11. August 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Heute unter anderem mit Kommentaren zur Aussage des Co-Vorsitzenden der Linken, der nicht ausschließt, dass seine Partei einen CDU-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt unterstützt. Außerdem blicken viele Zeitungen erneut auf das Niedrigwasser, seine Folgen und die hohen Temperaturen.

Ein Außenthermometer zeigt vor dem blauen Himmel und der Sonne eine Temperatur von nahezu 40 Grad Celsius an.
In Westeuropa waren der Juni und der Juli so heiß wie noch nie seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. (dpa / Frank Rumpenhorst)
In Westeuropa waren der Juni und der Juli so heiß wie noch nie seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG fasst zusammen: "Die Hitze lässt sich nicht mehr so einfach bewältigen, Niedrigwasser schränkt die Schifffahrt ein, Dürre belastet die Landwirtschaft, Trockenheit drosselt die Energiewirtschaft. Mit jedem dieser Punkte ist die Klimakrise beschrieben. Wenn nun Klimaschützer und Umweltaktivisten folgern, die Politik habe noch immer nicht begriffen, was die Klimakrise bedeute, richtet sich ihre Kritik in Wahrheit gegen sie selbst. Zu lange wurde das Phänomen dämonisiert, ohne die Symptome zu bekämpfen. Es nutzt den Bauern, Spediteuren, Stromkunden, Energiekonzernen, Brandbekämpfern, Hitzeopfern nichts, wenn Deutschland und Europa morgen schon klimaneutral wären. Es hilft ihnen aber sehr wohl, wenn in Technik investiert wird, die heute schon die Folgen der Klimakrise bändigt", ist sich die F.A.Z. sicher.
"Aufwachen, der Klimawandel ist real!", titelt die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf. "In Deutschland und Europa erleben die Menschen in diesem Sommer hautnah, was die Folgen des menschengemachten Klimawandels bedeuten. Gigantische Flächen werden in Südeuropa von Waldbränden verwüstet, weil die Trockenheit deren rasante Ausbreitung begünstigt. Hitzewellen folgen in kurzen Abständen aufeinander, forderten bereits allein in Deutschland weit mehr als 10.000 Tote. Und das historische Niedrigwasser im Rhein und anderen Flüssen ist Ergebnis einer extremen Dürre, die massive Wirtschaftsschäden nach sich zieht. Viel zu lange ist gar nichts passiert, Klimapolitik und die Anpassungen an die Erderwärmung wurden sogar torpediert. Um es mit dem britischen Polarforscher Robert Swan zu sagen: 'Die größte Gefahr für unseren Planeten ist der Glaube, dass schon jemand anderes ihn rettet'." Sie hörten die RHEINISCHE POST.
"Seit Jahrzehnten ist klar, dass der Klimawandel die Binnenschifffahrt verändern wird", heißt es in den BADISCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN. "Dass ausbleibender Schnee im Winter und trockene Sommer sich auf den Güterverkehr auf dem Wasser auswirken werden. Und doch trifft es uns scheinbar aus heiterem Himmel. Die geplante Vertiefung der Wasserstraßen wird seit einer gefühlten Ewigkeit verschleppt. Auf das marode Schienennetz lässt sich kaum etwas verlagern. Also müssen es Lastwagen richten. Auf ebenso sanierungsbedürftigen Straßen und Brücken. Größtenteils mit Verbrennungsmotor. 150 davon braucht es, um ein Binnenschiff zu ersetzen. Woher die ganzen zusätzlichen Fahrzeuge und Fahrer kommen sollen? Geschenkt." So weit die BADISCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN, die in Karlsruhe erscheinen.
"Ausgerechnet die Straße!", empört sich die Zeitung ND DER TAG. "Weil ohnehin immer mehr Güterverkehr über Lkw abgewickelt wird, kann der Verkehrssektor die Klimaziele der Bundesrepublik nicht einhalten. Müsste nicht die Schiene eher zum Zuge kommen, wenn es um den Transport von Gütern geht, die während einer Dürre nur eingeschränkt auf den Flüssen transportiert werden können? Doch der Haken dabei ist: Mit solchen Überlegungen lässt sich nicht so leicht Wirtschaftswachstum erzielen. Und doch müssen sich die politischen Akteure darauf einlassen, ebenso wie wir als Gesellschaft. Das wird in diesem Sommer deutlich: Wenn wir nicht langsam anfangen, nachhaltig zu leben, dann ist alles nichts", lautet die Auffassung von ND DER TAG.
Die TAGESZEITUNG moniert: "Dass kurzfristige Kapitalinteressen wichtiger sind als Klimaschutz, zeigt sich auch im Zuge des Niedrigwassers und der damit einhergehenden eingeschränkten Binnenschifffahrt. Statt die Güter auf die Schiene zu bringen und die Schieneninfrastruktur zu stärken, um Engpässe künftig besser aufzufangen, sprach sich der neue CDU-Verkehrsminister Steffen Bilger dafür aus, die Lkw-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen auszusetzen", kritisiert die TAZ.
"Vielleicht hätte die Aufhebung der Fahrverbote noch etwas gebracht, wenn man sie schon vor Wochen beschlossen hätte", spekuliert T-ONLINE. "Auch dann wären mehr Lastwagen auf den Autobahnen kein Allheilmittel gewesen, aber die Logistikwelt hätte sich möglicherweise auf die kommende Notlage einstellen können. Die jetzt mit viel Verspätung und mitten in den Ferien verkündete Aufhebung der Lkw-Fahrverbote zeugt deshalb mal wieder von Ideenlosigkeit dieser Bundesregierung, wenn es um den Klimawandel geht", beklagt T-ONLINE.
Zum nächsten Thema. Der Co-Vorsitzende der Linken, Pantisano, schließt nicht aus, dass seine Partei einen CDU-Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt unterstützt. Die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg analysiert: "Dies zeigt, wie ernst die Lage ist. In Sachsen-Anhalt wächst die Verzweiflung angesichts der Umfragen - bei den Linken, aber auch bei der CDU. Für die Linken ist es nur folgerichtig, die Wahl eines CDU-Ministerpräsidenten zu erwägen. Es wird von der tatsächlichen Verzweiflung nach der Wahl abhängen, wie viel die Union sich die Stimmen der Linken kosten lassen wird."
DIE TAGESPOST aus Würzburg schreibt dazu: "Strategisch haben die Christdemokraten diesem letzten Schachzug des Luigi Pantisano kaum etwas entgegenzusetzen. Vor allem, nachdem CDU-Fraktionschef Thorsten Frei von Berlin aus disziplinarisch-drohend die Keule gegen ein AfD-Bündnis schwingt. Es wird höchste Zeit, dass die Bundes-CDU ihrem Magdeburger Ministerpräsidenten schon jetzt den Rücken stärkt für eine Minderheitsregierung." Das war die TAGESPOST.
"Derzeit ist es die Wirtschaft, die am eindrücklichsten vor den Folgen einer AfD-Wahl warnt", bemerkt die FRANKFURTER NEUE PRESSE. "Sie kann sich eine lange Sommerpause nicht leisten. Warum die Regierungsparteien ihre nicht beenden, ist schwer zu verstehen. In der SPD sehen viele Genossen die Existenz ihrer Partei gefährdet, eine Arbeitsgemeinschaft fordert nun sogar offen die Wahl einer neuen Parteispitze - aber erst im Herbst. In der CDU brodelt es ebenfalls, doch auch da werden wichtige Entscheidungen, gerüchteweise vielleicht sogar über den Kanzler, auf die Zeit nach den Wahlen im Osten verschoben. Hauptsache, die Sündenböcke sind jetzt schon ausgeguckt für den Moment des Debakels. Genau diese Haltung aber macht alles noch schlimmer. Pausieren und Taktieren scheinen wichtiger als die oft beschworene Rettung der Demokratie", klagt die FRANKFURTER NEUE PRESSE.
Hören Sie abschließend einen Auszug aus der FRANKFURTER RUNDSCHAU, in der das Nein des israelischen Regierungschefs Netanjahu zum Gaza-Plan des US-Präsidenten bewertet wird. "Israel sollte schon sich selbst zuliebe alles tun, um zu verhindern, dass die Terroristen das Leid der Menschen ausnutzen und junge Männer ohne Perspektive für ihre Zwecke mobilisieren. Aber Netanjahu setzt eine Linie fort, die Israels Gaza-Politik schon vor dem 7. Oktober geprägt hat – und die mitverantwortlich dafür ist, dass die Hamas das Massaker planen und durchführen konnte. Es war eine Politik der chronischen Verweigerung. Sie zielte darauf ab, jede palästinensische Selbstbestimmung im Keim zu ersticken – und führte in die Katastrophe. Fast drei Jahre nach dem größten Massaker an der israelischen Zivilbevölkerung beweist Netanjahu, dass er nichts gelernt hat. Ende Oktober wird in Israel gewählt. Es wird auch ein Votum über Netanjahus Blockadehaltung sein. Gut möglich, dass die Israelis seine Bitte, ihm erneut das Vertrauen zu schenken, mit einem entschiedenen Nein beantworten."