Mittwoch, 08. Dezember 2021

Deutscher Olympische SportbundDOSB in der Krise

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bekommt im Dezember ein neues Präsidium. Der umstrittene und viel kritisierte Noch-Präsident Alfons Hörmann hat entschieden, nicht wieder für das Amt zu kandidieren. Nun werden neue Vorwürfe gegen den Funktionär laut.

Von Andrea Schültke | 18.06.2021

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), bei der offiziellen Präsentation der Outfits für die deutsche Olympia- und Paralympics-Mannschaft
Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), bei der offiziellen Präsentation der Outfits für die deutsche Olympia- und Paralympics-Mannschaft (dpa/afp pool/Ina Fassbender)
"Ich muss sagen, dass ich mich von der dem DOSB-Präsidenten zugeschriebenen Äußerung persönlich sehr getroffen fühle", erklärt SPD-Politikerin Dagmar Freitag gegenüber der ARD. Damit reagiert die Vorsitzende des Bundestagssportausschusses jetzt auf eine Aussage, die Alfons Hörmann vor wenigen Tagen gemacht hat.
Darin ging es um Jonthan Koch, Athletenvertreter im Präsidium des DOSB. Dieser hätte in Abstimmungen "entsprechenden Beschlusslagen" mehrfach zugestimmt, sei dann aber mehrfach von außen "vom Verein Athleten Deutschland und vom Sportausschuss des Deutschen Bundestages unter Druck gesetzt worden", sich von den Beschlüssen zu distanzieren, zitiert die FAZ aus einer Aufnahme der Aussage.
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Athletenvertreter Koch steht im Mittelpunkt

Von dieser Behauptung Hörmanns distanziert sich Sportpolitikerin Dagmar Freitag gegenüber der ARD: "Ich kann für mich guten Gewissens erklären zu keinem Zeitpunkt, weder direkt noch indirekt in dieser Angelegenheit mit Jonathan Koch Kontakt gehabt zu haben."
Und auch der Verein Athleten Deutschland bezieht Position zu den Vorwürfen des DOSB-Präsidenten:
"Athleten Deutschland hat Jonathan Koch zu keinem Zeitpunkt hinsichtlich einer Beschlussfassung des DOSB-Präsidiums noch in irgendeiner sonstigen Angelegenheit unter Druck gesetzt", schreibt Geschäftsführer Johannes Herber auf Anfrage des Deutschlandfunks.
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Bereits vor einigen Wochen hatte Jonathan Koch das Verhalten des DOSB öffentlich beklagt. Es ging um einen anonymen Brief, in dem das Verhalten von DOSB-Präsident Alfons Hörmann gegenüber Mitarbeitenden kritisiert wurde. Daraufhin stellte sich das Präsidium des Dachverbandes in einer Ehrenerklärung hinter den Präsidenten.
Auch der Name von Jonathan Koch tauchte ohne dessen Zustimmung unter der Ehrenerklärung auf. Das hatte Koch öffentlich kritisiert.
Nun ging der ehemalige Ruderer erneut mit einer Richtigstellung an die Öffentlichkeit. Dieses Mal bezogen auf Hörmanns Aussage, Koch sei bei seinem Abstimmungsverhalten unter Druck gesetzt worden.
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Bleibt Hörmann in Tokio Delegationsleiter?

Dagmar Freitag hat Hörmann aufgefordert, seine entsprechenden Aussagen schriftlich zu widerrufen. Zusätzlich sprach sie gegenüber der ARD von der Hoffnung, "dass der DOSB nach den jüngsten Ereignissen doch noch einmal drüber nachdenkt, ob Herr Hörmann wirklich erste Wahl für die Delegationsleitung für Tokio ist."
Diese Delegationsleitung bei den Olympischen Spielen wird wohl eine der letzten Amtshandlungen von Alfons Hörmann als DOSB-Präsident sein. Nach anfänglichem Zögern folgt er nun doch der Empfehlung des DOSB-Ethikkomission um den ehemaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Der hatte dem Präsidium nach einer Untersuchung der Vorwürfe aus dem anonymen Brief nahegelegt, die Vertrauensfrage zu stellen und Neuwahlen anzusetzen.
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Die Neuwahlen stehen nun im Dezember an, Hörmann wird nicht wieder für das Amt des DOSB-Präsidenten kandidieren.
Auf die Frage nach seiner Delegationsleitung in Tokio antwortete Max Hartung, Säbelfechter, Olympiateilnehmer und Präsident des Vereins Athleten Deutschland:
"Ich war selbst bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 dabei. Kaum ein Verband hat sich für seine Athlet*innen so ins Zeug gelegt wie das DOSB-Team unter Leitung von Alfons Hörmann. Er ist bis Dezember der amtierende Präsident und ich gehe davon aus, dass er als Delegationsleiter das Team in Tokio verantworten wird."
Beim Verein Athleten Deutschland seien keine Forderungen nach einer Veränderung der Delegationsleitung eingegangen.