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Die Wissenschaftslüge

Angebliche Studien, die keine sind; wissenschaftliche Erfolgsmeldungen, die von Pharmafirmen gesponsert wurden; selbsternannte Experten ohne jedes Fachwissen und Journalisten, die jeden Blödsinn übernehmen, wenn er nur verklausuliert genug daher kommt. Längst nicht alles, was wissenschaftlich scheint, ist wirklich Wissenschaft.

Von Michael Lange | 25.04.2010

So machte zum Beispiel die Formel für den optimalen Hüftschwung ihren Weg durch die Medien. Dahinter steckte ein Wissenschaftler, der von einer PR-Firma 500 Pfund erhielt, um eine möglichst plausibel aussehende Gleichung zu präsentieren. Goldacre wirft diesen "Medienhuren" der Forschergemeinde vor, dass sie den Ruf der ganzen Wissenschaft schädigen, um sich etwas dazu zu verdienen. Anderen schwarzen Schafen im weißen Kittel gelang es, unbewiesene Theorien dem Staat zu verkaufen, wie ein Programm zur Hirngymnastik, das an britischen Schulen durchgeführt wird.

Ben Goldacre legt eine umfangreiche Sammlung von Blödsinn vor, der sich unter dem Deckmantel der Wissenschaft verbirgt. Der Titel des Buches ist unglücklich gewählt, denn es geht nicht um Lügen der Wissenschaft, sondern um Missbrauch von Wissenschaft oder Pseudowissenschaft. Um diese zu brandmarken, scheut der Autor nicht vor Polemik zurück. So schreibt er über Nachrichtenredakteure, dass die meisten von ihnen wahre Wissenschaft nicht erkennen würden, wenn sie nackt vor ihnen tanzte.

Ben Goldacre: Die Wissenschaftslüge. Die pseudowissenschaftlichen Versprechungen von Medizin, Homöopathie, Pharma- und Kosmetikindustrie
ISBN: 978-3-596-18510-8
Fischer Taschenbuch, 420 Seiten, 9,95 Euro