Mittwoch, 05. Oktober 2022

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Deutscher Bühnenverein besorgt
Khuon: AfD greift deutsche Theater an

Einige Theater in Deutschland würden durch die AfD und rechte Gruppen attackiert, sagte der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon, im Dlf. Die AfD stelle zum Beispiel Anträge, um Theatern Förderungen zu kürzen, wenn sie nicht "eine ausschließlich nationalistische Kultur auf der Bühne abbilden."

Ulrich Khuon im Gespräch mit Stefan Koldehoff | 14.01.2019

    Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters Berlin.
    Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters in Berlin (Klaus Dyba)
    Die Theater in Deutschland sehen sich laut Ulrich Khuon, dem Präsident des Deutschen Bühnenvereins, immer wieder Angriffen von Seiten der AfD und rechten Gruppierungen ausgesetzt.
    Das Hauptmittel seien im Moment dabei Anfragen und Anträge in den Gemeinderäten, und zwar dahingehend, dass man den Theatern finanzielle Förderungen streiche, "wenn sie sich nicht so verhalten, wie das von der Afd gewünscht" sei. "Das heißt eine ausschließlich national, nationalistische Kultur zu vertreten und auf der Bühne abzubilden". In Berlin sei das so unterschiedlichen Theatern wie dem Friedrichstadt-Palast, dem Gorki-Theater und dem Deutschen Theater passiert.
    Eine weiteres Mittel seien Störvorgänge. "Die Vorstellungen werden gestört", berichtet Khuon. "Das Mittel der Intervention hat die Afd nicht erfunden, aber es ist schon ein sehr gewalttätiges Mittel."
    Künstlerische Freiheit in Gefahr
    Weil man im Nationalsozialismus die Erfahrung der Gleichschaltung gemacht habe, habe man danach festgesetzt: "Theater müssen frei sein", so Khuon. Es herrsche in einem bestimmten Rahmen das Primat der künstlerischen Freiheit. "Und das ist nun in Frage gestellt, wenn man verpflichtet wird zu einer bestimmten Richtung".
    Wenn sich die Mehrheitsverhältnisse weiter verändern, und die Afd irgendwo den Ministerpräsidenten stellen würde, dann würden sich diese "Forderungen, Gängelungen oder Bevormundungen" steigern, befürchtet Khuon. "Und deswegen muss man jetzt schon so laut sagen, was da passiert."
    Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.