacht nicht klar benannt hat. Auf eine solche Aggression müsse mit Entschlossenheit reagiert werden, nicht mit schwammigen Worten. Der Minister hatte zwar "fremde Mächte" als Drahtzieher nicht ausgeschlossen, aber vor Spekulationen hinsichtlich der Täterschaft gewarnt. Dobrindt sprach von einem hybriden Anschlagsszenario.
    Der Vorfall hat eine Diskussion darüber ausgelöst, inwiefern Deutschland sich vor Angriffen mit Drohnen schützen kann. Der Sicherheitsexperte Nico Lange sagte im Deutschlandfunk, es sei lediglich Glück gewesen, dass es nicht zu einer Katastrophe gekommen sei. Hierzulande sei man überhaupt nicht auf dem Stand der Dinge und viel zu langsam.
    Diese Nachricht wurde am 07.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.