
Die NEW YORK TIMES meint: "Nur wenige Menschen werden Mitleid mit Maduro empfinden. Wenn es jedoch eine übergeordnete Lehre aus der amerikanischen Außenpolitik des vergangenen Jahrhunderts gibt, dann ist es die, dass der Versuch, selbst das verabscheuungswürdigste Regime zu stürzen, die Lage noch verschlimmern kann. Er treibt unser Land ohne triftige Gründe in eine internationale Krise. Wenn Trump etwas anderes behaupten will, schreibt die Verfassung vor, was er tun muss: Er muss sich an den Kongress wenden. Ohne die Zustimmung des Kongresses verstoßen seine Handlungen gegen US-Recht", kritisiert die NEW YORK TIMES.
Auch die WASHINGTON POST gibt zu Bedenken: "Wir haben viele unglückliche Jahre lang den Irak und Afghanistan beherrscht. Vielleicht läuft diesmal alles reibungslos und so wie der Präsident unbekümmert sagte, man wolle Venezuela 'regieren', bis 'wir einen sicheren, ordnungsgemäßen und vernünftigen Übergang schaffen können'. Übergang zu was? Vermutlich hat die Regierung Pläne. Es gibt da aber einen Spruch: 'Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm deine Pläne.' In der Zwischenzeit muss die Trump-Regierung Rechtfertigungen für die Intervention in Venezuela finden, ohne dabei Kategorien zu verwenden, mit denen Wladimir Putin und Xi Jinping der gewaltsamen Beendigung benachbarter Regime, die ihnen nicht gefallen, einen Anstrich von Scheinlegalität verleihen können. Die Beschwörungen der Trump-Regierung mit ihrem neu geprägten und unsinnigen Begriff 'Narco-Terrorismus' werden nicht ausreichen", prognostiziert die WASHINGTON POST.
Damit geht der Blick nach China. Der größte Abnehmer des venezolanischen Öls verurteilt den US-Angriff. Die chinesische Zeitung XIJING BAO glaubt jedoch, "Washington geht es dabei wohl nicht nur um das verlockende Ölvorkommen, wie es oft vermutet worden ist. Präsident Trump bekennt sich ja offen als Anhänger der Monroe-Doktrin und erhebt erneut Ansprüche seines Landes auf den südamerikanischen Kontinent. Mit der Festnahme Maduros will Trump zeigen, dass er mit allen ihm unliebsamen Staatsoberhäuptern hart umgehen kann. Er setzt gerade den neuen geopolitischen Kurs der Vereinigten Staaten um. Seine Hoffnung, als Präsident des Friedens in die Weltgeschichte einzugehen, ist nicht zuletzt mit diesem völkerrechtswidrigen Alleingang dahin. Vielleicht war das Weiße Haus in Venezuela taktisch gesehen erfolgreich. Doch die Geschichte Lateinamerikas zeigt, dass man mit solchen Vorgehen strategisch nur den Gegeneffekt erzielen kann", so der Kommentar der Zeitung XIJING BAO aus Peking.
Stichwort Instabilität in Lateinamerika. Die mexikanische Zeitung EL UNIVERSAL hingegen kommentiert das Vorgehen der USA verhalten optimistisch: "Es ist ein historischer Moment. Der Sturz des Regimes könnte die Tür zurück in eine Demokratie öffnen und einen Dominoeffekt auslösen, der sogar die kubanische Diktatur erreicht. Doch damit dieser Moment wirklich zu einer besseren Zukunft führt, muss die US-Regierung ihre schlimmsten Impulse zügeln. Wenn Präsident Trump erklärt, die Vereinigten Staaten wollten Venezuela regieren und amerikanische Ölkonzerne würden dort viel Geld verdienen, dann werden Erinnerungen an dunkle Kapitel der Geschichte wach. Etwa an Guatemala 1954 oder Chile 1973, wo US-Interventionen Diktaturen, Terror und anhaltendes gesellschaftliches Misstrauen hinterließen", mahnt EL UNIVERSAL aus Mexiko-Stadt.
Die iranische Zeitung TEHERAN TIMES meint: "Indem die Regierung in Washington das Völkerrecht umgeht und einen amtierenden Präsidenten festnimmt, verbreitet sie Instabilität in ganz Lateinamerika. Die USA untergraben die Prinzipien von Souveränität und Selbstbestimmung. Dabei sind ihre Ziele klar: Regimewechsel, Auflösung des unabhängigen politischen Systems in Venezuela und Sicherung der Kontrolle über die riesigen Ölreserven im Land. Es geht hier nicht um venezolanische Selbstverwaltung, sondern darum, eine Führung zu installieren, die amerikanischen Interessen dient. Der Rest der Welt sollte das nicht hinnehmen und eine Entscheidung treffen: Gesetz oder Willkür, Souveränität oder Herrschaft, Ordnung oder Chaos", heißt es in der TEHERAN TIMES.
Auch in Tokio gibt es Zweifel an der Rechtmäßigkeit dieses US-Angriffs. Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN meint: "Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Europa so heftig protestiert wie beim Irak-Krieg 2003, dieses Mal nicht hoch. Denn man kann sich kaum vorstellen, dass die europäischen Staaten ihre Beziehungen zu den USA für das Maduro-Regime opfern würden, gerade jetzt, wo die Bemühungen um die Beendigung des russischen Invasionskriegs auf die Ukraine vor einer wichtigen Phase stehen." ASAHI SHIMBUN aus Tokio warnt: "Kein Staat ist in der Lage, die Regierung in Washington zu stoppen."
Damit blicken wir auf die Perspektiven aus Europa. Die norwegische Zeitung VERDENS GANG stellt sich die Frage, wie es nun weitergeht: "Tatächlich haben die USA das venezolanische Regime durch die Entführung von Maduro enthauptet, aber der Regierungsapparat in Caracas scheint noch intakt zu sein. Auch ist unklar, wie sich Trump die Zukunft Venezuelas vorstellt. So lehnte er eine zentrale Rolle für Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado ab und sprach stattdessen von einer Führungsgruppe, die unter anderem aus Außenminister Marco Rubio und Kriegsminister Pete Hegseth bestehen solle. Gleichzeitig kamen aus Washington bereits Andeutungen zu Aktionen gegen Kuba. Man mag sich fragen, wie viel davon Hybris ist und inwieweit die gelungene spektakuläre Aktion in Caracas eine tatsächliche Wende in der US-Außenpolitik darstellt. Aber viele Menschen in Lateinamerika dürften - gelinde gesagt - besorgt sein, was ihr Selbstbestimmungsrecht betrifft", meint VERDENS GANG aus Oslo.
"Maduros Sturz und die Aussicht auf eine Rückkehr Venezuelas zur Demokratie dürfen ein Grund zur Freude sein. Doch die Art des Übergangs weckt Unbehagen", kommentiert der TAGESSPIEGEL. "Das Land hat die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt. Da gibt es reichlich Stoff für Narrative, in denen nicht Maduro der Bösewicht ist, sondern Trump. Dies sei ein Krieg um Öl. Und er füge sich ein in eine Kette von Yankee-Interventionen, um ihrem angeblichen 'Hinterhof' ihren Willen aufzuzwingen.Maduro das Opfer, Trump der Übeltäter? So ein Bild stellt die Wirklichkeit ebenso auf den Kopf wie die Mär von der gutwilligen Intervention für Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit. Doch die Zweifel an Trumps Motiven dürfen nicht den Blick auf die Chancen verstellen, die sich eröffnen. Das Urteil über den US-Angriff sollte davon abhängen, wie er für die Bürgerinnen und Bürger Venezuelas endet", so der Wunsch des TAGESSPIEGEL aus Berlin.
Und damit abschließend zu einer weiteren deutschen Stimme. DIE ZEIT ist auf der Seite derer, die den USA einen Bruch mit dem Völkerrecht vorwerfen. "Die Aktion selbst ist dabei filmreif und trumpesk, showman-style, geradezu eine Karikatur der übelsten historischen Momente amerikanischer Außenpolitik. Aber sie schafft auch Klarheit. Bei aller Inkonsistenz, bei aller inneren Zerrissenheit seiner Regierung und seiner Maga-Bewegung meint Trump es ernst mit der Großmachtpolitik, mit dem Anspruch auf die Beherrschung ganzer Weltregionen." DIE ZEIT verweist auf Trumps neue nationale Sicherheitsstrategie als Grundlage für sein Handeln und meint: "Welche Rechtfertigung da jetzt zusammengezimmert wird, ist aber letztlich ziemlich egal. Die Folge des Denkens in Einflusszonen ist eine Aufteilung der Welt in Staaten, die die Machtmittel haben zu herrschen; und in solche, die diese Machtmittel nicht haben und zu Unterwerfung und in eine Kooperation gezwungen sind."
