Freitag, 01. Juli 2022

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Deutsch-israelische Hochschulkooperationen

Die deutsch-israelische Zusammenarbeit ist eng und soll in Zukunft noch enger werden. Das ist die Botschaft, die bei dem Besuch des halben Bundeskabinetts in Israel in diesen Tagen nach außen getragen wird. Mit auf der Nahost-Reise ist auch Annette Schavan. Die Bildungsministerin hat an der hebräischen Universität in Jerusalem das Zentrum für Deutschlandstudien eröffnet. Helmut Blumbach vom Deutschen Akademischen Austauschdienst stellt es vor.

Moderation: Arnim Himmelrath | 18.03.2008

Helmut Blumbach: Es wird ein Zentrum eröffnet, was nicht einer einzelnen Fakultät angehört, sondern was sich fächerübergreifend mit Deutschland wissenschaftlich auseinandersetzen soll. Wir wollen ein Angebot machen für Juristen, Wirtschaftswissenschaftler, Sozialwissenschaftler, Politologen, Historiker und andere, die sich in ihrem Studium intensiv mit dem zeitgenössischen Deutschland, also, mit dem Deutschland von heute, auseinandersetzen wollen. Es wird einen Masterstudiengang geben, man kann dort einen Master of German Studies studieren, es wird Betreuung von Doktoranden geben, die über zeitgenössische, deutsche Themen forschen, und das Zentrum soll natürlich auch innerhalb der Universität und darüber hinaus eine breitere Öffentlichkeit ansprechen.

Armin Himmelrath: Sie waren an den Vorbereitungen, an den Vorarbeiten, beteiligt. Wie groß war das Interesse der israelischen Seite, hier aktiv zu werden?

Blumbach: Wir haben dieses Programm - das übrigens für uns kein neues ist, sondern das wir in ähnlicher Form an inzwischen 15 Standorten in aller Welt durchführen - in Israel offen ausgeschrieben, also, jede interessierte Hochschule konnte sich bewerben, und wir waren sehr überrascht und erfreut überrascht, dass wir eine so positive Resonanz mit diesem Angebot gefunden haben. Und es haben sich dann im harten Wettbewerb zwei Zentren herauskristallisiert, das ist dieses heute eröffnete Zentrum an der Hebräischen Universität und es gibt ein weiteres mit ähnlicher Ausgangsstellung an der Universität Haifa.

Himmelrath: Wie haben wir uns den Arbeitsalltag in diesen Zentren vorzustellen? Was passiert dort mit den Studierenden?

Blumbach: Zunächst einmal gibt es ein ganz normales Masterprogramm, die Leute studieren also deutschlandbezogene Themen, ein interdisziplinäres Curriculum ist aufgestellt worden und die machen dort innerhalb von zwei Jahren einen Abschluss. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Doktoranden an der Hebräischen Universität, die zu deutschlandbezogenen Themen arbeiten und die dann dort in Kolloquien betreut sind und sich vor allen Dingen über die Disziplinen hinweg miteinander austauschen. Teil unserer Förderung ist, dass wir Stipendien vergeben, dass die Leute also auch die Möglichkeit haben, für längere oder kürzere Abschnitte nach Deutschland zu kommen, um hier zum Beispiel Forschungsarbeiten durchzuführen, und natürlich wollen wir - und das wird sich jetzt in den nächsten Monaten zeigen - mit dem Zentrum auch eine weitere Öffentlichkeit ansprechen. Heute haben wir das sicherlich schon erreicht mit diesem Festakt, aber das soll natürlich auch in den nächsten Jahren so bleiben.

Himmelrath: Gibt es auf deutscher Seite auch Partner, die dort miteinbezogen sind, deutsche Hochschulen, die daran beteiligt sind?

Blumbach: Direkte Hochschulpartnerschaften in diesem Kontext gibt es nicht, aber es ist eine Reihe deutscher Wissenschaftler, die dort mitarbeiten. Wir werden die Möglichkeit haben, die auch zur Lehrtätigkeit dort hinzuschicken. Und natürlich gibt es auf der anderen Seite viele israelische Wissenschaftler, die bereits enge Kontakte zu deutschen Fachkollegen haben und diese Kontakte natürlich in die Arbeit des Zentrums auch einbringen werden.

Himmelrath: Wie ist es denn generell bestellt um die deutsch-israelische Zusammenarbeit im Hochschulbereich? Sie betreuen ja beim DAAD unter anderem Studierende, sowohl die Deutschen, die ins Ausland gehen, als auch ausländische, die nach Deutschland kommen. Sie haben aber zum Beispiel auch eigene Lektoren, die Sie ja in alle Welt entsenden. Also, wie eng ist da die deutsch-israelische Zusammenarbeit?

Blumbach: Ich würde schon sagen, dass sie - auch gerade mit Blick auf das ja schwierige Verhältnis beider Länder - seit langem sehr lebendig und intensiv ist. Wir haben zunächst mal eine sehr intensive Forschungskooperation, wir haben seit Jahrzehnten Minerva-Institute, wir haben spezielle Projekte der deutsch-israelischen Zusammenarbeit, die unterstützt werden, auch gerade mit deutschen Mitteln unterstützt werden. Israel ist eine der führenden Wissenschaftsnationen der Welt, es ist daher für unsere Hochschulen, für unsere Stipendiaten eine sehr, sehr interessante Adresse. Und es beschränken sich die Interessen auch nicht nur auf die - wie wir das sonst in der Region erleben - regionalspezifischen Fragen, sondern man kann eben in Israel wirklich sozusagen auf hohem Niveau, auch im Bereich der Naturwissenschaften etwa, forschen und mit Partner zusammenarbeiten. Das Interesse ist auf beiden Seiten sehr, sehr groß. Wir haben im Augenblick 1300 israelische Studenten in Deutschland, an deutschen Hochschulen, davon vielleicht 150 mit einem Stipendium des DAAD. Damit ist Deutschland sozusagen das zweitwichtigste Auslandszielland der Israelis nach Großbritannien, für das Studium im Ausland, das zeigt, wie interessant wir als Partner sein können. Wir haben ein wachsendes Interesse auch wieder an der deutschen Sprache, das berichten unsere Lektoren. Wir haben zwei DAAD-Lektoren in Israel im Einsatz, einer in Jerusalem und einer in Haifa, darüber hinaus aber auch deutsche Hochschuldozenten, die im Bereich Germanistik oder Politologie oder Deutschlandstudien, German Studies, dort lehren. Wir bemühen uns auch mit unseren Mitteln, da ein bisschen das Interesse weiter zu wecken, aber es ist gut, und in der umgekehrten Richtung, ich sagte es ja schon, die Israelis eine führende Wissenschaftsnation und von daher für deutsche Nachwuchsforscher, für deutsche Doktoranden ebenfalls sehr interessant.