Donnerstag, 15.11.2018
 
Seit 13:30 Uhr Nachrichten
StartseiteKalenderblattDer Anfang vom Ende des amerikanischen Bürgerkriegs04.07.2013

Der Anfang vom Ende des amerikanischen Bürgerkriegs

Vor 150 Jahren gewannen die Nordstaaten die Schlacht um Vicksburg

Im amerikanischen Bürgerkrieg kämpften Nord- und Südstaaten erbittert um die Sklaverei und die Rechte der Einzelstaaten. Am 4. Juli 1863 fiel schließlich Vicksburg, die letzte Bastion der Südstaaten-Rebellen am Mississippi.

Von Michael Groth

Eine Kanone erinnert noch heute an die Schlacht von Vicksburg (picture alliance / dpa / Robert Harding World Imagery)
Eine Kanone erinnert noch heute an die Schlacht von Vicksburg (picture alliance / dpa / Robert Harding World Imagery)

"Wir sitzen schon seit zehn Monaten hier. Der Süden hat unseren Vormarsch zum Stehen gebracht, obwohl er weniger Menschen und Material zur Verfügung hat als wir. Wenn ich Vicksburg nehmen könnte, würde das die Situation grundlegend verändern. Aber es müsste bald sein. Noch in diesem Sommer. Sonst sitzen wir nächstes Jahr noch genauso hier. Und das könnte unter Umständen einen Verlust von 100.000 Mann bedeuten."

John Ford beginnt seinen Klassiker "Der letzte Befehl" aus dem Jahr 1959 mit einem Dialog der Nordstaatengeneräle Grant und Sherman. Zweieinhalb Monate versucht Ulysses S. Grant, Kommandeur einer mehr als 70.000 Mann starken Nordstaatenarmee, das am Ostufer des Mississippi liegende Vicksburg zu erreichen. Dem Verteidiger, General Pemberton, stehen 31.000 Soldaten zur Verfügung.

Vicksburg liegt auf einem Höhenzug - rund sechzig Meter über dem Fluss. Der Fluss ist die Lebensader - vor allem für die Südstaaten. Über den Mississippi kommt der Nachschub aus den westlichen Territorien, ohne den der Krieg nicht zu gewinnen ist. Solange die Kanonen von Vicksburg diesen Nachschub sichern, solange gibt es Hoffnung.

Im Mai 1863 nähert sich Grant. In fünf Schlachten erkämpft er sich mit seinen Soldaten den Weg - um am 19. Mai kurz vor Vicksburg abermals zu scheitern. Grant entscheidet sich für eine Belagerung.

Die Menschen in Vicksburg essen Esel, Katzen und Hunde

Harry McMillan, ein ehemaliger Offizier der US-Luftwaffe führt durch das Gelände östlich der Stadt, auf dem vor 150 Jahren die entscheidenden Schlachten geschlagen wurden: heute ein gepflegter Nationalpark.

"Pemberton steht mit dem Rücken zum Fluss. Und die Yankees kontrollieren das westliche Ufer in Louisiana. Er sitzt in der Falle. Nichts kommt rein - nichts kommt raus. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis er weder über Proviant noch über Munition verfügt - er wird aufgeben müssen. Die Belagerung beginnt. Grants Artillerie feuert jeden Tag 5.000 Salven in die feindlichen Linien. Die Bevölkerung gräbt Tunnel in die Hügel und Klippen. Aber die Vorräte schwinden. Die Menschen essen Esel, Katzen und Hunde. Zuletzt Ratten. Besonders schlecht geht es den Soldaten - ihre Rationen werden ständig halbiert."

Ein Tagebucheintrag beschreibt das Elend der Belagerten:

"Wir sind komplett von der Welt abgeschnitten. Eingeschlossen in einem Kreis aus Feuer wir werden ohne Unterlass beschossen, Tag und Nacht. Die Menschen warten. Sie essen, was da ist. Sie schlafen, wenn sich eine Gelegenheit ergibt. Und sie versuchen, den Kugel auszuweichen."

Vicksburg wird nicht erobert, Vicksburg gibt auf

Die Entscheidung rückt näher. Durch 13 Gräben soll sich Grants Armee den Verteidigern nähern. Harry McMillan beschreibt das Terrain:

"Sie sehen diese Gräben noch heute. Kreuz und quer schneiden sie sich durch diese Hügel. Die Konföderierten versuchen den Ansturm durch Bäume und Steine, die sie in die Gräben rollen, noch schwieriger zu machen. Die Yankees greifen an, immer aufwärts, an allen Hindernissen vorbei. Das kann nicht gut gehen."

Vicksburg wird nicht im Kampf erobert - Vicksburg fällt, weil die Zustände nichts anderes zulassen. Pemberton erhält einen Brief seiner Offiziere. Die Truppen verhungern, heißt es darin, sie haben kaum noch Munition. Wenn sie nicht aufgeben, werden sie desertieren. Pemberton stellt das Feuer ein. Grant hat sein Ziel erreicht.

"Nach dem Fall von Vicksburg kontrollieren die Yankees den Fluss. Die Südstaaten sind in zwei Teile zerlegt. Und Grant feiert einen entscheidenden Triumph. Hätte er sich in Vicksburg nicht durchgesetzt, man hätte von ihm nichts mehr gehört. Aber nun ist er der Held. Er wird befördert. Als Oberbefehlshaber der Union steht er bald darauf im Osten Robert E. Lee gegenüber. Und Grant ist der Mann, der Lee schlagen wird."

Jener Robert E. Lee, Befehlshaber der Konföderierten, zieht sich in Pennsylvania am Tag, an dem Vicksburg fällt, aus Gettysburg zurück. Am 4. Juli 1863 ist der Bürgerkrieg entschieden. Für die Bewohner von Vicksburg Grund genug, den amerikanischen Nationalfeiertag 84 Jahre zu ignorieren. Sie feiern den 4. Juli erst 1947 wieder - und dass nur, weil der damalige Präsident Truman den Ort besucht.


Mehr zum Thema:

Burkel und sein Kampf gegen die Sklaverei - Eine amerikanische Geschichte von Freiheit und Gewalt
Lincoln war "tief verwurzelt in rassistischen Vorurteilen seiner Zeit" - Historikerin kritisiert mangelnde historische Wahrheit des Spielberg-Films
Das Ende der Sklaverei - Steven Spielbergs "Lincoln" im Kino
Bürgerkrieg und Sklaverei - Dossier USA (Bundeszentrale für politische Bildung)

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk