Archiv

Der Druck nimmt am Arbeitsplatz zu

Immer mehr Arbeitnehmer fühlen sich nach einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Job psychisch gestresst. Etwa die Hälfte der rund 500 befragten Beschäftigten gab an, sie seien starker oder sehr starker Arbeitshetze ausgesetzt.

Von Stefan Maas | 18.01.2013

Für Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes lässt sich das Ergebnis der heute präsentierten Umfrage "Psycho-Stress am Arbeitsplatz" ganz einfach zusammenfassen:

"Die Botschaft der Beschäftigten ist eindeutig. Der Druck am Arbeitsplatz nimmt zu."

Rund 5000 Beschäftigte hat der DGB bundesweit befragt. Mehr als die Hälfte – etwa 56 Prozent – gaben an, sie seien starker oder sehr starker Arbeitshetze ausgesetzt. Das sind mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig gaben 80 Prozent an, seit Jahren in ihrer Arbeitszeit immer mehr leisten zu müssen. Die Arbeitgeber hingegen kämen ihrer gesetzlichen Verpflichtung nur unzureichend nach, für einen besseren Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu sorgen.

Besonders schlecht sei das Ergebnis, wenn es um die Frage nach psychischen Stressfaktoren gehe, sagte Buntenbach. Danach seien nur rund neun Prozent von ihren Arbeitgebern befragt worden.

"Diese mangelhafte Umsetzung des Arbeitsschutzgesetzes seitens der Arbeitgeber ist ein Armutszeugnis. Und das Gleiche gilt übrigens auch für die mangelnde Aufsicht. Der Staat muss schließlich dafür Sorge tragen, dass die Gesetze eingehalten werden."

Deshalb bedürfe es auch besserer Kontrollen der Arbeitsbedingungen im Betrieb. Wegen der Ausdünnung der Gewerbeaufsicht sei dies oft nur noch unzureichend gewährleistet. Buntenbach forderte die Bundesregierung auf, noch vor der Bundestagswahl ein Gesetzespaket für mehr Arbeitsschutz auf den Weg zu bringen. Es bedürfe klarer Regeln und klarer Sanktionsmöglichkeiten.

"Ohne eine Anti-Stress-Verordnung ist vermutlich auch zukünftig kaum ein Arbeitgeber wegen einer nicht oder fehlerhaft gemachten Gefährdungsbeurteilung zu belangen."

Erklärte auch IG-Metall Vorstandmitglied Hans-Jürgen Urban. Das Phänomen Stress sei zugegebenermaßen schwerer zu erfassen als körperliche Belastung. Viele Stressfaktoren seien aber bekannt. Dazu gehörten ein ständig steigendes Arbeitsvolumen und inkompetentes Verhalten von Vorgesetzten.

"Je konkreter die Vorgaben geregelt sind, umso höher ist dann auch die Chance, Fehlverhalten zu sanktionieren. In allen anderen Bereichen des Arbeitsschutzgesetzes hat sich diese Systematik bewährt. Und deswegen wollen wir sie hier auch."

Zum Thema "psychische Gesundheit am Arbeitsplatz" planen das Bundesarbeitsministerium, der DGB und die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände BDA für Ende Januar eine gemeinsame Erklärung.