02. Januar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Kommentiert wird die Neujahrsansprache von Bundeskanzler Merz sowie die wirtschaftliche Situation in Deutschland. Zunächst ziehen die Zeitungen eine Silvesterbilanz.

Bundeskanzler Friedrich Merz
Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner Neujahrsansprache. (AP / Kay Nietfeld)
Die NÜRNBERGER NACHRICHTEN beobachten: "Im Vergleich zum Vorjahr, als besonders in Berlin noch mehr Krawall zu beklagen war, ist dieser Jahresauftakt weniger schlimm ausgefallen. Doch bleibt ein fader Beigeschmack: Was treibt Menschen an, die Polizisten, Sanitäter und Feuerwehr offenbar als Freiwild deklarieren, die Raketen, Böller, Glasflaschen und andere Gegenstände den Einsatzkräften, die ihren Dienst verrichten, entgegenwerfen?", fragen die NÜRNBERGER NACHRICHTEN.
"Zwei Dutzend schwere Handverletzungen mit Amputationen meldete allein eine einzige Unfallklinik der Hauptstadt", hebt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG hervor: "Ein ganz normaler Jahreswechsel? Silvester ist längst so etwas wie bewaffneter Karneval geworden. Man feiert auf offener Straße den Ausnahmezustand und lebt den Regelbruch. Wo an Karneval Kamelle fliegen, sind es an Silvester brennende Sprengkörper. Zunehmend illegale, damit es so richtig rummst", moniert die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.
Die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN befürworten ein Böllerverbot: "Appelle an die Vernunft sind zwecklos, wie man auch bei diesem Jahreswechsel wieder gesehen hat, wo tagelang rücksichtslos gerummst wird. Und am besten sollte ein Gesetz gegen private Knallerei noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Dann ist auch der unreife Aufstand wie in den Niederlanden gesehen verhindert. Lasst die Profis feuerwerken. Amateure können immer noch die Korken knallen lassen", heißt es in den Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN.
In seiner Ansprache zum Neuen Jahr hat Bundeskanzler Merz weitere Sozialreformen angekündigt. "Deutschland kann seine strukturellen Schwächen nicht länger beschönigen", stellt die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg fest: "Gesundheitswesen, Rente, Bildung, Bundeswehr und Infrastruktur stehen zugleich unter Druck. Kanzler Merz hätte den Bürgern eine ehrliche Bestandsaufnahme und eine belastbare Perspektive für einen Neustart geben müssen. Seine Neujahrsansprache wirkte dagegen beschwichtigend. 2026 wird zum Entscheidungsjahr: nötig sind Priorisierung, das Streichen überholter Versprechen, Investitionen in Kernbereiche sowie ein Schub bei Digitalisierung und KI – sonst droht ein kaum reparabler Vertrauensbruch in die Demokratie", befürchtet die SCHWÄBISCHE ZEITUNG.
"Merz hat in den ersten Monaten seiner Kanzlerschaft bewiesen, dass er kein Talent fürs Treffen des richtigen Tons hat", meint die TAGESZEITUNGTAZ. "Und das ist auch in seiner ersten Neujahrsansprache so. Statt wie ein Regierungschef zu den Bürgern spricht er wie ein Firmenvorstand zu seiner Belegschaft. Diese Ansprache ist nicht dazu angetan, seine schlechten Umfragewerte zu heben. Im Gegenteil. Merz streift die großen Themen der Gegenwart: den Krieg Russlands gegen die Ukraine, das gewandelte Verhältnis zu den USA, Europa, Migration, die Rente, den Sozialstaat. Die Klimakrise ist für ihn hingegen nicht mehr als eine Fußnote. Seine Priorität: Immer wieder kommt er auf die deutsche Wirtschaft zu sprechen, die unter Druck stehe. Nur an einer einzigen Stelle kommt er auf die Sorgen der Menschen im Land zu sprechen: die Sorge um den Frieden. Die räumt er mit dem lapidaren Satz ab: 'Ich sage Ihnen: Wir sorgen für Frieden' – ohne zu erklären, wie das denn gehen könnte", kritisiert die TAZ.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG findet es bemerkenswert, dass der Kanzler in seiner Ansprache die Bürger um Geduld bat: "Ausgerechnet Merz möchte man sagen, dem früher nie etwas schnell genug gehen konnte. Der sogar einmal angekündigt hat, gleich am ersten Tag im Kanzleramt Dinge per Richtlinienkompetenz durchsetzen zu wollen. Jetzt hat er in seiner Ansprache eingestanden, dass demokratische Prozesse halt 'manchmal zäh und streitig' seien. Hinter der Bitte um Geduld versteckt sich allerdings auch die Hoffnung, dass sich die miserablen Umfragewerte irgendwann doch noch verbessern. Denn in der Regierung fühlen sich viele nicht gerecht bewertet. Das neue Kabinett hat schon 136 Gesetzentwürfe beschlossen – das ist tatsächlich eine große Zahl. Natürlich fehlt noch einiges, aber unter den neuen Gesetzen sind auch große Projekte. In der Regierung sprechen sie deshalb gerne von der 'Umsetzungsverzögerung' und hoffen, dass die Umfragewerte steigen, wenn die vielen Gesetze anfangen zu wirken", erklärt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
Der WESER-KURIER aus Bremen merkt an: "Es ist die Aufgabe der Bundesregierung, im neuen Jahr 2026 die Reform der Sozialversicherungen anzugehen und diesen Prozess ausgewogen zu gestalten. Das wird ein Kraftakt. Aber wenn es den beiden einstigen Volksparteien nicht gelingt, einen Kompromiss zwischen sozialer Sicherheit und Finanzierbarkeit zu finden, wem sollte das sonst gelingen? Insofern ist es gut, dass Merz mit Zuversicht und Selbstvertrauen ins neue Jahr geht – er wird es brauchen", glaubt der WESER-KURIER.
Mit Blick auf die steigenden Krankenkassen-Beiträge mahnt die LAUSITZER RUNDSCHAU aus Cottbus: "Wenn Gesundheitsministerin Warken von der CDU nicht handelt, steigen die Beitragssätze immer weiter an. Aktuell sind es vor allem die steigenden Kosten in den Krankenhäusern, bei den Arzneimitteln und in den Praxen, die das System unter Druck setzen. Allerdings könnten die massenhaften Entlassungen in der Industrie sowie die steigende Arbeitslosigkeit schon bald dafür sorgen, dass sich die Situation ändert und auch die Einnahmen einbrechen. Angesichts dieses Zeitdrucks muss 2026 tatsächlich das Jahr der Reformen werden, will die Regierung Schlimmeres vermeiden", fordert die LAUSITZER RUNDSCHAU.
Zuletzt geht es um die wirtschaftliche Lage in Deutschland und die Aussichten für das Neue Jahr. Das STRAUBINGER TAGBLATT unterstreicht: "Wer Investitionen in die wirtschaftliche Tätigkeit fördern will, der muss die Voraussetzungen für erfolgreiches Wirtschaften schaffen. Das bedeutet die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit, soweit dies im staatlichen Rahmen möglich ist, nämlich durch niedrigere Arbeitskosten, Senkung der Steuerbelastung und billigere Energie. Hinzu kommt noch eine Reform der Sozialversicherungen, um langfristig Klarheit über die Belastungen auf dieser Seite zu bekommen."
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE geht auf die mögliche Entwicklung beim Handel mit Wertpapieren ein: "Die Börsenprofis sagen für 2026 ordentliche Zugewinne voraus. Risiken gibt es natürlich. Niemand weiß, welche Kapriolen US-Präsident Trump schlägt. Als er im Frühjahr den Zollhammer schwingend durch die internationale Arena der Weltwirtschaft pflügte, schickte er die Kurse weltweit in den Keller. Dennoch erholten sich die Aktienmärkte erstaunlich schnell von dem Schlag. Bestimmend für die Entwicklung der Börsen weltweit ist die Politik der US-Notenbank Fed. Die Währungshüter dürften ihren Kurs der schrittweisen Zinssenkungen fortsetzen", vermutet die AUGSBURGER ALLGEMEINE.
"Die Wirtschaftsbosse klagen, die Rentenversteher sind kurz vor der Ohnmacht und wenn es um Gesundheit, Bahn, Brücken, Bundesautobahnen geht, ist das Gejammer ebenfalls groß", notiert die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt an der Oder: "'Es möchte kein Hund so länger leben', sagen mit Faust große Teile der Bevölkerung und ergeben sich der Magie diverser Online-Chats. Und die Zukunft? 2026? Um mit dem Wichtigsten anzufangen: Deutschland wird Männerfußball-Weltmeister. Na sagen wir: Wir werden mindestens Dritter. Wie 2006. Die Bundeswehr bekommt endlich funktionierende digitale Funkgeräte. Die deutsche Wirtschaft setzt zum großen Sprung an. Ja, zugegeben, bei all dem ist viel Hoffnung dabei. Entscheidend wird sein, dass wir uns etwas zutrauen und uns nicht verängstigen lassen", konstatiert die MÄRKISCHE ODERZEITUNG. Und damit endet diese Presseschau.