14. August 2026
Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Kommentiert werden der 65. Jahrestag des Mauerbaus sowie die anhaltende Hitze in diesem Sommer. Zunächst geht es aber um den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt.

Deutschland- und Landesfahne von Sachsen-Anhalt vor der gelb-weißen Fassades des Landtags von Sachsen-Anhalt am Domplatz in Magdeburg.
Landtag in Sachsen-Anhalt (Archivbild) (Imago / Jan Huebner)
"Drei Wochen vor dem Urnengang entspinnt sich eine bizarre Dynamik zwischen der AfD und dem BSW", stellt die FRANKFURTER RUNDSCHAU fest: "Beide Parteien kämpfen um die gleiche Wählerschaft. Russlandnah, ostdeutsch geprägt und überzeugt davon, dass sich grundsätzlich etwas ändern muss in diesem Land, egal wie. Wagenknecht zeigt ihnen die Lösung auf: Wählt BSW, und ihr bekommt den Wechsel, der ohne den Einzug ihrer Partei womöglich scheitern würde. Taktisch wählen nennt man das. Dieses Prinzip kennen sie in Sachsen-Anhalt bereits. Damit machen SPD und vor allem Grüne seit Wochen Wahlkampf – nach dem Motto: Wer einen rechten Ministerpräsidenten verhindern will, muss uns über die Fünf-Prozent-Hürde bringen. Wenn das BSW auch in den Landtag einzieht, schlägt diese Strategie fehl", notiert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.
Die NÜRNBERGER ZEITUNG analysiert Wagenknechts Vorschlag einer Landesregierung aus Fachleuten ohne Parteizugehörigkeit: "Das könnte ein Ausweg sein, wenn in keine Richtung mehr etwas geht. Man müsste zunächst, was schwierig ist, eine Persönlichkeit finden, mit der quer durch das Parlament alle leben können, und dieser dann das Amt des Ministerpräsidenten übertragen. Dessen Regierung müsste sich bei jeder Sachfrage neue Mehrheiten suchen - vermutlich immer wieder mit Stimmen der AfD. Das ist genau das Problem, das viele mit der Lösung haben werden", befürchtet die NÜRNBERGER ZEITUNG.
Die TAGESZEITUNG - TAZ - hält dagegen: "Die Linke ist im Osten Deutschlands ein Stabilitätsanker. Sie hat auch keine Alternative zu dieser Rolle, will sie eine Regierungsbeteiligung der AfD verhindern. Dass dieses Ziel Vorrang hat, darüber herrscht in der Linken breiter Konsens. Die CDU sollte sich dafür aber allmählich erkenntlich zeigen und ihr Linken-Bashing einstellen. Denn selbstverständlich ist das Entgegenkommen der Linken nicht. Es sollte seinen Preis haben", findet die TAZ.
Die STUTTGARTER ZEITUNG geht auf den Vorschlag von Thüringens AfD-Vorsitzenden Höcke ein, Wagenknecht zur Ministerpräsidentin in Erfurt zu wählen: "Auf den ersten Blick ist das eine ausgestreckte Hand, auf den zweiten vielmehr ein vergiftetes Angebot. Bei aller Kritik an der Brandmauer hat sich die einstige Frontfrau der Linken zumindest früher auch an Höcke abgearbeitet. Höcke weiß auch, dass die Thüringer BSW-Chefin Wolf sehr schlecht auf die Parteigründerin zu sprechen ist und sie nicht wählen würde - erst recht nicht mit Unterstützung der AfD, mit der Wolf nichts zu tun haben möchte. Höcke hat mit seinem Vorstoß wieder einmal Aufmerksamkeit erzeugt. Vielleicht war das auch das Ziel. Doch Höcke, der sich für einen großen Strategen hält, hat einen Aspekt nicht berücksichtigt: Er spricht Wagenknecht die Fähigkeit zu, sein Bundesland zu führen - just als Höckes Parteifreund Siegmund die Abgrenzung zum BSW sucht, weil die Partei seine absolute Mehrheit in Sachsen-Anhalt verhindern könnte", konstatiert die STUTTGARTER ZEITUNG.
Der KÖLNER STADT-ANZEIGER merkt an: "Die Rechtsextremisten wollen einen rationalen Dialog, auf den die Demokratie dringend angewiesen ist, zerstören, um die Demokratie selbst aus den Angeln zu heben. Überdies ist Höckes Ehrerbietung für Wagenknecht und der Versuch, ihr Publicity zu verschaffen, der Dank für deren verstecktes Angebot, der AfD in Sachsen-Anhalt in den Sattel der Regierung zu verhelfen. Zentral sei schließlich der Sturz der CDU, sagt sie. Es geht also nicht um den Landtag in Erfurt, sondern um den in Magdeburg. Dass der AfD jedes Mittel recht ist, ist bekannt. Dass für Wagenknecht das Gleiche gilt, ist indes ähnlich offenkundig. Vor einigen Jahren hatte sich die damalige Linken-Politikerin noch gegen eine Koalition mit SPD und Grünen gewehrt. Begründung: So ein Bündnis sei nicht links genug. Später hat sie zunehmend AfD-ähnliche Töne angeschlagen: in der Migrationspolitik, während der Corona-Pandemie, mit Blick auf das Verhältnis zu Russland. Nun steht die Querfront vor der Vollendung", beobachtet der KÖLNER STADT-ANZEIGER.
65 Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer ist an die Opfer der deutschen Teilung gedacht worden. Die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf fasst zusammen: "In der DDR wurden Menschen bespitzelt, aus politischen Gründen eingesperrt und zu Zwangsarbeit verpflichtet. Es gab keine freien Wahlen und keine Meinungsfreiheit. Wer sich gegen das Regime stellte, musste mit Konsequenzen rechnen. Und wer versuchte, aus der DDR zu fliehen, setzte dabei im Zweifel sein Leben aufs Spiel. Was braucht es also mehr als 35 Jahre nach dem Ende der DDR? Zum einen eine Erinnerungskultur, die beides aushält: die persönlichen Erinnerungen genauso wie die für manche unbequeme Wahrheit über die Diktatur. Zeitzeugen können und müssen bei diesem Spagat eine wichtige Rolle spielen. Zum anderen muss es gelingen, jungen Menschen in der Schule DDR-Geschichte besser zu vermitteln. Gerade im Westen scheint die DDR weit weg und spielt de facto eine untergeordnete Rolle im Geschichtsunterricht. Wer aber verhindern will, dass Geschichte verklärt wird, muss vor allem mehr aufklären", fordert die RHEINISCHE POST.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG moniert: "Dass es zum Mauerbau keine ernst zu nehmende Wortmeldung aus der Linkspartei oder der AfD gibt, ist Ausdruck dieser neuen deutschen Unkultur, die nicht aus der Geschichte gelernt hat. Gerade das Mauergedenken müsste die Einsicht fördern, dass ein Denken in ideologischen Schutzwällen nicht weiterhilft. Die Linkspartei hat das Privileg, dass eine breite linke politische Kultur Westdeutschlands ihr den Weg bis in die Regierungsverantwortung geebnet hat. Diese Integrationsleistung, in deren Genuss vor der Linkspartei auch die Grünen gekommen waren, ist auf der rechten Seite nicht möglich gewesen. Diese Mauer, ganz ohne Beton und Stacheldraht, droht das Land wieder zu teilen", heißt es in der F.A.Z.
Die DITHMARSCHER LANDESZEITUNG aus Heide mahnt: "Wir können lang und breit zu jedem Jahrestag die Mauer in den Köpfen beklagen. Wichtiger wäre, gegensätzliche Sichtweisen nicht pauschal zu verdammen. Tatsächlich erfordert es mehr Mut, auf Andersdenkende zuzugehen, als sich in seiner Blase einzumauern. Wie so oft lohnt es sich auch dabei, mutig zu sein."
Zuletzt Kommentare zur anhaltenden Hitze in Deutschland. Die PFORZHEIMER ZEITUNG skizziert die Lage der Bauern: "Dass Mega-Dürren immer häufiger werden, ist eine Folge des Klimawandels, an dem auch die globale industrielle Landwirtschaft ihren Anteil hat. Die heimischen Bauern arbeiten im Vergleich dazu eher kleinteilig und verantwortungsbewusst, wer sie unterstützt, leistet also einen Beitrag zum Klimaschutz. Aber auch die deutsche Landwirtschaft muss künftig noch stärker darauf achten, dass sie ihren ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich hält. Ebenso tun sich die heimischen Bauern selbst einen großen Gefallen, wenn sie ihre gefährliche Abhängigkeit von importiertem Tierfutter und Dünger reduzieren. Es darf nicht darum gehen, die Bauern mit immer neuen Vorschriften zu gängeln", ist in der PFORZHEIMER ZEITUNG zu lesen.
"Die Herausforderungen, vor denen die deutsche Landwirtschaft steht, können nur mit Unterstützung von Politik und Gesellschaft bewältigt werden", schreibt die AUGSBURGER ALLGEMEINE: "Es wäre fatal, die Bauern jetzt alleinzulassen. Denn auf dem Spiel stehen das Überleben eines wichtigen Berufsstandes, die Bezahl- und Verfügbarkeit gesunder, regional erzeugter Lebensmittel und noch viel mehr. Wenn mehrere Krisen zusammenkommen, kann der Nachschub für die Supermarktregale schnell ausbleiben. Eine zuverlässige und krisensichere Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln ist ohne eine gesunde heimische Landwirtschaft nicht möglich." Mit diesem Kommentar aus der AUGSBURGER ALLGEMEINEN endet diese Presseschau.