CSD-Angriff
So ist der Stand nach der Gewalttat beim CSD in Berlin

In Berlin ist bei einem mutmaßlichen Anschlag am Rande des Christopher Street Day eine Frau getötet worden. Eine Person fuhr mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge. Die Polizei fahndet nach einem Verdächtigen aus der islamistischen Szene. Hier ein Überblick, den wir laufend aktualisieren.

    Blick auf einen Parkweg. Am Ende steht ein ramponiertes Auto vor einem Baum. Am Rande des Weges stehen Einsatzwagen und Kräfte von Polizei und Behörden.
    Gewalttat beim CSD: der Tatort im Berliner Tiergarten. (IMAGO / Frank Gaeth / IMAGO / Frank Gaeth)

    Was ist passiert?

    Tatort ist ein Fußweg im Tiergarten in der Nähe des Potsdamer Platzes außerhalb des offiziellen Veranstaltungsbereichs. Dort fuhr am späten Abend gegen 22 Uhr eine Person in einem Kastenwagen auf Menschen zu und fuhr sie an beziehungsweise um. Neben der getöteten Frau gab es laut Angaben von Bundesinnenminister Dobrindt Stand Sonntagnachmittag 29 Verletzte. Laut früheren Angaben sind drei von ihnen lebensbedrohlich verletzt, acht schwer. Das Auto prallte nach der Tat gegen einen Baum. Laut Dobrindt griff der Täter dann Menschen auch mit einer Machete an. Nach der Tat flüchtete er und konnte bis jetzt nicht gefasst werden. Dobrindt sagte am Nachmittag, alles deute darauf hin, dass man es mit einem islamistischen Terroranschlag zu tun habe.

    Nach wem fahndet die Polizei?

    Noch in der Nacht hatte die Polizei bekanntgegeben, einen Verdächtigen identifiziert zu haben. Dieser sei polizeibekannt und werde der islamistischen Szene Berlins zugerechnet, hieß es. Wie Innenminister Dobrindt am Nachmittag mitteilte, handelt es sich um einen 21-Jährigen mit libanesischem Hintergrund, der in Deutschland geboren und deutscher Staatsbürger sei. Dieser sei bereits in der Vergangenheit auffällig gewesen, erklärte Dobrindt. Nach Informationen mehrerer Medien sympathisiert der Gesuchte mit der IS-Terrormiliz und war erst im Mai aus dem Jugendarrest entlassen worden. Polizeibekannt ist er laut der "Bild"-Zeitung unter anderem wegen schwerer Körperverletzung und räuberischer Erpressung.

    Wie verlief die Fahndung bis jetzt?

    Die Generalstaatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt Berlin teilten mit, sie ermittelten aufgrund des Verdachts eines Anschlags. Nach dem 21-Jährigen wird mit einem Foto öffentlich gefahndet. Zudem hofft die Polizei auf Hinweise zum Tatgeschehen aus der Bevölkerung und hat dafür ein Online-Portal eingerichtet. Zeuginnen und Zeugen werden gebeten, selbst aufgenommene Fotos oder Videos zu übersenden.
    In der Nacht sperrte die Polizei den Park und suchte aus der Luft mit Wärmebildkameras nach dem mutmaßlichen Täter. Vier Stunden nach der Tat durchsuchte die Polizei eine Wohnung im Berliner Stadtteil Schöneberg, traf dort jedoch niemanden an. Später wurde unter anderem die unterirdische S-Bahn-Station Anhalter Bahnhof gesperrt und von schwerbewaffneten Polizisten durchsucht. Berlins Innensenatorin Spranger, Staatsanwaltschaft und Polizei wollen am späten Nachmittag oder frühen Abend bei einer Pressekonferenz über den Stand der Ermittlungen informieren.

    Wie reagieren die Politik und die queere Gemeinschaft?

    Berlins Regierender Bürgermeister Wegner von der CDU sprach nach der Tat von einem "Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft". Nach einem friedlichen und bunten CSD sei die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert worden. "Berlin ist die Stadt der Freiheit - und unsere Freiheit ist heute aufs Schrecklichste angegriffen worden." Wegner fügte hinzu, seine Gedanken seien bei den Opfern, ihren Familien und Freunden.
    Bundeskanzler Merz sprach von einer "abscheulichen Tat". Er stehe mit Bundesinnenminister Dobrindt in engstem Kontakt und werde von den Sicherheitsbehörden fortlaufend unterrichtet, zitiert die Nachrichtenagentur AFP einen Regierungssprecher. Von Dobrindt selbst hieß es, die "feige und abscheuliche Attacke auf friedlich feiernde Menschen" erschüttere ihn zutiefst.
    Bundestagspräsidentin Klöckner ordnete Trauerbeflaggung für den Bundestag an. Sie sagte, wer Menschen attackiert, die für Freiheit, gleiche Rechte und Vielfalt einstünden, greife die Grundlage unseres demokratischen Gemeinwesens an. Bundespräsident Steinmeier sagte bei einer Veranstaltung in Hamm: "Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben."
    Auch der neue CDU-Spitzenkandidat für die bevorstehende Abgeordnetenhauswahl in Berlin, Evers, drückte auf X sein Entsetzen aus: "Es trifft unsere Stadt mitten ins Herz." Evers ist mit einem Mann verheiratet.
    Wie die queere Community trauert und reagiert haben wir hier zusammengefasst.

    Wie war der CSD bis zur Tat verlaufen?

    Sehr friedlich: In Berlin hatten Hunderttausende unter dem Motto "Haltung ist hot" gefeiert und für die Rechte von queeren Menschen demonstriert. Vor der Parade erinnerten Politiker und Aktivisten an die homosexuellen Opfer der Nationalsozialisten. Unter Hitler wurden queere Menschen verfolgt, in Lager gesteckt und oft auch getötet.
    Die jährlich organisierten CSD-Kundgebungen erinnern an den 28. Juni 1969, als die Polizei die Schwulenbar "Stonewall Inn" in New York stürmte. Es folgten tagelange Zusammenstöße mit Aktivsten, die als Geburtsstunde der modernen Schwulen- und Lesbenbewegung gelten.
    Diese Nachricht wurde am 26.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.