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StartseiteKalenderblattDie Inka-Stadt Machu Picchu wurde vor 100 Jahren entdeckt24.07.2011

Die Inka-Stadt Machu Picchu wurde vor 100 Jahren entdeckt

Perus Weltkulturerbe

Machu Picchu wurden durch den US-amerikanischen Forscher Hiram Bingham in den peruanischen Anden entdeckt. Die Ruinen zählen zu den berühmtesten archäologischen Stätten der Welt. Heute ist bekannt, dass die Siedlung keineswegs ein Machtzentrum der Inka darstellte, wie lange vermutet wurde.

Von Dirk Fuhrig

Machu Picchu bei Cusco in Peru. (Julio Segador)
Machu Picchu bei Cusco in Peru. (Julio Segador)

Vier Stunden dauert die Fahrt durch das Urubambatal. Der altertümliche Zug mit seinen Klub-Wagen schlängelt sich aus mehr als 3400 Metern Höhe von der Provinzhauptstadt Cusco durch die Berge. Rechts und links erst Felder, ab und an kleine Dörfer. Danach nur noch steile Felswände. An Bord des luxuriösen Orientexpress mit Namen "Hiram Bingham" wird ein fünfgängiges Menü serviert. Eine Straße führt - zumindest bislang - nicht zu dem heiligen Ort der Inka. Der Zug ist nach dem US-amerikanischen Historiker, Forscher und Politiker Hiram Bingham benannt: dem Entdecker Machu Picchus. Seine Eindrücke hielt er in dem Buch "Inca Land" ("Das Land der Inka") fest.

Im Juli 1911 betraten wir zum ersten Mal jene wundervolle Schlucht des Urubamba, wo der Fluss dem kalten Gebiet bei Cusco entflieht und zwischen gigantischen Granitfelsen hindurchstürzt.

Bauern aus der Gegend hatten den damals 35 Jahre alten Abenteurer auf die Terrassenanlage aufmerksam gemacht.

Vor allem aber erfasst einen hier die besondere Faszination, da und dort unter schwankenden Lianen oder oben auf einer vorstehenden Felsspitze das verfallene Mauerwerk einer untergegangenen Kultur zu finden.

Die Bauern hatten den Ort bereits Jahre vorher entdeckt - aber nicht weiter beachtet. Erst mit Hiram Bingham begann die Registrierung und wissenschaftliche Erkundung. Die Siedlung hoch in den Bergen galt als Zufluchtsstätte des "letzten Inka" auf seiner Flucht vor den spanischen Eroberern, die 1536 die Region um Cusco einnahmen. Gold, Silber und andere geheime Schätze wurden dort vermutet.

In Wahrheit weiß man bis heute nur sehr wenig über die Rolle der um 1440 erbauten Stadt, in der zu Blütezeiten wohl um die tausend Menschen lebten. Der deutsche Machu-Picchu-Experte Berthold Riese gibt den Forschungsstand wieder, nach dem die Siedlung allenfalls eine Nebenresidenz der Inka war.

"Als Machu Picchu entdeckt wurde, war es praktisch als ob es gerade erst verlassen worden sei. Natürlich die Dächer der Häuser waren nicht mehr vorhanden, aber die ganzen Mauern, die ganzen Anlagen, die Treppen, die Straßen, die Wasserversorgung, all das war noch vorhanden. Und das ist natürlich spektakulär, wenn man sich sagt, also eine Ruinenstätte, die seit 500 Jahren verlassen ist, ist in so gutem Zustand."

Auch weil sich die Stadt so malerisch an die Andenhügel schmiegt, ist Machu Picchu zum wirkungsmächtigsten Kulturdenkmal Perus geworden, sagt Milo Sambrano, der den Besuchern der Inka-Ruinen historische und archäologische Erklärungen liefert:

"Machu Picchu ist eine Ikone für die Identität unseres Landes. Hier ist die Kultur der alten Inka konzentriert. Zu dem Augenblick, als sie auf ihrem Höhepunkt war. Nämlich genau dann, als die Spanier nach Peru kamen und die Inka verdrängten."

Für die peruanische Gesellschaft ist Machu Picchu ein wichtiges Symbol. Alejandro Toledo, 2001 als erster Peruaner mit indigenen Wurzeln zum Staatspräsidenten gewählt, bezog sich immer wieder auf die Inka und auf Machu Picchu.

Seit 1983 ist Machu Picchu Weltkulturerbe der UNESCO. Mehr als 2000 Besucher klettern jeden Tag durch die Ruinen. Um noch mehr Besucher anzulocken, sah ein Masterplan unter anderem eine Seilbahn hinauf zum Eingang der Inka-Stadt vor. Für Denkmalschützer wie den streitbaren Ethnologen David Ugarte fast schon ein Sakrileg:

"Machu Picchu war und ist ein religiöser Ort. Den Inka waren die Berge heilig. Die Berge, das waren Götter für sie. Sie bauen doch auch keine Seilbahn an eine christliche Kathedrale. Das ist Barbarei."

Archäologen befürchten, dass die Infrastruktur, die für die ständig steigenden Besuchermassen gebaut werden muss, die Anlage beschädigen könnte. Die Erdrutsche und Überschwemmungen, die 2010 die Region verwüsteten, waren ein Warnsignal.

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