09. August 2026
Die Presseschau

Die uns vorliegenden Sonntagszeitungen kommentieren die zahlreichen Migranten aus Marokko in der spanischen Exklave Ceuta in Nordspanien. Außerdem geht es um das Verteidigungsabkommen zwischen Saudi-Arabien, Pakistan und der Türkei. Thema ist zudem der Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle.

Ein Kriminalbeamter entschärft die Drohne am Flughafen Leipzig/Halle. Neben ihm steht ein Sprengstoffroboter. Der Beamte trägt Schutzkleidung und einen Helm mit Visier.
Ein Kriminalbeamter entschärft die Drohne am Flughafen Leipzig/Halle. Neben ihm steht ein Sprengstoffroboter. Der Beamte trägt Schutzkleidung und einen Helm mit Visier. (imago / EHL Media)
Die WELT AM SONNTAG vermisst eine Reaktion der Politik auf die zunehmenden hybriden Angriffe: "Noch sind viele Fragen offen. Wer hinter der Tat steckt, ist unklar. Doch schon jetzt ist offensichtlich: Deutschland ist auf diese Bedrohung nicht ausreichend vorbereitet, wenn eine sprengstoffbeladene Drohne wie in Leipzig nur dank eines Busfahrers entdeckt und ausgeschaltet werden kann. Nach allem, was bislang bekannt ist, hat der Fall eine neue Qualität. Die Drohne war professionell zusammengebaut und mit Sprengstoff bestückt. Sie war technisch so ausgerüstet, dass sie schwierig zu detektieren ist. Möglicherweise war eine zweite Drohne im Spiel, die als Verstärker diente. Alles deutet auf professionelle Akteure hin. Sicherheitsexperten warnen seit Jahren vor diesem Szenario. Die rasante Entwicklung der Drohnentechnologie hat die Möglichkeiten für Angreifer vervielfacht. Kleine Fluggeräte können große Sprengkraft entfalten, enorme Distanzen überwinden und mit vergleichsweise geringem Aufwand eingesetzt werden. Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, wie 'kreativ' die Nutzung sein kann. Umso ernüchternder ist der Blick auf die deutsche Sicherheitsarchitektur. Wie kann es sein, dass ein Unternehmen wie DHL am Standort Leipzig eigene Systeme zur Drohnendetektion betreibt, während die Bundespolizei ihre Kapazitäten erst nach dem Vorfall sichtbar verstärkt? Wie kann es sein, dass ein Busfahrer die Gefahr erkennt und eingreift, bevor die Sicherheitsbehörden überhaupt im Bilde sind? Und wie kann es sein, dass Deutschland zwar seit Jahren über hybride Bedrohungen diskutiert, die Konsequenzen daraus aber nur schleppend zieht?", fragt die WELT AM SONNTAG.
In der NZZ am Sonntag, die in Zürich erscheint, heißt es: "Noch scheut sich die deutsche Regierung, Russland als Urheber dieses offensichtlichen Anschlagsversuchs zu benennen. Doch der Drohnenangriff reiht sich ein in die Serie von Sabotageakten, Mordkomplotten gegen Rüstungsunternehmer, Spionageflügen über Militär- und Industrieanlagen in Deutschland seit dem Beginn des Ukrainekrieges 2022. Die kleinen baltischen Staaten reagierten rasch und versuchen, die hybriden Angriffe Russlands oder auch Weissrusslands abzuwehren. Nicht so Deutschland oder andere westeuropäische Staaten, die Schweiz eingeschlossen. Je größer das Land, desto langsamer mahlen die Mühlen bei der Beschaffung der Abwehrtechnik", notiert die Schweizer NZZ am Sonntag.
Hören Sie nun Kommentare zur spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika, wo vorübergehend zehntausende Menschen von Marokko aus eingedrungen waren. In einem Gastkommentar der spanischen Zeitung LA RAZON ist zu lesen: "In Ceuta sind weiterhin mehrere tausend Migranten, aber niemand übernimmt die Verantwortung für diese inakzeptable Verletzung der territorialen Integrität Spaniens. Erst hat Marokko die Regierung gedemütigt, dann haben sich Ministerpräsident Sánchez und seine Sozialisten vor der EU-Kommission und den Innenministern blamiert. Wohl kaum ein anderes Land der EU würde sich so verhalten. Marokko hat offenbar versucht, das Problem seiner Jugendarbeitslosigkeit zu lösen, indem es minderjährige Migranten nach Ceuta oder Melilla schickt. Schließlich sind sie dann sofort eine Angelegenheit Spaniens und der EU, obwohl es selbstverständlich wäre, sie zurück zu ihren Familien zu bringen - denn dort gehören sie hin. Die Lage in Ceuta ist unhaltbar, und es lässt sich nicht ausschließen, dass sich so eine Krise wiederholt. In Madrid führt eine solche Inkompetenz weder zu einem Rücktritt noch zu einer Entlassung - obwohl fehlende Sicherheit und Kriminalität der Entwicklung von Ceuta schaden", moniert LA RAZON aus Madrid.
"Was wird Großbritannien unternehmen?", fragt THE SUNDAY TELEGRAPH aus London. "Obwohl wir weder Mitglied des Schengen-Raums noch der EU sind, sind unsere eigenen Grenzen beschämend durchlässig. Immer wieder reisen Migranten über den Ärmelkanal ein. Wird es einigen Migranten in Ceuta letztlich gelingen, das europäische Festland zu erreichen und dann den Ärmelkanal zu überqueren? Die legale Migration bleibt auf hartnäckig hohem Niveau, was die öffentlichen Dienste unter Druck setzt und dazu beiträgt, soziale Unruhen zu schüren. Glücklicherweise liegen die Entscheidungen über unsere Grenze nach dem Brexit allein bei uns. Derzeit hat die Labour-Regierung keinen wirklichen Plan, um Grenzübertritte zu unterbinden. Was gedenkt Premierminister Burnham dagegen zu unternehmen? In seinen ersten Wochen in der Regierung gab es eine Flut von Ankündigungen, aber fast nichts zu diesem wichtigen Thema", kritisiert der britische SUNDAY TELEGRAPH.
Saudi-Arabien, Pakistan und die Türkei haben ein Verteidigungsabkommen beschlossen. Die aserbaidschanische Zeitung MÜSAVAT rechnet mit weitreichenden geopolitischen Folgen: "Das Abkommen kann als Beginn einer neuen Phase in der Sicherheitsarchitektur des Nahen Ostens und Südasiens betrachtet werden. Hervorzuheben ist zudem, dass die wohl bemerkenswerteste Bestimmung des Abkommens das Prinzip der kollektiven Verteidigung betrifft. Dem Dokument zufolge gilt ein bewaffneter Angriff auf einen der beteiligten Staaten als Angriff auf die beiden anderen Länder. Dies zeugt von der Absicht der drei Länder, ihre Sicherheitspolitik zu koordinieren. Interessanterweise ist die Türkei NATO-Mitglied und verfügt über ein bedeutendes militärindustrielles Potenzial. Pakistan besitzt nicht nur Atomwaffen, sondern zählt auch zu den wichtigen militärischen Machtzentren Südasiens. Saudi-Arabien besticht wiederum durch enorme Finanzkraft, Energieressourcen und politischen Einfluss im Nahen Osten. Die Fähigkeiten dieser drei Länder ergänzen sich also", unterstreicht MÜSAVAT aus Baku.
Die Zeitung KARAR aus Istanbul fragt: "Welchen Zweck könnte das derzeitige Bündnis haben? Die einen sagen, es sei gegen Israel, die anderen, es sei gegen den Iran. Der Vertrag von Mekka ist in vielerlei Hinsicht überraschend. Was ihn noch überraschender macht, ist die Anwesenheit Pakistans. Pakistan hatte sich verpflichtet, bei der Suche nach einem Waffenstillstand und Frieden zur Beendigung der Angriffe auf den Iran zu vermitteln. Nun ist es jedoch Gründungsmitglied der Allianz, von der einige Beobachter behaupten, sie richte sich gegen den Iran. Es ist erstaunlich. Der wichtigste der erklärten Grundsätze des Bündnisses besagt, dass ein Angriff gegen eines der Mitglieder als Angriff gegen die anderen betrachtet wird. Dies könnte bedeuten, dass Saudi-Arabien im heutigen Kriegsumfeld von der Türkei und Pakistan gegen den Iran geschützt wird", meint KARAR aus Istanbul.
In den USA hat knapp drei Monate für den wichtigen Midterms der linke Politiker Abdul El-Sayed bei den Demokraten eine Vorwahl gewonnen. "Amerika hat endlich mehr Wahl", titeln die LÜBECKER NACHRICHTEN. "Bei den Zwischenwahlen im November tritt damit erstmals seit Generationen ein offen linker Kandidat in einem Wechselwählerstaat für einen Senatssitz an. Mit diesem und einer Reihe ähnlicher Erfolge in den letzten Monaten ist eine neue Phase in der amerikanischen Politik angebrochen: Breitere Wählerschichten haben die Möglichkeit, sich mit den Ideen progressiver Kandidaten auseinanderzusetzen und für oder gegen sie zu stimmen. Unterdessen kann sich jeder ein Bild davon machen, wie linkes Regieren aussieht. Dafür muss man nur zum – bislang noch sehr beliebten – sozialistischen Bürgermeister Zohran Mamdani nach New York schauen. Wo auch immer man politisch steht, ob man Mindestlöhne, Kündigungsschutz oder die Verstaatlichung von Infrastruktur für richtig hält oder für einen Irrweg: Eine Demokratie muss für Ideen offen sein. Ob die Amerikaner es auch sind, wird sich bei den kommenden Wahlen zeigen." So weit die LÜBECKER NACHRICHTEN.