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StartseiteCampus & Karriere"Die meisten ausländischen Studierenden weltweit kommen aus China"27.07.2012

"Die meisten ausländischen Studierenden weltweit kommen aus China"

DAAD-Referatsleiter für China und die Mongolei über chinesische Studenten in Deutschland

Ein deutscher Studienabschluss bringe auf dem chinesischen Arbeitsmarkt Vorteile, sagt Niels Albers vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD). Dies sei ein Grund dafür, dass ein Großteil der erstmals über 250.000 ausländischen Studenten an deutschen Universitäten aus China stammen.

Niels Albers im Gespräch mit Ulrike Burgwinkel

Chinesische Studierende an der TU Chemnitz -  (picture alliance / dpa / Wolfgang Thieme)
Chinesische Studierende an der TU Chemnitz - (picture alliance / dpa / Wolfgang Thieme)

Ulrike Burgwinkel: Die Zahlen sind erfreulich. Erstmals waren in Deutschland mehr als 250.000 ausländische Studenten eingeschrieben. Das heißt, die Hochschulen sind einen guten Schritt weiter gekommen auf dem Weg zur Internationalisierung – einem durchaus angestrebten Ziel. Der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) hat nicht nur die Zahlen veröffentlicht, sondern natürlich maßgeblichen Anteil an der Entwicklung. Niels Albers ist Referatsleiter für China und die Mongolei beim DAAD. Guten Tag nach Bonn!

Niels Albers: Ja, hallo, guten Tag!

Burgwinkel: Herr Albers, wir beide reden miteinander, weil die meisten ausländischen Studenten aus dem Reich der Mitte kommen. Wieso das?

Albers: Ja, ich denke, da ist Deutschland keine Ausnahme, muss man betonen. Die meisten ausländischen Studierenden weltweit kommen aus China, das sind über 600.000, und davon kommen 23.000 ungefähr nach Deutschland. Das heißt, wir sind keine Ausnahme, wenn man sich Großbritannien oder USA ansieht. Warum das so ist? Ich denke, zum einen ist der gute Ruf Deutschlands in China dafür ausschlaggebend. Das heißt, ein Studienabschluss aus Deutschland, der bringt einem auf dem chinesischen Arbeitsmarkt Vorteile. Und es gibt einfach viele deutsche Unternehmen, die in China händeringend chinesische Fachkräfte suchen, und das hat sich rumgesprochen. Zum anderen, ein weiterer Punkt ist natürlich, dass die Lebenshaltungs- und Studienkosten in Deutschland relativ gering sind, verglichen mit anderen Ländern, und das ist ebenfalls ein ganz wichtiger Punkt, denn die meisten Studierenden aus China finanzieren ihr Studium selbst, beziehungsweise ihre Familien tun das.

Burgwinkel: Hat vielleicht auch die wachsende Anzahl an Kooperationen deutscher Hochschulen mit chinesischen Hochschulen damit was zu tun?

Albers: Ja, ganz bestimmt. Derzeit sind ungefähr 750 Hochschulkooperationen, und wir finden das also richtig gut, denn das heißt nicht nur, dass vermehrt Studierende aus China im Rahmen einer Kooperation nach Deutschland kommen, was an sich schon begrüßenswert ist, aber der Studienerfolg dieser Studierenden ist noch besser als im Durchschnitt. Schließlich müssen sie sich dann nicht um Details kümmern der Studienorganisation, es ist zum Teil auch einfach günstiger – das ist insgesamt eine sehr positive Entwicklung.

Burgwinkel: Und die Sprache stellt keine große Hürde dar?

Albers: Die Sprache ist nach wie vor eine große Hürde aus meiner Sicht, und es ist tatsächlich so, dass viele Studierende aus China Integrationsprobleme haben in Deutschland, und da ist nicht zuletzt das Problem der sprachlichen Vorbereitung ein großes Problem.

Burgwinkel: Ja, es wird immer wieder gesagt, dass die chinesischen Studierenden so ganz wenig am deutschen Campusleben teilnehmen und gerne unter sich bleiben. Wie könnte man denn die Integration vorantreiben?

Albers: Ich glaube, da können die Hochschulen eine ganze Menge leisten. Es gibt zum Beispiel Buddy-Programme, das heißt, da sind deutsche Studierende Ansprechpartner für ausländische Studierende, und das fördert der DAAD auch. Das ist zum Beispiel eine ganz tolle Möglichkeit, die Studierenden besser zu integrieren, indem man ihnen noch bessere Möglichkeiten gibt im Rahmen von vielleicht irgendwelchen Veranstaltungen, deutsche Studierende kennenzulernen, aber ich denke, da kann man auf Hochschulseite einiges machen. Aber nicht zuletzt liegt es auch an den Chinesen selbst, und wir reden den Chinesen zu, versucht doch zum Beispiel, in einem Sportverein mitzumachen oder nehmt teil an irgendwelchen organisierten Aktivitäten deutscher Studierender. Und das heißt, wir müssen auch die Chinesen manchmal ein bisschen aktivieren, und das können sowohl der DAAD als auch die Hochschulen, die deutschen Hochschulen, selbst machen.

Burgwinkel: Ich möchte noch mal einen kleinen Schritt zurückgehen, Herr Albers. In Bezug auf China gab es ja immer wieder Probleme mit der Prüfung der Hochschulzugangsberechtigung – die sind mittlerweile ausgeräumt?

Albers: Die sind mittlerweile weitgehend ausgeräumt. Es gab tatsächlich Probleme, weil Ende der 90er-Jahre sich die Fälle häuften, dass Zertifikate chinesischer Studierender nicht echt waren, dass es dort Fälschungen gab, zumindest aber Zweifel. Und seither gibt es die akademische Prüfstelle. Das ist eine Einrichtung in Peking, die das Auswärtige Amt den DAAD beauftragt hat. Und da gibt es ein Prüfverfahren, da wird geguckt, haben die chinesischen Bewerber auch tatsächlich die Qualifikationen, die in den Zeugnissen ausgewiesen sind. Und das ist ein Verfahren, das sich sehr gut bewährt hat. Mittlerweile haben wir da nur noch relativ wenige Fälle, wo wir eben das angesprochene Problem haben, und sogar Belgien und Österreich lassen mittlerweile ihre Bewerber über unsere APS, so nennen wir sie, in Peking überprüfen.

Burgwinkel: Vielen Dank für das Gespräch!

Albers: Sehr gern, danke!

Burgwinkel: Niels Albers, Referatsleiter China/Mongolei beim DAAD war das.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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