07. August 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Es geht unter anderem um das Niedrigwasser in Deutschland und die mutmaßliche Verständigung von Iran und Oman über eine Öffnung der Straße von Hormus. Zentrales Thema vieler Meinungsseiten ist aber weiterhin der Fund einer Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle.

Eine ukrainische Antonov parkt am Flughafen Leipzig/Halle hinter einem Zaun auf dem Flughafengelände. Der Zaun ist mit Stacheldraht gesichert.
Viele Zeitungen kommentieren auch heute den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle. (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)
Die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG befasst sich mit dem möglichen Auftraggeber für den Drohnenflug: "Der Verdacht, dass es sich um einen versuchten Anschlag im Auftrag Russlands handeln könnte, steht nicht nur im Raum, er lässt sich auch gut begründen. Der russische Militärgeheimdienst lässt an vielen Stellen auf dem Kontinent spionieren, sabotieren und Anschläge verüben. Oft nutzt er dazu online angeheuerte Amateure – das reduziert nicht nur das Risiko, dass eigene Geheimdienstoffiziere verhaftet werden, sondern eröffnet Spielraum, die Taten abzustreiten. In Sicherheitskreisen sorgt man sich schon seit Längerem, dass diese Eskalation immer weiter gen Westen zieht. Diese Sorge ist offensichtlich berechtigt. Wir müssen deshalb umso enger mit denen zusammenarbeiten, die wissen, was das heißt. Das sind vor allem die Ukrainer: Sie haben nicht nur das technische Know-how, sondern können uns auch in Sachen Widerstandsfähigkeit einiges lehren", hält die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG fest.
Die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg konstatiert: "Deutschland erlebt keine Zufälle, sondern eine gezielte Serie hybrider Angriffe. Das ist ein Krieg gegen unsere offene Gesellschaft. Treibende Kraft ist Russlands Diktator Putin. Sein Kalkül: Demokratien erschüttern, Vertrauen in den Staat zersetzen, Gesellschaften spalten. Klar ist auch: Deutschland kann nicht jede Leitung, jedes Stellwerk, jeden Funkmast und jeden Flughafen lückenlos schützen. Unsere Antwort muss sein: ein robuster Staat, eine vorbereitete Gesellschaft und eine Demokratie, die gerade unter Druck ihre Stärke zeigt", stellt die SCHWÄBISCHE ZEITUNG klar.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG warnt vor voreiligen Schlüssen: "Der verwendete Sprengstoff legt staatliche oder zumindest staatlich unterstützte Akteure nahe; die Nähe einer aufgefundenen Drohne zu ukrainischen Flugzeugen verweist auf Russland. Aber es sind eben nur Hinweise, keine Gewissheiten. Deswegen ist es unseriös, Russland als Schuldigen zu benennen. Der Staat muss sich schon sicher sein. Es geht hier um eine Frage von weitreichender außenpolitischer Bedeutung. Müsste die NATO reagieren? Oder müsste man weitere Sanktionen gegen das Land verhängen? Es liegt in der Natur der hybriden Kriegsführung, dass sie genau dieses Dilemma hervorruft: Sie stiftet Unruhe, kann sogar großen Schaden verursachen, aber sie lässt sich meist nicht eindeutig zurechnen. Deshalb kommt es hier in erster Linie auf die Abwehr an. Da hat Deutschland offenbar immer noch erhebliche Defizite", moniert die F.A.Z.
Ähnlich sieht es das HANDELSBLATT: "Wie so oft hat Deutschland offensichtlich kein Gesetzes-, sondern ein Vollzugsproblem. Bei der Beobachtung des bodennahen Luftraums sind die Behörden weiter nahezu blind. Das beste Drohnenabwehrzentrum nützt nichts, wenn der Bundespolizei an den Flughäfen noch die Abfanggeräte fehlen. Und auch die rechtliche Grundlage ist noch nicht so, dass die Behörden bei solchen Vorfällen schnell und unkompliziert handeln können", vermerkt das HANDELSBLATT.
Der TAGESSPIEGEL aus Berlin beobachtet ein mangelndes Bewusstsein für die Gefahrenlage: "Die Deutschen und ihre Politiker sehen sich nicht im Krieg. Das ist verständlich. Krieg ist, wenn hier bei uns geschossen wird. Das ist nicht der erlebte Alltag, also leben wir im Frieden. Das stimmt jedoch nicht mehr. Wir leben in einer Grauzone, dem Unfrieden. Man möchte hoffen, dass der gescheiterte Anschlag von Leipzig wie ein heilsamer Schock wirkt und die Kräfte freisetzt, um den seit Jahren überfälligen Schutz ziviler Infrastruktur mit mehr Elan voranzutreiben. Deutschland kann Krise, aber nach aller Erfahrung immer erst dann, wenn eine Mehrheit verstanden hat, wie elementar diese Krise ist", heißt es im TAGESSPIEGEL.
Auf einer Krisensitzung in Bonn hat Bundesverkehrsminister Bilger mit Wirtschaftsvertretern und Behörden über das aktuelle Niedrigwasser in vielen Flüssen beraten. Die Zeitungen der MEDIENGRUPPE BAYERN bemerken: "Wasserwege haben in Deutschland keine Priorität. Doch wenn die Pegel wie jetzt an Rhein, Donau und Elbe gefährlich tief sinken, dann fällt schnell auf, wie entscheidend dieser Verkehrsträger ist. Können Frachtschiffe nicht ablegen, reißen im schlimmsten Fall Lieferketten, die Versorgung der Bevölkerung gerät in Gefahr. Doch die Politik hangelt sich mit Notfallplänen durch und stellt Maßnahmen in Aussicht, die kurzfristig Abhilfe schaffen. Dabei fehlt ein Gesamtkonzept mit Weitsicht, das alle Verkehrswege zusammen denkt und gleichzeitig Klimaanpassungsmaßnahmen vorantreibt", kritisiert die MEDIENGRUPPE BAYERN.
Der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER fasst die Ergebnisse des Krisentreffens zusammen: "Verkehrsminister Bilger erwägt, das Lkw-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen aufzuheben, will mehr Güter auf die Schienen bringen. Die Binnenschifffahrt will dagegen etwas ganz anderes: Sie möchte so schnell wie möglich tiefere Fahrrinnen. Das war wohl auch der Grund, warum keine Umweltverbände zum Treffen geladen waren. Mehr Güter auf die Schienen – warum nicht? Das Problem: Die DB Cargo leidet genauso unter dem maroden Schienennetz wie die Deutsche Bahn. Eine Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Lkws? Das mag kurzfristig sinnvoll sein, doch ist aufgrund der vielen Transportfirmen, die schon jetzt über zu wenige Fahrer klagen, auch kein Allheilmittel. Und tiefere Fahrrinnen führen eben nicht zu größeren Wassermengen in den Flüssen", betont der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER gibt zu bedenken: "Massenhaftes Fischsterben, steigende Wassertemperaturen, sinkender Sauerstoffgehalt, ausgetrocknete Auen - Niedrigwasser in den Flüssen ist nur Teil einer Wasserkrise, die sich durch den Klimawandel weiter verschärfen wird. Welche Folgen haben höhere Konzentrationen an Schadstoffen für die Trinkwassergewinnung aus dem Rheinuferfiltrat? Wie machen wir die Flüsse widerstandsfähiger? Ein Bundesverkehrsminister muss diese Fragen nicht beantworten. Aber Bilger kann sich auch nicht allein auf die Folgen der ausgetrockneten Wasserstraßen für die Wirtschaft konzentrieren, sondern muss als Mitglied der Bundesregierung das gesamte System im Blick haben", verlangt der KÖLNER STADT-ANZEIGER, und soviel zu diesem Thema.
Nach Angaben aus Teheran haben sich Iran und Oman auf neue Routen durch die Straße von Hormus geeinigt. "Allein der Fakt, dass die USA an diesen Gesprächen nicht beteiligt sind, entlarvt, wie sicher sich die Iraner ihrer Sache sind", schreibt der NORDBAYRISCHE KURIER aus Bayreuth: "Ihr Spiel auf Zeit und ihre treffsichere Analyse von Trumps Wankelmütigkeit im Krieg scheinen sich auszuzahlen. Käme die Regelung wie geplant, dann hätten sie auf lange Sicht die Kontrolle über die Straße von Hormus. Sie könnten jederzeit erneut den Golfstaaten den Zugang abschneiden und die Weltwirtschaft erpressen. Von Trumps Zielen ist längst keine Rede mehr."
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG ergänzt: "Iran will sich die Aufsicht über die Wasserstraße mit dem kleinen Nachbarland Oman teilen. Das Sagen wird folglich Teheran haben. Die Iraner bestimmen allein, wer in den Persischen Golf einfahren darf. Und sie wollen maßgeblich mitreden, wer ihn verlassen darf. Die Iraner wollen zudem einen saftigen Wegezoll erheben. Die für die weltweite Energieversorgung zentrale Meerenge als Goldesel für ein Regime, dessen Wirtschaft wegen der Sanktionen, ökonomischer Inkompetenz und alles erdrückender Korruption ein Jammertal ist. Wenn das eines der greifbaren Ergebnisse von Trumps Kriegszug sein sollte, dann Gratulation. Statt 'Make America great again', wäre 'Iran great again", kommentiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, und damit endet die Presseschau.