Mittwoch, 17. August 2022

Archiv

Deutsche Bank
Rückzug aus globalem Investmentbanking

Drastische Einschnitte bei der Deutschen Bank: Nach einem Gewinneinbruch um 80 Prozent will sich das Geldhaus aus dem schwächelnden globalen Investmentbanking zurückziehen und sich stärker auf das Geschäft in Europa konzentrieren. Auch für die Belegschaft könnte der Umbau einschneidende Folgen haben.

Von Brigitte Scholtes | 26.04.2018

    Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main am Abend. Viele Büros sind beleuchtet.
    Stürmische Zeiten für die Deutsche Bank - das Haus begräbt seine globalen Ambitionen (picture alliance / Arne Dedert)
    Die Deutsche Bank hatte schon vorgewarnt: Im ersten Quartal sei das Geschäft nicht berauschend gelaufen. Positiv gewendet könnte man sagen: Es hat immerhin zu einem Gewinn von 120 Millionen Euro gereicht. Doch gegenüber dem ersten Vierteljahr 2017 war das ein Einbruch um fast vier Fünftel: Man müsse sofort und entschieden handeln und eine andere Richtung einschlagen. Es gebe keine Zeit zu verlieren, sagte der neue Vorstandschef Christian Sewing auf einer Telefonkonferenz.
    Investmentbanking wird gestutzt
    "Das zeigt, dass wir entschieden handeln und dass wir jetzt eine andere Richtung einschlagen. Wir haben keine Zeit zu verlieren."
    Sewings Rezept: Fokussieren, die Einnahmen steigern, die Kosten senken. Dazu will er die Bank nun stabiler ausrichten, also das Privat- und Firmenkundengeschäft, aber auch die Vermögensverwaltung stärken. Und: Das Investmentbanking wird kräftig gestutzt. Das hatte im ersten Quartal mit 3,8 Milliarden Euro 13 Prozent weniger Erträge eingebracht.
    "Unsere Strategie wird sich um diese drei Säulen herum gruppieren, 2021 sollen das Privat- und Firmenkundengeschäft und die Vermögensverwaltung die Hälfte zu unseren Einnahmen ausmachen. Wenn wir dazu die Einnahmen aus unserer globalen Transaktionsbank rechnen, wird der Anteil stabilerer Einkünfte bei etwa 65 Prozent liegen."
    Konzentration auf Europa
    Das Investmentbankingeschäft mit internationalen Unternehmen und Investoren sei und bleibe aber Kernbestandteil der Deutschen Bank. Doch sie wolle sich nun konzentrieren, sagte Sewing.
    "Wir sind bei verschiedenen Produkten Marktführer - in Europa und auch weltweit. Es gibt keinen Grund, uns da zurückzuziehen. In diese Bereiche müssen wir investieren, in anderen schrumpfen, in denen nämlich, in denen wir jetzt und auch in Zukunft nicht wettbewerbsfähig sind. Wo wir schon Marktführer sind, sollten wir das beibehalten und in diese Bereiche investieren."
    Flachere Hierachien und Stellenabbau
    Solche Bereiche sind etwa der Zahlungsverkehr und der Devisenhandel, auch im Beratungs- und Finanzierungsgeschäft in Europa will das Geldhaus dabei bleiben - in den USA und Asien aber wird das reduziert. Schwache Bereiche wie der Anleihehandel in den USA werden deutlich kleiner, ob das Haus noch im Aktienhandel tätig bleiben wird, will der Vorstand überprüfen
    Der soll nun nur noch neun statt früher zwölf Mitglieder zählen, die Hierarchien deutlich flacher werden. Und Kosten sparen wird man auch über einen "spürbaren" Stellenabbau: Wie viele der derzeit etwa 98.000 Mitarbeiter gehen müssen, dazu wollte sich Sewing noch nicht im Detail äußern.
    Immerhin aber geht es in einem Bereich voran: Die Postbank soll im Laufe dieses Quartals endlich voll integriert sein. Ein Aufbruchssignal, wie überhaupt Sewing an den "Spirit" der Mitarbeiter appellierte, an die Tugenden der Deutschen Bank, mit denen diese in ihrer fast 150jährigen Geschichte groß geworden sei.