Zeitungs-Kommentare
Die Deutschlandfunk-Presseschau zu den Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern

Viele Zeitungen kommentieren den Ausgang der Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. "Rechte Radikale sind die großen Gewinner der Wahl in Schwerin, linke Radikale sind es in Berlin", heißt es etwa in der Neuen Osnabrücker Zeitung.

    Journalisten bei SPD-Wahlparty zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.
    Die Landtagswahlen sind zentrales Thema auf vielen Meinungsseiten der Tageszeitungen. (IMAGO / dts Nachrichtenagentur)
    Das Blatt schreibt weiter:
    "Rechte Radikale sind die großen Gewinner der Wahl in Schwerin, linke Radikale sind es in Berlin. Deutschland wird so nicht einfacher zu regieren. Beide Landtagswahlen führen noch einmal vor Augen, was daraus folgt, falls die Mitte keinen Kurs vorgibt. Eine Hoffnung bleibt: Wenn es in der Mitte einsam wird, findet man sich dort vielleicht zusammen. Migration, Energie, Klima: In einigen Feldern wurden die Linien zuletzt weicher. Das ist der richtige Weg", so die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG
    Die FRANKFURTER RUNDSCHAU betont die Möglichkeit für eine "linke Alternative" zur AfD:
    "Die Bundesrepublik rückt nach rechts. Die ganze Republik? Nein! Ein gallisches Dorf, das dem allgemeinen Trend trotzt wie in den Asterix-Comics, befindet sich ausgerechnet in der Hauptstadt. In Berlin hat die Linken-Politikerin Elif Eralp einen überraschend klaren Wahlsieg eingefahren. Die Erfolgsgeschichte zeigt: Wenn es gelingt, berechtigten sozialen Protest mit dem Kampf gegen rechts zu verbinden, sind auch Wahlsiege auf der linken Seite des politischen Spektrums möglich. In Mecklenburg-Vorpommern hat die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Manuela Schwesig es zwar nicht geschafft, die AfD einzuholen. Doch ihre beeindruckende Aufholjagd dürfte reichen, um weiter zu regieren. Schwesig hat sich deutlich abgesetzt von der Regierungspolitik im Bund, die von der eigenen SPD mitverantwortet wird."
    Die BADISCHE ZEITUNG warnt die SPD davor, die falschen Schlüsse aus dem Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern zu ziehen:
    "Die sonst sieche SPD darf Manuela Schwesigs fulminante Aufholjagd feiern, aber sie sollte diese nicht überbewerten. In Mecklenburg-Vorpommern gab es den von der "Frau gegen Blau" erhofften Sogeffekt: Die größte Kraft der Mitte wurde gestärkt, um einen neuen AfD-Triumph zu verhindern. Sollte die SPD sich nun im Bund von Schwesigs harter Reformkritik anstecken lassen, wäre das keine gute Nachricht. Denn in dem Punkt hat Friedrich Merz recht: Die Reformen müssen kommen."
    Die SAARBRÜCKER ZEITUNG meint dazu:
    "Merz geht am Wahlabend in die Offensive: Seine Botschaft: Ich ziehe durch, trotz der Niederlagen werde ich für den Reformkurs einstehen. Merz versucht mit aller Kraft, seine Kanzlerschaft zu retten, das wird am Sonntag klar. Doch ob das reicht für die nächsten Monate? Zweifel bleiben. Merz muss jetzt den Balanceakt schaffen, Union und SPD im Bundestag zusammenzuhalten. Es wird ein Drahtseilakt."
    Auch die NÜRNBERGER NACHRICHTEN gehen auf die Stellungnahme des Bundeskanzlers am Wahlabend ein:
    "Dass Merz unmittelbar nach der Prognose vor die Kameras trat, zeigt den Ernst der Lage, nicht nur für die CDU. Noch nie hat sich ein Kanzler unmittelbar nach Landesabstimmungen an die Nation gewandt. An den umstrittenen Reformen will er festhalten. Ob ihm das gelingt, ist ungewiss. Der 70-Jährige ist ein Regierungschef auf Abruf."
    Die FREIE PRESSE aus Chemnitz fragt:
    "Und nun? Ist das denkbar schlechteste Szenario, dass eine Regierung unter Merz sich durchwurschtelt wie bisher. Geht es mit diesem Kanzler auch anders? Es wäre ein mittleres politisches Wunder. Dass derzeit niemand sagen kann wie es in der CDU weitergeht, ist das eindeutigste Zeichen ihrer tiefen Krise."
    Über wichtige Reaktionen und aktuelle Entwicklungen informieren wir Sie in unserem Newsblog zuden Landtagswahlen.
    Diese Nachricht wurde am 21.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.