06. Januar 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Kommentiert werden die Regierungskrise in Brandenburg und der Anschlag auf eine Stromtrasse in Berlin. Zunächst aber steht der US-Angriff in Venezuela erneut im Mittelpunkt.

Das Bild zeigt Venezuelas Präsident Maduro und seine Frau in Gewahrsam von Polizisten in New York.
Inhaftiert in New York: Venezuelas Präsident Maduro und seine Frau. (picture alliance / abaca / CNP / ABACA)
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER schreibt zur Rolle Europas: "Gut wäre eine kühle Abgrenzung der EU und Großbritanniens von dem US-Vorgehen, damit sie einen Bruch des Völkerrechts ebenso glaubhaft kritisieren können, wenn sich China Taiwan einverleibt oder Russland Georgien schluckt. Und sie müssen sich im Wortsinn für den Fall munitionieren, dass der russische Präsident Putin das Baltikum angreift. Damit Europa sich dann hoffentlich ohne Hilfe der USA verteidigen kann", erwartet der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG analysiert die Reaktion des Bundeskanzlers: "Merz will nicht mit offener Kritik an Washington sein gutes Verhältnis zu Trump riskieren. Von Trumps Bereitschaft, auf die Europäer zu hören, und von seinem Wohlwollen hängen aber nicht nur das künftige Schicksal der Ukraine ab, sondern auch die Sicherheit und der Frieden in ganz Europa. Trump leistete, angezogen von Venezuelas Öl und um davon abzulenken, dass das versprochene 'goldene Zeitalter' für die Amerikaner noch ziemlich bleiern ist, der schon laufenden Ausbreitung des Rechts des Stärkeren in der Welt weiteren Vorschub. Deutschland hat dem, weil es militärisch schwach ist und auch wirtschaftlich keine Weltmacht mehr, wenig entgegenzusetzen. Es muss eine Rosskur machen und den engen Schulterschluss mit denjenigen europäischen Verbündeten suchen, die erkennen, was die Stunde geschlagen hat", fordert die F.A.Z.
Die FRANKFURTER RUNDSCHAU kritisiert das Verhalten vieler EU-Staaten: "Die Europäer hätten den völkerrechtswidrigen Alleingang von Donald Trump gegen Venezuela verurteilen sollen, so wie später die Mehrheit der UN. Schließlich sind Deutschland und die anderen EU-Staaten auf eine regelbasierte Weltordnung angewiesen und sollten sich deshalb für sie einsetzen. Doch dafür müssten sie wissen, für welche Ziele das Staatensystem künftig streiten will. Es wird nicht reichen, sich mit windelweichen Statements gegen Trumps Politik des Stärkeren zu stellen aus Rücksicht auf das Gemüt des US-Präsidenten", meint die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf notiert: "Politisch ist es verzwickt, und das ist der Grund für die verdrucksten Reaktionen aus der Koalition und auch aus der Europäischen Kommission. Europa braucht die USA, eine zu große Distanzierung vom amerikanischen Vorgehen könnte sich als Bumerang erweisen, so die Einschätzung hinter den Kulissen. Denn ohne die mittlerweile fragile Unterstützung der Vereinigten Staaten geht in Europa wenig. Es ist ein hoher Preis, den die Europäer gerade zahlen", unterstreicht die RHEINISCHE POST.
Die Zeitung ND DER TAG aus Berlin blickt auf die Lage in Venezuela: "Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez steht vor einer Gratwanderung: Außenpolitisch steht sie der offenen Drohung des US-Präsidenten Donald Trump gegenüber, dass es ihr noch schlimmer ergehen könnte als ihrem Vorgänger Nicolás Maduro, so sie sich nicht den Wünschen der USA fügt und die sind umfassend. Innenpolitisch braucht Rodríguez für jeden Deal mit den USA ausreichend Rückendeckung. Für Venezuela bleibt nur Deal oder Krieg. Die Entscheidung darüber wird primär in Washington fallen", so die Erwartung von ND DER TAG.
Die BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG geht ein auf das Verhalten der EU angesichts der erneuerten Aussage von US-Präsident Trump, sein Land würde Grönland beanspruchen: "US-Präsident Donald Trump droht wenige Tage nach dem zweifelhaften Militäreinsatz seines Landes in Venezuela erneut damit, dass sich die Vereinigten Staaten Grönland einverleiben könnten – also ein autonomes Territorium, das zum Königreich Dänemark gehört. Und der Brüsseler EU-Kommission fällt nichts Besseres ein, als zwei Sprecherinnen vorzuschicken, die im Namen der Union die Achtung der 'Grundsätze der nationalen Souveränität und der territorialen Integrität' beschwören und ansonsten auf einen Tweet der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas zum selben Thema vom 22. Dezember verweisen. Keine Pointe. Man muss es so deutlich sagen: Ein Land, das sich gewaltsam oder mit Erpressung Gebiete eines befreundeten Landes aneignet, ist kein Verbündeter mehr und erst recht keine Schutzmacht. Sondern ein Feind", betont die BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG.
Die TAZ schreibt zum Anschlag auf eine Stromtrasse in Berlin: "Wegen des Anschlags sind wahrscheinlich bis Donnerstag zehntausende Berliner mitten im Winter ohne Strom und Heizung. Man muss schon sehr verblendet sein, um anzunehmen, dass das den Klimaschutz voranbringt. Im Gegenteil: Solche Aktionen tragen dazu bei, dass zahlreiche Menschen sich durch den Kampf gegen die Erderwärmung bedroht fühlen. Viele werden eben nicht differenzieren zwischen friedlichen Aktivisten und zerstörungswütigenHeißspornen. Am Ende bleibt eine einfache Wahrheit: Wer den Klimaschutz voranbringen will, muss mehr Wähler überzeugen – nicht ihnen den Strom abdrehen", empfiehlt die TAZ.
Das STRAUBINGER TAGBLATT bemerkt: "Es ist schön, dass Berlin über drei Milliarden Euro ausgibt, um Bäume zu pflanzen. Dringlicher wäre es, in den Schutz der kritischen Infrastruktur zu investieren, Trafostationen, Leitungen und Knotenpunkte besser zu schützen und den Bevölkerungsschutz zu stärken", mahnt das STRAUBINGER TAGBLATT.
Die BERLINER ZEITUNG kritisiert das weitgehende Ausbleiben von Stellungnahmen aus dem linken politischen Spektrum nach dem Brandanschlag: "Von der Mobilisierung gegen rechts bis zum Feminismus: NGOs und linke Leitfiguren wie die Klimaaktivistin Luisa Neubauer oder die Linke-Vorsitzende Heidi Reichinnek trommeln binnen Minuten Tausende zusammen. Doch wenn ein linksextremer Anschlag Zehntausende Berliner in die Kälte schickt, herrscht ein ohrenbetäubendes Schweigen. Die Nächstenliebe der 'Guten' scheint selektiv zu sein. Wenn es darum geht, gegen rechts zu mobilisieren, sei es gegen die AfD oder die Union, funktioniert die Social-Media-Maschine tadellos. Passt der Täter nicht ins Feindbild, bleibt die Heizung eben kalt und das Smartphone der Aktivisten stumm", bilanziert die BERLINER ZEITUNG.
Die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN sehen es ähnlich: "Selten war das Schweigen so beredt wie hier: Während linksextreme Terroristen Teile des Berliner Stromnetzes lahmlegen und dadurch unschuldige Familien mitten im Winter im Dunkeln sitzen, fehlt der Aufschrei, den die Republik ansonsten immer wieder erlebt. Oder anders ausgedrückt: Wären die Terroristen von Berlin Rechtsextreme gewesen, es hätte Sondersendungen bei den öffentlich-rechtlichen Medien gegeben. Nicht nur die Omas gegen Rechts hätten mobilisiert, sondern wohl auch Teile der regierenden SPD. Es wird Zeit, dass es in Deutschland wieder eine klarere Einordnung gibt, die nicht von Ideologien überlagert wird", urteilen die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN.
Abschließend noch Stimmen zur Regierungskrise in Brandenburg, nachdem Finanzminister Crumbach das BSW verlassen hat. Die DITHMARSCHER LANDESZEITUNG aus Heide schreibt: "War’s das für das Wagenknecht-Bündnis? Totgesagte leben bekanntlich länger. Aber derzeit spricht viel dafür, dass dem fulminanten Aufstieg des BSW ein ebenso rasantes Ende folgt. Oder um im jahreszeitlich bedingten Bild zu bleiben: Nach ihrer Scheidung von der Linkspartei hatte Sahra Wagenknecht ein Projekt gestartet, das wie eine Rakete zündete. Nur steigen Raketen schnell auf und verglühen dann", schreibt die DITHMARSCHER LANDESZEITUNG.
Die MÄRKISCHE ODERZEITUNG aus Frankfurt/Oder lobt Crumbach: "Die Entscheidung verdient Respekt. In jenem Moment, in dem weltweit Ordnungen wanken, Egoisten mit Gewalt herrschen und demokratische Institutionen schwächeln, zeigt Crumbach das, was politische Führer in Deutschland und Europa – zuletzt zu Venezuela – vermissen lassen: Haltung! Kein Herumeiern. Keine diplomatischen Floskeln. Haltung. Genau das ist es, was Brandenburg Anfang 2026 braucht: Klarheit und ein gerades Kreuz", bekräftigt die MÄRKISCHE ODERZEITUNG. Und damit endet diese Presseschau.