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Demenztests
Gedächtnis auf dem Prüfstand

Dass im Alter das Gedächtnis nachlässt, ist normal. Namen wollen einem nicht mehr einfallen oder man verlegt häufiger einen Schlüssel. Aber wann ist die Schwelle zur Demenz überschritten? In standardisierten Tests können Ärzte feststellen, ob die Gedächtnisschwäche noch harmlos oder tatsächlich schon Anzeichen einer Demenz ist.

Von Thomas Liesen | 01.11.2016
    Ein Klebezettel mit dem Schriftzug "Herd aus?" klebt an einem Herd neben den Drehknöpfen.
    "Habe ich den Herd ausgemacht. Ich weiß es nicht mehr genau." - Wann sind Erinnerungsschwächen krankhaft? Testverfahren helfen bei der Diagnose. (dpa / picture alliance / Jens Kalaene)
    Manfred Schüller ist 68 Jahre alt und hat zunehmend Probleme mit seinem Gedächtnis. Zumindest sieht das seine Frau so. Sie hat ihm einen Termin zu einem Demenztest bei der Psychologin Dr. Ann-Katrin Schild an der Uniklinik Bonn besorgt.
    "Schön, dass Sie den Weg hierher gefunden haben. Haben sie den Weg gut gefunden?"
    "Ja, ganz gut mit dem Auto. Und wir hatten zwar erst Probleme, wo wir das Auto hinstellen sollten, aber das hat eigentlich ganz gut geklappt. Wir sind ganz gut hier rein gekommen. Also ich kann mich nicht beklagen. Ich habe schon so viele Dinge gemacht. Ich habe überhaupt keine Probleme irgendwelcher Art."
    "Mir geht es jetzt darum, dass ich einige Aufgaben mit Ihnen machen möchte, die sich vor allem mit dem Gedächtnis befassen. Dann würde ich mit der ersten Aufgabe starten."
    "Pfff, jetzt bin ich irgendwie weg"
    Die Psychologin liest nun eine Liste von 10 Worten vor, die sich Manfred Schüller merken soll:
    "Teller, Hund, Lampe, Brief, Apfel, Hose, Tisch, Wiese, Glas, Baum. An welche der Worte können Sie sich erinnern? Die Reihenfolge spielt keine Rolle."
    "Teller, Apfel, Brief, äh... Brief. Teller. Pfff, jetzt bin ich irgendwie weg. Was ist das denn für‘n Quatsch jetzt."
    "Okay, ich denke, das war es erst mal. Wir machen dann weiter mit der nächsten Aufgabe. Bei dieser Aufgabe geht es darum, dass Sie hier diese Figur, die Sie da sehen, einfach abzeichnen. Hier ist ein Bleistift und ein Radiergummi, lassen Sie sich ruhig Zeit.
    Vor Manfred Schüller liegt ein perspektivisch gezeichneter Würfel. Vier Minuten später hat er drei mal die Zeichnung angesetzt, dann wieder verworfen und neu angesetzt: "Das müsste eigentlich hier weg."
    Zuverlässiger Indikator: der Uhrentest
    Er schafft es immer nur, Vierecke zu zeichnen. Der Würfel misslingt. Dann kommt als Nächstes ein Test, der sehr einfach scheint, aber doch ein zuverlässiger Indikator für eine Demenz ist: der Uhrentest.
    "Sie sehen hier einen Kreis und Sie sollen sich vorstellen, dass das eine Uhr wird. Und Ihre Aufgabe ist, hier das Ziffernblatt von der Uhr einzutragen - bitte nicht auf Ihre eigene gucken – und dann die Uhrzeit so einzustellen, dass die Uhr 10 Minuten nach 11 oder 11 Uhr 10 anzeigt."
    Manfred Schüller schreibt zwei Ziffern an den Rand des Kreises. Eine 11 und eine 10.
    "Und wenn jemand anderes diese Uhrzeit ablesen wollte, könnte er erkennen, welche Uhrzeit es ist?" - "Ja, ich denke schon."
    "Dann nehme ich Ihnen das Blatt weg und würde jetzt zur letzten Aufgabe kommen. Und zwar zu Beginn der Testung hatte ich ihnen eine Wortliste vorgelesen. Das waren zehn Worte. Fallen Ihnen davon jetzt noch Worte wieder ein?"
    "12, ein Uhr. 14 Uhr. 16 Uhr. 17 Uhr. 18 Uhr, 19 Uhr. 23, 24 Uhr."
    "Ok, dann erst mal vielen Dank."